Formel 1: FIA verspricht Kurskorrektur beim Formel-1-Motor für 2031

Einfachere Formel-1-Motoren für 2031
FIA verspricht Kurskorrektur beim Antrieb

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.04.2026
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Schon die kleinen Anpassungen zum aktuellen Antriebsreglement, die in Miami in Kraft treten, waren eine schwere Geburt. Spätestens nach fünf Jahren soll die aktuelle Power-Unit-Generation dann ganz auslaufen. Das heißt: Bis 2031 müssen neue Motoren entwickelt und gebaut werden. Doch wie die Triebwerke der Zukunft im Detail aussehen sollen, ist noch nicht bekannt.

Wie schwer es ist, alle Hersteller unter einen Hut zu bekommen, haben die Diskussionen über die aktuelle Motorenformel gezeigt. Damals galt es vor allem, Anreize für neue Motorenbauer wie Audi und Honda zu setzen. Weil die Neueinsteiger nicht mit einem großen Nachteil starten wollten, forderten sie so viele Änderungen wie möglich am Reglement.

Gleichzeitig wollten die bestehenden Antriebslieferanten aber so viele Komponenten übernehmen, um die Entwicklungskosten im Rahmen zu halten. Im August 2022 wurde vom FIA-Weltrat schließlich eine Lösung verabschiedet, die heute viele Experten als faulen Kompromiss bezeichnen. Alle Interessen wurden berücksichtigt, das Ergebnis stellte aber keinen wirklich zufrieden.

Nikolas Tombazis - Formel 1 - 2023
Wilhelm

FIA will sich nicht erpressen lassen

FIA-Technikchef Nikolas Tombazis erinnert sich noch gut an die Diskussionen damals: "Als über die aktuelle Motorenformel diskutiert wurde, haben uns einige Autohersteller gesagt, dass sie nie mehr einen neuen Verbrennermotor entwickeln werden. Und sie haben uns genau gesagt, ab wann sie nur noch Elektroautos bauen wollen. Das ist aber nicht eingetreten."

Die Elektrowelle schwappte deutlich langsamer durch die Automobil-Industrie als von vielen Experten vorhergesagt. Wegen der langen Vorlaufzeit bei der Entwicklung konnten die Formel-1-Verantwortlichen aber nicht mehr kurzfristig reagieren. Deshalb stecken wir heute in einem Reglement fest, bei dem fast die Hälfte der Antriebspower elektrisch generiert wird.

"Bei den nächsten Motoren dürfen wir uns nicht mehr von den weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig machen", forderte Tombazis. "Wir dürfen uns nicht von den Autoherstellern in Geiselhaft nehmen lassen. Wir wollen natürlich, dass sie dabei sind. Aber wir dürfen nicht verwundbar sein, wenn sie gehen wollen."

Nico Hülkenberg - Audi  - Formel 1 - GP China 2026
Guido de Bortoli via Getty Images

Nächste Motoren erst 2031

Die Lehre aus dem Fiasko mit dem aktuellen Motorenreglement lautet auch, die Rahmenbedingungen rechtzeitig festzuzurren, damit alle Beteiligten genug Zeit zur Vorbereitung haben: "Die Zeit, einen Motor zu entwickeln, ist sehr lang", erklärt Tombazis. "Es klingt etwas komisch, diese Diskussionen so kurz nach Einführung einer neuen Motorengeneration zu führen. Aber das ist der normale zeitliche Ablauf."

Schon im vergangenen Jahr wurde hinter den Kulissen viel diskutiert. Dabei ging es vor allem um das Ende des aktuellen Motoren-Zyklus. Einige forderten damals bereits, die Einführung der nächsten Motorengeneration auf 2029 oder 2030 vorzuziehen, um die aktuelle Fehlgeburt so schnell wie möglich zu beerdigen.

Doch das Vorhaben scheiterte vor allem an der Gegenwehr von Audi und Honda. Die beiden Neulinge wollten nicht nach drei Jahren direkt schon wieder einen neuen Motor entwickeln müssen. Die enormen Investitionen in die aktuellen Antriebseinheiten sollten sich für die kompletten fünf Jahre des ursprünglich geplanten Zyklus auszahlen.

Jan Monchaux - FIA - GP Australien 2026
NurPhoto via Getty Images

FIA kündigt Kurskorrektur an

Trotzdem wurde bei den Gipfeltreffen auch schon über die nächste Motorenformel diskutiert: "Wir hatten letztes Jahr ein paar Gespräche mit den Motorenherstellern, in denen wir schon ein bisschen die Fühler ausgestreckt haben", verrät Jan Monchaux, der bei der FIA als Technik-Direktor für den Formelauto-Bereich zuständig ist.

Nach Informationen des Schweizers haben alle Motorenhersteller den Wunsch nach Kostensenkung und einer Vereinfachung der Motoren geäußert. Wie man hört, wurde in den ersten Gesprächen ein V8-Turbo-Motor mit einer Standard-MGU-K favorisiert. Der Elektro-Anteil soll im Vergleich zum aktuellen Reglement deutlich gesenkt werden. Der Verbrenner wird wie bisher mit nachhaltigem Benzin betrieben.

Noch ist der Prozess aber nicht abgeschlossen. Formel-1-Boss Stefano Domenicali forderte alle Beteiligten auf, zum Wohle der Rennserie eine schnelle Lösung zu finden. Die Diskussionen sollten sich nicht ewig hinziehen, damit alle genügend Zeit zur Entwicklung haben. Auf alle Befindlichkeiten wird die FIA wohl nicht mehr eingehen.

Formel 1 - Motor - 2026
F1/FOM

Entscheidung bis zur Sommerpause?

Auf Anfrage von auto motor und sport gab sich Monchaux zuversichtlich, dass der Prozess bis zur Sommerpause abgeschlossen sein könnte: "Ich denke, dass wir den Sack in den nächsten zwei bis drei Monaten zumachen müssen. Ich hoffe nicht, dass es viel länger dauert. Spätestens bis Ende des Jahres muss etwas Konkretes auf dem Papier stehen."

Einen Alleingang der FIA soll es aber nicht geben: "Wir versuchen einen gemeinsamen Nenner zu finden, damit sich die Hersteller auch wiederfinden, wenn wir größere Änderungen vornehmen. Die Schwächen der aktuellen Motorenformel sind bekannt. Wir werden versuchen, eine Kurskorrektur vorzunehmen, um die größten Probleme zu reduzieren. Wenn man sich die wirtschaftliche Lage der Hersteller anschaut, dann hat das Thema Kostensenkung eine hohe Priorität."

Fazit