Audi-Chef Gernot Döllner hat gegenüber The Drive erzählt, dass der kommende Audi Q9 beinahe mit elektronischen Türgriffen gestartet wäre. Erst eine finale Validierungs-Testfahrt brachte die Wende – und Döllner gab den Wechsel zurück zu mechanischen Griffen frei. Der Audi-Chef beschreibt das verworfene System als technisch clever, aus Kundensicht aber als Rückschritt. Seine Kernaussage: Es fühlte sich zwar nach Innovation an, funktionierte im Alltag eines Full-Size-SUV aber schlechter als ein ganz normaler Türgriff.
So sollte der E-Türgriff funktionieren
Audi plante laut Döllner eine Lösung mit einer kleinen "Flügel"-Form am Türblatt. Bei einer Berührung des Bauteils sollte ein piezoelektrischer Effekt auslösen – dies öffnete dann die Tür elektromechanisch. Ein ähnliches System nutzt Volvo bei seinem SUV XC60.
Warum das Konzept nicht zum Q9 passt
Döllner grenzt im Interview ab: In einem großen SUV zählen robuste Bedienbarkeit, klare Rückmeldung und Alltagstauglichkeit – bei jedem Wetter, mit Handschuhen, mit vollen Händen, im Stress. In diesem Nutzungs-Szenario sah er das filigran wirkende elektronische Konzept im Nachteil.
Wie spät die Entscheidung fiel – und warum das teuer ist
Der Wechsel kam laut Döllner rund 45 Wochen vor der Medienpräsentation – extrem spät für ein Bauteil, das tief in Konstruktion und Produktion verwurzelt ist. Selbst die Werkzeuge für die Fertigung der elektronischen Türgriffe waren offenbar schon bestellt; Audi musste umplanen und neue Werkzeuge kaufen.

Die Entscheidung gegen elektronische Türgriffe beim Q9 haben die Audi-Verantwortlichen so spät gefällt, dass sie neue Werkzeuge für die Produktion kaufen mussten (im Bild der Q9 in der Produktion mit den mechanischen Serien-Türgriffen).
China-Verbot? Spielt mit, war aber nicht der Auslöser
Der Zeitpunkt fiel parallel zu Restriktionen gegen "unkonventionelle" Türgriffe im chinesischen Markt. Döllner betont jedoch, dass diese Regulierung nicht der entscheidende Treiber für Audis Kehrtwende war.

In den USA zählen aktuell zu enge Becherhalter zu den größten Ärgernissen von Autofahrern - Audi hat das Problem bei der Entwicklung des Q9 (Bild) noch gerade rechtzeitig bedacht.
Q9 als erstes Döllner-Auto
Döllner betont, Q7 und Q9 seien die ersten Modelle, bei denen er wirklich mitentscheiden konnte. Er führt die Türgriffe als Beispiel an, nennt aber auch weitere, klar kundenzentrierte Eingriffe im Innenraum. So haben die Ingenieure unter anderem die Mittelkonsole überarbeitet, Cupholder auf große Becher (Stichwort Stanley Cup) ausgelegt – seit der häufigen Verbreitung von übergroßen Bechern zählen zu enge Becherhalter bei US-Autofahrern zu den größten Ärgernissen. Außerdem haben die Ingenieure wieder mehr klassische Schalter eingeplant – ein Trend, den VW, Hyundai, Ferrari und jüngst auch Mercedes mitgehen. Dazu kommen Anpassungen an Türbedienfeldern, Innenraumkühlung, Sitzen und Dachkonzept.












