Lewis Hamilton  - GP England - Silverstone - 2020 xpb
Carlos Sainz - GP England 2020
Lewis Hamilton - GP England 2020
Valtteri Bottas - GP England 2020
Kevin Magnussen - GP England 2020 63 Bilder

Vorschau GP England 2021: Mercedes-Konter?

Vorschau GP England 2021 Mercedes-Konter dank Upgrades?

Mercedes will beim GP England die Wende im WM-Duell einleiten. Das besondere Streckenlayout von Silverstone soll in Kombination mit technischen Upgrades am Auto die Siegesserie von Red Bull stoppen. In der Vorschau haben wir die letzten Infos zum Traditions-Grand-Prix.

In Silverstone wurde die Formel 1 im Jahr 1950 zum Leben erweckt. Und hier erfindet sich die Königsklasse 71 Jahre später nun auch ein bisschen neu. Die F1-Bosse haben das "Home of British Motor Racing" als Schauplatz für das erste Sprintrennen der Grand-Prix-Historie ausgewählt. Das Ergebnis des 100-Kilometer-Rennens am Samstag soll die Startaufstellung für den Grand Prix am Sonntag bilden. Das Qualifying wurde auf Freitagabend vorverlegt.

Mit dem neuen Zeitplan soll den Fans an allen drei Tagen des Rennwochenendes Action geboten werden. Und Fans werden in Silverstone zahlreich anreisen. Trotz steigender Corona-Inzidenzen in Großbritannien erwarten die Veranstalter ein volles Haus. 140.000 Tickets wurden bereits für den Rennsonntag an den Mann und die Frau gebracht. Mehr geht nicht. Nach dem Oranje-Fest in Spielberg werden die meisten Zuschauer nun Lokalmatador Lewis Hamilton die Daumen drücken.

Damit die Anhänger des Weltmeisters auch etwas zu jubeln haben, bringt Mercedes beim Heimspiel das letzte große Technik-Upgrade der Saison. Von den Ingenieuren hören wir unterschiedliche Aussagen zu der Ausbaustufe. Die einen sagen, dass es sich nur um Kleinigkeiten handelt, die anderen hoffen, dass der Zeitgewinn groß genug ist, um die Lücke zu Red Bull zu schließen und wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Nach fünf Siegen der Konkurrenz muss dringend eine Trendwende her.

Für einen Mercedes-Triumph spricht neben den Upgrades auch das flüssige Layout mit den vielen schnellen Kurven. Hier kommt die aerodynamische Effizienz des Silberpfeils und seine Stabilität durch den langen Radstand voll zur Geltung. Außerdem liegt die Strecke in Silverstone fast auf Meereshöhe, wodurch Honda seinen Vorteil in dünner Luft nicht so ausspielen kann wie noch in Spielberg. Was das Wetter angeht, dürfte es übrigens keine Überraschungen geben. Die Meteorologen sagen trockene Bedingungen mit Temperaturen um die 25°C-Marke voraus.

Die Strecke – Silverstone Circuit:

In Silverstone fand wie schon erwähnt 1950 der erste Formel-1-Lauf überhaupt statt. Mit dem alten Layout hat die mittlerweile zehn Mal umgebaute Streckenführung auf dem ehemaligen Militär-Flugplatz aber nicht mehr viel gemeinsam. Obwohl über die Jahre immer mehr Kurven eingefügt wurden, gehört Silverstone nach wie vor zu den schnellsten Rennstrecken des Formel-1-Kalenders.

Vor allem die vielen fließenden Kurvenkombinationen machen Silverstone zu einem Highlight für Fans und Fahrer. Die Abfolge Maggotts, Becketts und Chapel verlangt von den Piloten Mut und Präzision. Mit der aktuellen abtriebsstarken Autogeneration steigen die Fliehkräfte kurzfristig auf einen Höchstwert von mehr als 5,2g seitlicher Belastung. Das ist beinahe doppelte so viel, wie Astronauten bei einem Raketenstart aushalten müssen!

Überholen ist in Silverstone traditionell nicht so einfach. Die FIA hatte es 2018 einmal mit einer zusätzlichen DRS-Zone vor Kurve 1 (Abbey) probiert. Doch das Flachstellen des Flügels führte zu einigen Unfällen und konnte nicht zur Steigerung der Überhol-Action beitragen. Deshalb ist man wieder zurück auf nur noch zwei DRS-Zonen gegangen.

