Hanoi - F1-Stadtkurs - Streckenskizze
Hanoi - F1-Circuit - Detail
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Vietnam Grand Prix 2020

Designer Tilke verrät erste Details

Die Formel 1 dreht im April 2020 erstmals in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi ihre Runden. Wir haben Streckendesigner Hermann Tilke nach den Besonderheiten des Stadtkurses befragt.

Seit dem Start der Formel 1 1950 in Silverstone war die Königsklasse bereits in 32 Ländern unterwegs. In der übernächsten Saison wird Nummer 33 dazukommen. Vietnam hat sich mit vielen Millionen Euro einen Platz auf der F1-Landkarte gesichert. Die Vertreter der Hauptstadt Hanoi schlossen einen mehrjährigen Deal mit den Rechteinhabern ab. Es ist damit das erste neue Rennen, das unter der Führung von Liberty Media in den Kalender aufgenommen wird.

Bei den traditionellen Formel-1-Fans wird der Expansionskurs wohl nicht nur auf Zustimmung treffen. Immerhin konkurrieren neue Destinationen in Übersee mit den Klassikern im Kalender wie Hockenheim, Monza oder Silverstone. Die können aber mangels staatlicher Förderung bei den teuren Grand-Prix-Gebühren nicht mit den Exoten mithalten.

Die Verantwortlichen in Hanoi sehen das Rennen als eine lohnende Investition für das Tourismus-Marketing: „Wir können damit Hanois spezielle Kombination aus alter und moderner Schönheit zeigen und beweisen, dass wir Veranstaltungen von globaler Bedeutung austragen können“, erklärte Stadtrat Nguyen Duc Chung.

Tilke verspricht F1-Spektakel

Hermann Tilke - Formel 1 - 2018
xpb
Hermann Tilke hofft, dass der Stadtkurs in Hanoi gute Rennaction produziert.

Nicht nur die Kulisse, sondern auch die Strecke selbst soll dafür sorgen, dass das Rennen ein Erfolg wird. Die Experten von Liberty haben zusammen mit dem lokalen Promoter und dem Designbüro von Herman Tilke einen 5,656 Kilometer langen Stadtkurs mit 22 Kurven gestaltet, der die Fahrer vor neue Herausforderungen stellen und spektakulären Rennsport garantieren soll. Highlight ist eine 1,5 Kilometer lange Gerade. Sie ist nach Spa und Baku die drittlängste Vollgaspassage im ganzen Kalender. „Am Ende dieser Geraden stehen Tribünen, auf denen 35.000 Leute sitzen“, verrät Tilke. „Das gibt eine Atmosphäre wie in einem Fußballstadion.“

Ende Januar sollen die Bauarbeiten endlich beginnen. „Dann haben wir gerade einmal ein gutes Jahr, bis alles fertig sein muss. Das ist ziemlich ambitioniert. Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass wir so was machen. In Bahrain hatten wir damals auch nur 14 Monate für eine komplette Strecke.“

Dass die Errichtung eines Stadtkurses einfacher ist als der Neubau einer permanenten Strecke auf der grünen Wiese, sei laut Tilke ein Irrglaube. „Man denkt, dass es einfacher sein müsste, weil die Straßen schon vorhanden sind. Aber das stimmt nicht. Es müssen viel mehr Details beachtet werden als bei einem komplett neuen Kurs. Am Ende ist der Aufwand für uns ähnlich.“

Laut Tilke muss in Hanoi knapp ein Drittel der Strecke neu gebaut werden. „Auf dem restlichen Teil geht es über öffentliche Straßen, die schon vorhanden sind. Die müssen aber auch alle komplett neu asphaltiert werden. Die wurden ja ursprünglich nicht für die Formel 1 geplant“, erklärt der Bauingenieur.

Ein bisschen Nürburgring in Vietnam

Vietnam Grand Prix - Stadtkurs Hanoi
FOM
Die schnellen Richtungswechsel in der Passage T16 bis T19 erinnert an die Esses in Suzuka.

Gefahren wird im Westen der Stadt, in der Nähe des My-Dinh-Nationalstadions. In Sachen Layout versuchte man, vom üblichen 90-Grad-Kurveneinerlei wegzukommen, das man von anderen Stadtkursen kennt. So ließen sich die Designer gleich bei mehreren Passagen von anderen Strecken inspirieren. Die Kombination der Kurven 16 bis 19 erinnert zum Beispiel an die schnellen „Esses“ in Suzuka. Neben Highspeed-Abschnitten gibt es aber auch einige extrem langsame Ecken und Haarnadeln. Beim engen Richtungswechsel in Kurve 1 und 2 habe man sich die ersten Sektoren des Nürburgrings als Vorlage genommen.

„Für die Fahrer wird es nicht so einfach sein“, verspricht Tilke. Große Höhenunterschiede gebe das vorhandene Gelände in Hanoi allerdings nicht her, bedauert der Planer. „Wir versuchen jetzt, über das Banking der Kurven noch etwas Profil reinzubringen.“

Neben der bereits erwähnten 1,5-Kilometer-Geraden gibt es noch zwei weitere längere Vollgasstücke. „Das bedeutet eine Herausforderung für die Ingenieure. Wie in Baku müssen sie sich für einen Kompromiss bei den Flügeln entscheiden. Wegen der drei Geraden kann man es sich nicht leisten, die Flügel ganz steil zu stellen. Das bedeutet wiederum, dass in den Kurven dann etwas mehr gerutscht wird. Ich denke, dass wir uns auf Action freuen können.“

Boxengassen-Trick für mehr Taktik-Action

Vietnam Grand Prix - Stadtkurs Hanoi
FOM
Wer in die Boxengasse abbiegt, kürzt die Zielkurve ab. Auch am Ausgang machen die Reifenwechsler ein paar Meter gut. Das spart Zeit.

Ein besonderes Feature der Strecke in Hanoi ist die Boxengasse. Wer zum Reifenwechsel abbiegt, kürzt den letzten Abschnitt und die erste Kurve komplett ab. „Die Piloten fahren eine ganze Kurvenkombination weniger. Das spart extrem viel Zeit“, erklärt Tilke. „Das war ein Wunsch der Formel-1-Bosse. Sie wollten die Zeit, die man in der Boxengasse verliert, möglichst klein halten, um mehr Boxenstopps zu erzeugen und den Teams mehr Möglichkeiten mit der Strategie zu geben.“

Tilke geht fest davon aus, dass die Veranstaltung ein Erfolg wird. Nach seinen zahlreichen Vor-Ort-Terminen ist der 64-Jährige selbst schon zum Hanoi-Fan geworden. „Es ist einfach eine geile Stadt. Ein Teil ist sehr exotisch, ein anderer sehr modern. Es gibt auch noch alte französische Gebäude aus der Zeit der Kolonialherrschaft, die sehr gut restauriert wurden. Auch in Sachen Restaurants bekommen die Fans von High-Class bis Streetfood alles geboten. Hanoi ist auf jeden Fall eine Reise wert.“

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