Vorschau GP England

Hamilton-Konter beim Heimspiel?

Lewis Hamilton - GP England 2017 Foto: Lewis Hamilton - GP England 2017 63 Bilder

Nur eine Woche nach dem Alpen-Grand-Prix reist der Formel-1-Zirkus zum Silverstone-Rennen auf die britische Insel. In der Vorschau haben wir die letzten Infos zum Heimspiel von Lewis Hamilton.

Geht das Ping-Pong-Spiel zwischen Lewis Hamilton uns Sebastian Vettel in Silverstone weiter? In Montreal, Le Castellet und Spielberg wechselte die WM-Führung zuletzt mit jedem Rennen. Vor dem Traditions-Grand-Prix in England trennt die beiden WM-Favoriten nur ein winziges Pünktchen. Und Silverstone ist ein gutes Pflaster für den Lokalmatador. Vier Mal hintereinander triumphierte der Weltmeister auf heimischem Boden.

Dieses Jahr dürfte es aber nicht so leicht werden. Ferrari und Red Bull sind deutlich konkurrenzfähiger unterwegs als in der Vergangenheit. Mit je drei Erfolgen sind die Siegerpokale dieses Jahr gleichmäßig verteilt. Für einen erneuten Mercedes-Sieg beim Klassiker spricht aber die überlegene Pace zuletzt in Spielberg sowie die Spezial-Reifen von Pirelli mit weniger Gummi, die dem Silberpfeil schon in Barcelona und Le Castellet gut geschmeckt haben.

Die Frage lautet, ob das Wetter in Silverstone dem Weltmeister-Team ein Bein stellen kann. Ausnahmsweise ist für das Grand-Prix-Wochenende auf der Insel kein Regen vorhergesagt sondern extrem heiße Temperaturen. Am Rennsonntag soll das Thermometer bis auf 30°C klettern. Mit der Hitze kamen Red Bull und Ferrari zuletzt in Österreich besser zurecht.

Die Strecke – Silverstone Circuit:

In Silverstone fand 1950 der erste Formel 1-Lauf überhaupt statt. Mit dem alten Layout hat die mittlerweile zehn Mal umgebaute Streckenführung auf dem ehemaligen Militär-Flugplatz aber nicht mehr viel gemeinsam. Obwohl über die Jahre immer mehr Kurven eingefügt wurden, gehört Silverstone nach wie vor zu den schnellsten Rennstrecken des Formel 1-Kalenders.

GP England 2018 - Streckengrafik - Pirelli Foto: Pirelli
Pirelli bringt erstmals diese Saison den Hard-Reifen mit der neuen blauen Markierung.

Vor allem die vielen fließenden Kurvenkombinationen machen Silverstone zu einem Highlight für Fans und Fahrer. Die Abfolge Copse, Maggotts und Becketts verlangt von den Piloten Mut. Mit den abtriebsstarken Autos, die 2017 den alten Rundenrekord pulversiert haben, steigen die Fliehkräfte kurzfristig auf einen Höchstwert von 5,5G seitlicher Belastung. Das ist beinahe die doppelte Kraft, die Astronauten bei einem Raketenstart aushalten müssen!

Auch für die Reifen sind die hohen Kurvengeschwindigkeiten gepaart mit dem sehr rauen Asphalt eine Herausforderung. Pirelli bringt wie erwähnt die Spezial-Pneus mit etwas weniger Gummi auf der Lauffläche, um das Problem der Blasenbildung in den Griff zu bekommen. In Sachen Mischungen setzt der Lieferant auf Mailand erstmals dieses Jahr die blau-markierte Sorte „Hard“ ein. Dazu gibt es noch „Medium“ und „Soft“. Wenn die Bedingungen nicht ganz verrückt spielen, müssen sich die Fans wohl wieder auf ein Einstopp-Rennen einstellen.

Wie in Spielberg hat sich die FIA entschieden, eine dritte DRS-Zone einzurichten. Neuerdings dürfen die Piloten auch auf der Zielgeraden den Flügel flach stellen. Wenn sie wollen, und es der Abtrieb und der Mut der Fahrer hergibt, darf das DRS auch durch die Kurven 1 und 2 aktiviert bleiben. Wir sind gespannt, ob die Maßnahme zu mehr Spektakel und Überhol-Action führt.

Fast Facts zum GP England:

  • Streckenlänge: 5,891 Kilometer
  • Rundenzahl: 52
  • Renndistanz: 306,198 Kilometer
  • Rundenrekord: 1:30.621 Min. (Lewis Hamilton, 2017)
  • Anzahl Kurven: 18 (8 links, 10 rechts)
  • Distanz Pole Position bis Kurve 1: 296,3 Meter
  • Länge Boxengasse: 376,4 Meter
  • Längste Gerade: 1.034 Meter (Hangar Straight)
  • DRS-Zonen: 3 (vor T1, vor T6 und vor T15)
  • Top-Speed: 330 km/h
  • Bremsbelastung: niedrig
  • Motorbelastung: niedrig
  • Reifenbelastung: hoch
  • Spritverbrauch: mittel
  • Überholmöglichkeiten: mittel

Setup:

Wegen der vielen schnellen und mittelschnellen Kurven benötigen die Autos viel Anpressdruck. Die Geraden sind zu kurz, als dass der zusätzliche Luftwiderstand größeren Schaden anrichten würde. Ein stabiles Auto bringt in den schnellen Kurven Rundenzeit. Vor allem die Vorderachse muss auf dem Asphalt kleben. Untersteuern können die Piloten bei den Richtungswechseln in den Highspeed-Passagen überhaupt nicht gebrauchen.