Fast Facts zum GP England:

  • Streckenlänge: 5,891 Kilometer
  • Rundenzahl: 52
  • Renndistanz: 306,198 Kilometer
  • Anzahl Kurven: 18 (8 links, 10 rechts)
  • Distanz Pole Position bis Kurve 1: 239,4 Meter
  • Länge Boxengasse unter Speed-Limit: 509,6 Meter
  • Längste Gerade: 1.034 Meter (Hangar Straight)
  • DRS-Zonen: 2 (vor T6 und vor T15)
  • Top-Speed: 336 km/h
  • Reifen: C1, C2, C3
Streckengrafik - Pirelli - GP England 2021
Pirelli
Wegen des Sprintrennens bringt Pirelli nur 12 statt 13 Reifensätze pro Auto nach Silverstone. Die Strecke verlangt wie üblich nach den drei härtesten Mischungen C1, C2 und C3.

Setup:

Weil die aktuellen Autos jede Menge Anpressdruck generieren, sind viele der schnellen Kurven mittlerweile zu Vollgaspassagen geworden. Deshalb bauten die Ingenieure in den vergangenen Jahren immer flachere Flügel auf die Autos. Zu weit runter darf man mit dem Abtrieb aber nicht gehen, weil sonst Zeitverlust in den langsamen Kurven droht. In den Highspeed-Passagen muss vor allem die Vorderachse auf dem Asphalt kleben. Untersteuern können die Piloten bei den schnellen Richtungswechseln überhaupt nicht gebrauchen.

Um die aerodynamische Stabilität zu verbessern, wählen die Ingenieure meist ein straffes und tiefes Fahrwerk. Der Faktor Federweg für eine gute Traktion oder das Überfahren von Kerbs ist in Silverstone nicht so relevant. Mit dem 2019 neu verlegten Asphalt wurden auch die letzten Bodenwellen glattgebügelt. Die Bremsen sind ebenfalls kein großer Faktor. Im Gegenteil: Zwischen Luffield und Stowe stehen die Fahrer größtenteils auf dem Gas. Hier müssen die Ingenieure dafür sorgen, dass die Karbon-Stopper nicht auskühlen.

Ein Thema in Silverstone sind immer wieder die Reifen. Die ultraschnellen Kurvenfolgen sorgen für ungewöhnlich hohe Belastungen bei den Gummis. Im Vorjahr hatten gleich mehreren Piloten nach langen Schlussstints Reifenschäden zu beklagen. Deshalb reagierte Pirelli im Winter mit einer verstärkten Karkasse an der Vorderachse. Nach den Reifenplatzern von Baku werden in Silverstone nun auch die hinteren Pneus robuster ausgelegt. Damit hoffen die Italiener endlich auf der sicheren Seite zu sein. Man darf gespannt sein, ob die neue Reifenspezifikation einen Einfluss auf das Kräfteverhältnis hat.

Updates:

In den Fabriken der meisten Teams stehen die Uhren schon längst auf 2022. Für Silverstone erwarten wir dennoch ein kleines Upgrade-Festival. Weil auf dem britischen Traditionskurs die Aerodynamik mehr zählt als auf anderen Strecken, werden die Ingenieure nun noch einmal alles an neuen Teilen an die Autos montieren, was sich noch in der Pipeline befindet. Mercedes hat wie erwähnt schon angekündigt, dass es sich um die letzte große Ausbaustufe der Saison handelt. Bei Red Bull erwarten wir allerdings, dass auch nach der Sommerpause noch ein paar neue Teile kommen.

Die große Frage lautet, wie viel die neuen Teile bringen und ob sie das Kräfteverhältnis wirklich noch einmal nachhaltig verändern können. Das gilt nicht nur für die Spitze sondern auch für das Mittelfeld. Auch hier werden alle Teams ihr Pulver bis zur Sommerpause verschossen haben. Wer dann noch hinter den eigenen Erwartungen liegt, muss mit dem Rückstand wohl bis zum Saisonende leben. Bei Alpine wird Esteban Ocon in Silverstone übrigens ein neues Chassis bekommen. Die Ingenieure konnten den Grund für seine Schwächephase in den letzten Rennen nicht finden. Der Wechsel des Monocoques soll nun alle Zweifel beseitigen.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP England 2020 - Silverstone
xpb
2020 gewann Hamilton in Silverstone trotz Plattfuß vorne links in der letzten Runde.

