In den letzten Jahren drohte die Formel 1 fast zu einem Alt-Herren-Club zu werden. Mit Fernando Alonso (45), Lewis Hamilton (41), Nico Hülkenberg (38), Valtteri Bottas (36) und Sergio Perez (36) gehen gleich fünf Piloten in der Königsklasse an den Start, die vor dem Auftaktrennen der Saison 1990 geboren wurden.
Mit Kimi Antonelli fährt den Routiniers ausgerechnet einer der jüngsten Fahrer im Feld aktuell um die Ohren. Der Italiener gehört noch bis zum 25. August zur Teenager-Fraktion. Diese besteht neben Antonelli nur aus Arvid Lindblad, dem einzigen Rookie unter den 22 Fahrern. Eine kleine Auffrischung mit jungen Talenten könnte dem Feld also nicht schaden.
Mit dem großen Wechsel des Technik-Reglements setzten die meisten Teamchefs für 2026 auf den Faktor Erfahrung. Neben der steilen Lernkurve mit den Autos wollte man sich nicht auch noch die Ausbildung eines Nachwuchspiloten aufhalsen. Antonelli und Lindblad sind aber der beste Beweis, dass diese Sorge unbegründet war. Beide haben die Erwartungen mehr als erfüllt.
Deshalb spricht aktuell nicht viel gegen eine Verjüngungskur der Königsklasse in den nächsten Jahren. An guten Nachwuchsrennfahrern mangelt es nicht. Die Suche nach den aussichtsreichsten Kandidaten führt traditionell in die Formel 2. Hier sorgen dieses Jahr gleich zwei Mega-Talente für Aufsehen.

Duellieren sich Rafael Camara und Nikola Tsolov nächstes Jahr in Formel-1-Autos?
Tsolov hofft auf Lawson-Schwäche
Red-Bull-Junior Nikola Tsolov führt die Fahrerwertung aktuell klar an. Der Bulgare zeigt sich vor allem in den Rennen konstant und zweikampfstark. Dass er reif genug für den Aufstieg ist, daran gibt es keinen Zweifel. Sein Problem ist, dass der schon erwähnte Arvid Lindblad sowie Teamkollege Liam Lawson bei den Racing Bulls ebenfalls stark abliefern. Sollte sich Tsolov den Meistertitel holen, muss er die Formel 2 auf jeden verlassen.
Die Verantwortlichen im Energy-Drink-Imperium müssen also irgendwann eine Entscheidung treffen. Man darf davon ausgehen, dass diese erst spät in der Saison fällt, um die Entwicklung der drei Piloten so lange wie möglich in die Rechnung einzubeziehen. Wenn einer der Jungbullen für Tsolov Platz machen muss, dann wohl eher Lawson. Der Neuseeländer liegt im Klassement zwar 20 Punkte vor Lindblad, hatte im Vorjahr aber schon seine Chance bei Red Bull.
Racing-Bulls-Geschäftsführer Peter Bayer kündigte an, dass Tsolov nach der Sommerpause ein sogenanntes TPC-Programm bestreiten wird, also in älteren Formel-1-Modellen Erfahrung sammeln soll. Dazu ist auch ein Einsatz im Freitagstraining geplant. Wo der genau stattfinden soll, stand vor der Sommerpause aber noch nicht fest. Das hängt auch von Rennkalender ab, der wegen des Iran-Kriegs am Ende wackelt.

Nikola Tsolov durfte den Racing-Bulls-Overall bisher nur bei einem Showrun in seiner Heimat Sofia tragen.
Camara-Gerüchte um Cadillac
Auch Rafael Camara scharrt schon mit den Hufen. Der Brasilianer bewies seinen unglaublichen Speed in der Formel 2 vor allem mit seinen starken Quali-Ergebnissen. Bei sieben von neun Hauptrennen durfte das Ferrari-Talent aus der ersten Reihe losfahren. Vier Pole-Positions sind ebenfalls ein Bestwert für die Nachwuchsserie.
In den letzten Wochen tauchten Gerüchte auf, dass der 21-Jährige nächste Saison bei Ferrari-Kunde Cadillac andocken könnte. Doch Geschäftsführer Dan Towriss fing die Spekulationen am Rande der neuen Teamchef-Vorstellung gleich wieder ein. "Die Gerüchte entbehren jeder Grundlage", erklärte der US-Amerikaner. "Aber natürlich können sich die Dinge immer ändern."
Valtteri Bottas konnte bei Cadillac bislang nicht überzeugen. Sergio Perez soll angeblich mit einem Wechsel zu Williams liebäugeln, sollte dort Carlos Sainz das Weite suchen. Towriss sieht aktuell aber keinen Grund, sein Line-up zu ändern. "Wir sind zufrieden mit der Leistung unserer Piloten. Der Austausch eines Fahrers steht aktuell nicht zur Debatte."

Rafael Camara hat als Ferrari-Junior mehrere Optionen für den Formel-1-Aufstieg.
Zwei Ferrari-Junioren bei Haas?
Eine Alternative und die sportlich sicher interessantere Variante wäre der Aufstieg zu Haas. Auch hier bestünde für den Academy-Driver weiter eine Beziehung zu Ferrari. Dass Teamchef Ayao Komatsu nicht ganz zufrieden mit den Leistungen von Esteban Ocon ist, hatte er schon in der vergangenen Winterpause zugegeben. Drei Punkte in dieser Saison geben dem Franzosen leider keine neuen Argumente für eine Vertragsverlängerung.
Gegen Ollie Bearman sah Ocon in den ersten elf Rennen regelmäßig alt aus. Für Ferrari hätte die Beförderung zu Haas den Charme, dass man die beiden besten Nachwuchspiloten aus dem eigenen Stall beim gleichen Team im direkten Vergleich beobachten könnte. Deshalb sehen Experten Haas als die wahrscheinlichere Wahl. In Brasilien wurde zuletzt spekuliert, dass Camara erst einmal als Ersatzfahrer verpflichtet werden soll. Dafür gibt es aber eigentlich keinen Grund.





