Lewis Hamilton - GP England 2017 Lewis Hamilton - GP England 2017

Vorschau GP England

Hamilton-Konter beim Heimspiel?

Nach der ersten Saisonniederlage in Spielberg will Mercedes in Silverstone direkt den Konter gegen Red Bull und Ferrari setzen. Das Streckenlayout mit den vielen schnellen Kurven dürfte den Silberpfeilen wieder deutlich besser schmecken.

Der Österreich-Grand-Prix hat bewiesen, dass Mercedes doch nicht unschlagbar ist. Bei der ersten Niederlage des Jahres hatten allerdings auch zwei ungewöhnliche Faktoren ihren Anteil: Die extreme Hitze und das besondere Streckenlayout des Red-Bull-Rings mit seinen langen Geraden und den wenigen Kurven, die dazu auch noch alle relativ eng sind. Es war der perfekte Sturm, der die Silberpfeile am Ende in die Knie zwang.

Doch in Silverstone könnte es schnell wieder vorbei sein mit dem überraschenden Höhenflug von Red Bull und Ferrari. Die traditionsreiche Strecke gehört von den Durchschnittsgeschwindigkeiten zwar auch zu den eher schnelleren Pisten im Kalender, doch mit der Vielzahl an unterschiedlichen Kurven sollte der Mercedes deutlich besser zurecht kommen als die Konkurrenz.

Auch auf besondere Wetterkapriolen können die Herausforderer nicht hoffen. Das ganze Rennwochenende sind moderate Temperaturen von knapp über 20°C vorhergesagt. Eine kleine Regenwahrscheinlichkeit haben die Meteorologen nur für den Quali-Samstag ausgemacht. Es gibt nur eine einzige Unbekannte in England: In den letzten Monaten wurde auf der kompletten Strecke ein neuer Asphalt verlegt. Dass der Untergrund Mercedes auf dem falschen Fuß erwischt, ist aber eher unwahrscheinlich.

Die Strecke – Silverstone Circuit:

In Silverstone fand 1950 der erste Formel-1-Lauf überhaupt statt. Mit dem alten Layout hat die mittlerweile zehn Mal umgebaute Streckenführung auf dem ehemaligen Militär-Flugplatz aber nicht mehr viel gemeinsam. Obwohl über die Jahre immer mehr Kurven eingefügt wurden, gehört Silverstone nach wie vor zu den schnellsten Rennstrecken des Formel-1-Kalenders.

Vor allem die vielen fließenden Kurvenkombinationen machen Silverstone zu einem Highlight für Fans und Fahrer. Die Abfolge Copse, Maggotts und Becketts verlangt von den Piloten Mut und Präzision. Mit den abtriebsstarken Autos des Jahrgangs steigen die Fliehkräfte kurzfristig auf einen Höchstwert von mehr als 5,5G seitlicher Belastung. Das ist beinahe die doppelte Kraft, die Astronauten bei einem Raketenstart aushalten müssen!

Auch für die Reifen sind die hohen Kurvengeschwindigkeiten eine Herausforderung. Pirelli bringt deshalb wie üblich die drei härtesten Mischungen, die im Sortiment vorhanden sind. Die Erfahrung aus den letzten Jahren hat gezeigt, dass die Teams damit trotz der hohen Belastungen mit nur einem Stopp über die Runden kommen.

Überholen ist in Silverstone traditionell nicht so einfach. Die FIA hat sich vor der 2019er Ausgabe des britischen Grand Prix dazu entschieden, die letztes Jahr eingeführte dritte DRS-Zone vor Kurve 1 (Abbey) nicht noch einmal für das Flachstellen des Flügels freizugeben. An dieser Stelle gab vor zwölf Monaten durch die DRS-Zone gleich mehrere Unfälle. Zur Steigerung der Überholaction konnte die Maßnahme leider nicht beitragen.

Pirelli-Factsheet - GP England 2019
Pirelli
Pirelli bringt wie üblich die drei härtesten Mischungen C1, C2 und C3 zum Rennen nach Silverstone.

Fast Facts zum GP England:

  • Streckenlänge: 5,891 Kilometer
  • Rundenzahl: 52
  • Renndistanz: 306,198 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 18 (8 links, 10 rechts)
  • Distanz Pole Position bis Kurve 1: 296,3 Meter
  • Länge Boxengasse: 376,4 Meter
  • Längste Gerade: 1.034 Meter (Hangar Straight)
  • DRS-Zonen: 2 (vor T6 und vor T15)
  • Top-Speed: 330 km/h
  • Reifen: C1, C2, C3

Setup:

Weil die aktuellen Autos jede Menge Anpressdruck generieren, werden viele der schnellen Kurven mittlerweile zu Vollgaspassagen. Deshalb bauten die Ingenieure zuletzt deutlich flachere Flügel auf die Autos als früher. In diesem Jahr könnte der Trend wieder in die andere Richtung gehen. Die 2019er Pirelli-Reifen mit ihrer dünneren Lauffläche brauchen den Anpressdruck, um ordentlich auf Temperatur zu kommen.

Zu weit runter dürfen die Ingenieure mit dem Abtrieb sowieso nicht gehen, weil sonst Zeitverlust in den langsamen Kurven droht. In den Highspeed-Passagen muss vor allem die Vorderachse auf dem Asphalt kleben. Untersteuern können die Piloten bei den schnellen Richtungswechseln überhaupt nicht gebrauchen.

