Formel E: Das hat Nico Müllers erster Sieg mit Le Mans zu tun

Nico Müller ist endlich Formel-E-Sieger
„Es gibt Umkämpfteres nach dem F1-Traum“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.05.2026
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Formel E 2025/2026 - Berlin - Nico Müller - Porsche
Foto: Porsche

Stilechter kann man nicht jubeln. Nachdem Nico Müller endlich seinen ersten Formel-E-Erfolg eingefahren hatte, brach es aus dem sonst entspannten Schweizer heraus: "Du geile Sau!" Das Lob galt nicht etwa seinem Renningenieur, sondern dem fahrbaren Untersatz. Zur Feier von 75 Jahren Porsche Motorsport tragen die beiden Werks-Porsche das legendäre Sau-Design.

Die Mischung aus Rosa und Metzger-Schema geht auf das Jahr 1971 zurück, als Porsche den 917/20 nach Le Mans schickte. Dieser war eine Kombination der Lang- mit der Kurzheckversion, was nicht jedem optisch gefiel. Porsche-Designer Anatole Lapine nahm es augenzwinkernd bei der Lackierung auf.

Für die Original-Sau – ebenfalls als "Dicke Berta" oder "Trüffeljäger" tituliert – lief es länger gut. Sie kämpfte anfangs sogar um das Podium. Dann schlug jedoch ein Defekt zu. Der so verpasste Erfolg konnte von einem Ahnen geholt werden: 2018 gewann ein GT-Porsche mit der Hommage-Folierung seine Profi-Klasse. Dementsprechend riesig waren die Erwartungen an das Formel-E-Team, das die Sonderoptik für das Heimrennen in Berlin wählte.

Formel E 2025/2026 - Berlin - Nico Müller - Porsche
Porsche

Großes Risiko, großer Gewinn

Zunächst sah es am Samstag (2.5.) so aus, als ob Teamkollege Pascal Wehrlein die tierische Erfolgsgeschichte fortsetzt. Der Ex-Weltmeister startete von der zweiten Position. Nico Müller lag mit dem sechsten Rang aber nicht weit weg. Wie so häufig zeigte sich der Sport auf dem Tempelhofer Vorfeld sehr chaotisch. Während Pascal Wehrlein durch einen unverschuldeten Reifenschaden gnadenlos zurückfiel, erarbeitete sich Müller einen Vorteil bei der Energiemenge.

Der Sieg verlangte allerdings auch Mumm: Müller zog seinen Schnelllade-Stopp und den temporären Allrad-Kilowatt-Boost jeweils früh. Ein Safety-Car hätte fiese Folgen gehabt. Doch das Schicksal wollte Müller nicht mehr im Weg stehen. Selbst die weiteren Podiumspiloten, Nick Cassidy (Citroën) und Oliver Rowland (Nissan), konnten nur anerkennend nicken.

Sein Triumph im 69. Anlauf erlöste den 34-jährigen Müller auf mehreren Wegen. Zum einen ist es der erste Sieg überhaupt seit dem DTM-Saisonauftakt 2022 in Portimão. Zum anderen kann sich der Racer aus Thun nun endlich als Gewinner eines WM-Laufs bezeichnen. Mit etwas mehr Glück hätte dieser auch in der Formel 1 kommen können. In der heutigen Formel 3 und dem damaligen F2-Gegenstück Renault 3.5 zeigte Müller durch Erfolge sein Talent.

Formel E 2025/2026 - Berlin - Porsche
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Noch keine WM-Kampfansage

"Es gab immer Gespräche, gerade zu F3-Zeiten. Damals kam ich als 17-jähriger Nobody in die Serie und habe Rennen gewonnen. Es wurde aber schnell klar, dass es ohne die nötige finanzielle Unterstützung schwierig wird. Allein die Teilnahme an diesen Nachwuchsserien war schon ein Kampf. Dann hat mir Audi Young-Driver-Tests ermöglicht. Mir wurde so klar: Da gibt es was neben dem F1-Traum."

Dass es nun trotzdem noch in einer Formelserie mit WM-Prädikat geklappt hat, mache ihn stolz. "Dieser erste Sieg ist sehr erfüllend. Die Formel E bleibt für mich die umkämpfteste Serie der Welt." Weil noch zehn Rennen ausstehen – darunter der Sonntagslauf von Berlin –, will sich der Schweizer nicht hinsichtlich Titelambitionen verrennen.

Als mögliche Motivation behält er jedoch den schweinischen Rennanzug und wird ihn in seinem Fitnessstudio ausstellen. "Das gibt mir dann die Motivation, auch an schlechteren Tagen hart zu arbeiten." Man könnte sagen: ein Mittel gegen den inneren Schweinehund.

Fazit