Um die aerodynamische Stabilität zu verbessern, wählen die Ingenieure meist ein straffes und tiefes Fahrwerk. Der Faktor Federweg für eine gute Traktion oder das Überfahren von Kerbs ist eher unwichtig. Allerdings lauern an vielen Stellen der Strecke auch kleinere Bodenwellen im Asphalt. Die Bremsen werden in England kaum belastet. Im Gegenteil: Zwischen Luffield und Stowe stehen die Fahrer 40 Sekunden lang fast ununterbrochen auf dem Gas. Hier müssen die Ingenieure dafür sorgen, dass die Carbon-Stopper nicht auskühlen.

Updates:

Vor dem Rennen in Spielberg hatte wir Ihnen an dieser Stelle prophezeit, dass die Teams im engen Zeitplan mit drei Rennen in Folge kaum Zeit haben, größere Upgrades zu bringen, und dann kommt Mercedes mit einem Aerodynamik-Paket, das auf einen Schlag zwei Zehntel bringt. Ursprünglich war die Ausbaustufe übrigens für Silverstone geplant. Doch nachdem die Arbeiter in der Fabrik in Brackley einen Zahn zugelegt haben, waren die meisten Teile schon für den Einsatz in Spielberg bereit.

In Silverstone soll nun der Rest der Neuteile an den Silberpfeile geschraubt werden. Auch bei Ferrari wurde ein größeres Aero-Paket angekündigt. Angeblich soll ein neuer Unterboden kommen, ist aus Italien zu hören. Bei Force India hofft man endlich auf das Debüt des neuen Unterbodens, der wegen der angespannten Finanzlage zuletzt immer wieder verschoben werden musste. Bei McLaren und Williams erwarten wir ebenfalls neue Bauteile zum Heimspiel.

Favoriten:

Mercedes vs. Ferrari - GP Österreich 2018 Power Ranking GP Österreich 2018 Mercedes trotz Ausfall vorn

Im ersten Saisondrittel war die Favoritenfrage nicht leicht zu beantworten. Für das Rennen in Silverstone scheint es da wieder etwas einfacher. Das Upgrade am Motor und der Aerodynamik hat Mercedes aktuell ein Stück vor die Konkurrenz aus Maranello und Milton Keynes gebracht. Ohne Strategiefehler und Technik-Defekte hätte es schon in Spielberg einen klaren Doppelsieg für die Silberpfeile gegeben. Das Silverstone-Streckenlayout mit den vielen langen Kurven und die Pirelli-Spezialreifen sprechen ebenfalls für einen Erfolg von Hamilton oder Bottas.

Im Duell zwischen Ferrari und Red Bull sehen wir Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen leicht vorne. Das liegt vor allem an der guten Qualifying-Pace. Überholen im Rennen ist in Silverstone traditionell schwierig. Selbst mit einer überlegenen Rennpace dürften es Max Verstappen und Daniel Ricciardo schwer haben, Plätze aufzuholen. Dazu kommt noch das angekündigte Aerodynamik-Paket, dass Ferrari einen Schritt nach vorne bringen sollte.

Im Mittelfeld sind die Rollen auch klar vergeben. Die Strecke in Silverstone spielt Haas voll in die Karten. Der US-Renner mag schnelle Kurven. Auch Renault und Force India muss man für die Vergabe der Punkteplätze im Auge haben. Dahinter werden sich Sauber, Toro Rosso, McLaren und Williams um die weiteren Plätze streiten. Toro Rosso fehlt es noch an Power, Sauber benötigt mehr Abtrieb, McLaren haderte zuletzt mit dem Setup und der Aerodynamik und Williams hofft darauf, dass die neuen Teile das Auto endlich konkurrenzfähig machen.

So lief das Rennen im Vorjahr – GP England 2017:

Der britische Grand Prix 2017 wurde zur großen Lewis Hamilton-Show. Der Lokalmatador drückte dem Rennen seinen Stempel auf und dominierte vom Start bis zum Ziel. Valtteri Bottas machte den Doppelsieg der Silberpfeile perfekt. Der Finne schaffte dank einer alternativen Reifenstrategie eine Aufholjagd von Startplatz neun auf Rang zwei.

Bottas profitierte auch von den Problemen bei Ferrari. Bei den Italienern spielte sich kurz vor Schluss ein Drama ab. Zwei Runden vor Schluss erwischte es zunächst Kimi Räikkönen. Auf Platz zwei liegend löste sich plötzlich der Reifen vorne links auf. Eine Runde später hing auch der Pirelli-Reifen von Sebastian Vettel in Fetzen – ebenfalls vorne links. Räikkönen rettete sich trotz Zusatz-Boxenstopp noch aufs Podium, Vettel rutschte von Rang vier auf Platz sieben ab.

Max Verstappen ereilte zum gleichen Zeitpunkt ein ähnliches Schicksal, er musste ebenfalls zusätzlich stoppen und wurde Vierter. Die meisten Ränge machte Daniel Ricciardo gut, der sich von der vorletzten Position auf Platz fünf katapultierte. Dahinter reihte sich Nico Hülkenberg im Renault ein. Der Deutsche zeigte ein konstantes Rennen und sicherte sich mit Rang sechs das beste Saisonergebnis.

In der Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights des GP England 2017.

Zeitplan GP England 2018

Sitzung Start (MEZ)
Freies Training 1 1. Training – Fr. 6. Juli – 11.00 Uhr
Freies Training 2 2. Training – Fr. 6. Juli – 15.00 Uhr
Freies Training 3 3. Training – Sa. 7. Juli – 12.00 Uhr
Qualifying Qualifying – Sa. 7. Juli – 15.00 Uhr
Rennen Rennen – So. 8. Juli – 15.10 Uhr
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