Favoriten

Man könnte meinen, dass die Favoritenrolle nach fünf Red-Bull-Siegen in Folge klar verteilt ist. Doch so spannend wie vor dem Silverstone-Rennen war die Ausgangslage lange nicht. Mercedes steht extrem unter Druck. Eine weitere Niederlage und die WM ist so gut wie verloren. Wenn Red Bull nun auch auf einer Strecke gewinnt, die praktisch auf den Silberpfeil maßgeschneidert ist, dann müssen sich die Hamilton-Fans auf eine harte zweite Saisonhälfte einstellen. Wir glauben aber noch an eine spannende WM und erwarten, dass der Weltmeister bei seinem Heimspiel besonders motiviert zur Sache geht. Hamilton gewann in Silverstone sechs der letzten acht Rennen. Seit 2014 war er hier nie schlechter als Rang zwei.

Auch im Mittelfeld könnte es Verschiebungen geben – einerseits durch die erwarteten Upgrades, andererseits durch das extreme Layout. Ferrari dürfte zumindest in der Qualifikation wieder deutlich stärker auftrumpfen und McLaren mehr Gegenwehr bieten. Die Frage lautet, ob die roten Autos im Rennen wieder die Reifen fressen, wie zuletzt in Paul Ricard gesehen. Immerhin dürfte die Gefahr von Graining durch die trockenen und konstant warmen Bedingungen etwas gebannt sein.

Eine gute Rolle im Mittelfeld dürfte wieder Alpine spielen. Wenn es um Aero-Effizienz und den Speed in schnellen Kurven geht, ist der A521 immer vorne dabei. Die Frage lautet hier nur, wie sehr der Power-Nachteil des Renault-Motors negativ ins Gewicht fällt und ob Esteban Ocon endlich wieder in die Spur zurückfindet.

Aston Martin erwarten wir dagegen nicht so stark. Den Autos von Sebastian Vettel und Lance Stroll fehlte es zuletzt einfach an Abtrieb. Für Mick Schumacher, dem zweiten deutschen Piloten im Feld, haben wir gar keine Hoffnung. Kaum eine Strecke deckt die Schwächen eines Rennautos so schonungslos auf wie Silverstone.

So liefen die Silverstone-Rennen im letzten Jahr

Wegen Corona trug die Königsklasse in der Saison 2020 gleich zwei Rennen in England aus. Den britischen Grand Prix gewann Lewis Hamilton in dramatischer Manier. Obwohl ihm kurz vor Schluss der linke Vorderreifen platzte, rettete der spätere Weltmeister knapp sechs Sekunden Vorsprung vor Max Verstappen ins Ziel. Der Holländer hätte das Rennen gewinnen können, wenn er nicht kurz vor Schluss einen Extra-Boxenstopp eingelegt hätte, um sich mit frischen Reifen den Bonuspunkt für die schnellste Runde zu sichern. Überraschend mit auf dem Podium jubelte Ferrari-Pilot Charles Leclerc auf Rang drei.

Sieben Tage später drehte Verstappen die Reihenfolge im Duell der Ausnahmepiloten um. Der Red-Bull-Pilot gewann den Jubiläums-Grand-Prix zum 70. Geburtstag der Formel 1 souverän, weil Mercedes erneut mit den Reifen zu kämpfen hatte. Die Favoriten litten unter extremer Blasenbildung an der Hinterachse, was frühe Boxenstopps zur Folge hatte. Verstappen konnte länger auf der Strecke bleiben und am Ende seinen Speed-Vorteil ausspielen. Im Ziel betrug der Vorsprung mehr als 11 Sekunden. Dritter wurde dieses Mal Valtteri Bottas, vor dem erneut stark aufgeigenden Charles Leclerc.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des Jubiläums-GPs in Silverstone von 2020.

Zeitplan GP England 2021

Session Zeit (MEZ)
Freies Training 1 Fr. 16. Juli - 15.30 Uhr
Qualifikation Fr. 16. Juli - 19.00 Uhr
Freies Training 2 Sa. 17. Juli - 13.00 Uhr
Sprint Sa. 17. Juli - 17.30 Uhr
Rennen So. 18. Juli - 16.00 Uhr
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