Um die aerodynamische Stabilität zu verbessern, wählen die Ingenieure meist ein straffes und tiefes Fahrwerk. Der Faktor Federweg für eine gute Traktion oder das Überfahren von Kerbs ist in Silverstoen nicht so relevant. Mit dem neuen Asphalt sollten nun auch die letzten Bodenwellen glattgebügelt worden sein. Die Bremsen sind auch kein großer Faktor. Im Gegenteil: Zwischen Luffield und Stowe stehen die Fahrer 40 Sekunden lang ununterbrochen auf dem Gas. Hier müssen die Ingenieure dafür sorgen, dass die Carbon-Stopper nicht auskühlen.

Updates:

Der extreme Entwicklungswettlauf vor der Sommerpause geht in Silverstone in die nächste Runde. Ferrari hat wieder einmal kleinere Modifikationen angekündigt, mit denen man herausfinden will, in welche Richtung die Entwicklung in Zukunft gehen soll. Auch Mercedes will schon ein paar neue Teile ans Auto bringen, bevor dann zwei Wochen später in Hockenheim das große Update-Paket debütiert.

Bei Renault hatte man den ersten größeren Umbau schon in Frankreich vollzogen. Doch auf der Strecke kam der erwartete Fortschritt bisher noch nicht so richtig an. In Silverstone will das Team aus Enstone nun noch einmal ordentlich nachlegen. Auch Racing Point hat angekündigt, dass man beim Heimspiel in England neue Teile testen will. Wir erwarten also für Technik-Fans ein spannendes Wochenende.

Zeitplan GP England 2019

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 1. Training – Fr. 12. Juli – 11.00 Uhr
Freies Training 2 2. Training – Fr. 12. Juli – 15.00 Uhr
Freies Training 3 3. Training – Sa. 13. Juli – 12.00 Uhr
Qualifying Qualifying – Sa. 13. Juli – 15.00 Uhr
Rennen Rennen – So. 14. Juli – 15.10 Uhr

Favoriten

Trotz der Mercedes-Niederlage in Österreich ist die Favoritenfrage leicht zu beantworten. Silverstone droht dieses Jahr zur großen Silberpfeil-Party zu werden. Das Allround-Modell W10 kann hier seine Stärken beim Chassis und beim Motor voll ausspielen. Die große Frage lautet nur, ob Valtteri Bottas seinem Teamkollegen Lewis Hamilton ausgerechnet bei dessen Heimspiel in die Suppe spucken kann.

Ferrari hat dieses Jahr schon häufiger Schwächen gezeigt, wenn es darum ging, das Auto für unterschiedliche Kurvenarten abzustimmen. Red Bull besitzt aktuell das bessere Chassis, dafür fehlt dem RB15 der Punch auf den Vollgaspassagen. Man darf gespannt sein, ob Max Verstappen die roten Raketen wieder ärgern kann. Interessant ist auch, ob sich Pierre Gasly nach den herben Pleiten zuletzt vom Druck befreien kann.

Im Mittelfeld dürfte es wieder ganz eng zur Sache gehen. McLaren hatte hier zuletzt eindeutig die Nase vorne. Auch Alfa Romeo konnte in Spielberg doppelt punkten, was in Silverstone deutlich schwerer sein wird. Haas war in Österreich nur im Qualifying gut. Renault muss sein Frankreich-Upgrade-Paket erst noch besser verstehen. Gut möglich, dass Toro Rosso in Silverstone am Ende wieder um die Punkteplätze mitfahren kann.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP England 2018:

Der britische Grand Prix lief 2018 für Lewis Hamilton gar nicht nach Plan. Schon in Kurve 3 wurde der Lokalmatador von Kimi Räikkönen abgeräumt. Nach dem Dreher fand sich der spätere Weltmeister plötzlich auf Rang 18 wieder. Hamilton kämpfte sich aber anschließend bravourös nach vorne und als das Safety-Car in der zweiten Rennhälfte gleich zwei Mal kurz hintereinander ausrücken musste, war der Mercedes-Pilot wieder mittendrin im Kampf um die Podiumsplätze.

In Runde 32 war zunächst Marcus Ericcson mit seinem Sauber in den Reifenstapel der ersten Kurve gerutscht. Kurz nach dem Restart waren sich dann Romain Grosjean und Carlos Sainz in Copse Corner nicht über die Vorfahrtsregel einig, was Bernd Mayläner erneut auf die Strecke zwang.

Entscheidend war am Ende die Strategie: Sebastian Vettel hatte sich in der ersten Neutralisation frische Soft-Reifen abgeholt, was ihn zwischenzeitlich auf Rang zwei hinter Valtteri Bottas zurückwarf. Der Finne wehrte sich im Endspurt lange tapfer, hatte aber am Ende keine Chance gegen den Ferrari mit den neueren Gummis. Bottas musste sogar noch Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen vorbeiziehen lassen. Max Verstappen, der sich ebenfalls in der Safety-Car-Phase frische Reifen aufziehen ließ, vergab seine Chancen aufs Podium mit einem Ausrutscher in Kurve 16.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des spektakulären England-Grand-Prix aus dem Vorjahr.

GP England 2018: Die Rennhighlights in Bildern

Sebastian Vettel - Ferrari - GP England 2018 - Silverstone - Rennen
Sebastian Vettel - Ferrari - GP England 2018 - Silverstone - Rennen Impressionen - GP England 2018 - Silverstone - Rennen Lewis Hamilton - Mercedes - GP England 2018 - Silverstone - Rennen Sebastian Vettel - Ferrari - GP England 2018 - Silverstone - Rennen 69 Bilder
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