Ein Kleinwagen gegen die grüne Hölle: Mit einem Renault Twingo wollte das Team Rauh Racing beim 24h-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife antreten. Die Fangemeinde ist groß, auf Instagram folgen dem Team mehr als 77.000 Menschen. Entsprechend heftig fiel die Reaktion aus, als Rauh Racing öffentlich machte, dass man für das 24h-Rennen nun doch keine Freigabe erhalten habe.
Dabei soll es laut Team bereits vor rund eineinhalb Jahren eine positive Rückmeldung gegeben haben. "Es spricht nichts dagegen, einen Twingo beim 24h-Rennen Nürburgring einzusetzen", habe es damals geheißen. Die Teilnahme war für dieses Jahr vorgesehen – eine Ausgabe des Eifel-Marathons, die dank Max Verstappens geplantem Start mit einem Mercedes-AMG wohl viel Aufmerksamkeit bekommt.
Diese erste Auskunft bildete für Rauh Racing die Grundlage, den über 30 Jahre alten Twingo umzubauen. Im Oktober 2025 veröffentlichte das Team den Eintrag im Wagenpass für die Klasse "24h Spezial/RCN", abgestempelt vom Deutschen Motorsport Bund (DMSB). Zudem absolvierten die Fahrer den für Nordschleifen-Neulinge vorgeschriebenen DMSB-Nordschleifen-Permit – eine Art Führerschein, den auch Formel-1-Weltmeister wie Max Verstappen machen müssen.
DMSB-Genehmigung für Twingo keine Startfreigabe
Auf den ersten Blick schien damit der Weg für einen Start beim größten Langstreckenrennen der Welt frei. Die Geschichte vom Underdog kommt bei den Fans an, wie das Beispiel des Dacia Logan zeigt, der in der Nordschleifen-Community Kultstatus genießt.
Was dabei häufig übersehen wird: Beim 24h-Rennen Nürburgring entscheiden nicht allein technische Fakten. Ein DMSB-Eintrag im Wagenpass bedeutet nicht automatisch, dass alle Voraussetzungen für einen Start in der jeweiligen Klasse erfüllt sind. Hier wird das Auto nur einer Gruppe zugeordnet, was aber nicht heißt, dass es damit auch automatisch die Regeln der einzelnen Klassen erfüllt.
Es ist ohnehin eine Herausforderung, so eine extreme Bandbreite an Fahrzeugen – vom BMW 325i über Opel Manta bis zu GT3-Fahrzeugen wie Porsche 911 GT3 R oder Audi R8 LMS 24 Stunden lang gleichzeitig auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt im Kreis fahren zu lassen. Dabei geht es weniger um die Frage, ob ein kleines Auto grundsätzlich unerwünscht ist, sondern darum, wie es sich hinsichtlich Geschwindigkeitsdifferenzen und Fahrerfahrung der Piloten ins Gesamtfeld einfügt.
Anders als in der Formel 1 existieren keine Crash-Tests für jedes einzelne Fahrzeug. Entscheidungen stützen sich daher oft auf Erfahrungswerte – die es für den Twingo ebenso wenig gibt wie eine langjährige Nordschleifen-Historie des Teams.
Dacia Logan ist ein anderer Fall
Aber warum darf dann ein Dacia Logan antreten, fragen sich viele. Der ADAC Nordrhein als Veranstalter des 24h-Rennen Nürburgrings erklärte in einem Statement: "In Absprache mit dem Veranstalter hat das Dacia-Team im Vorjahr einen Turbomotor verbaut, um die Differenzen bei Kurven- und Spitzengeschwindigkeiten sowie Rundenzeiten zu minimieren. Auch die Sicherheitsstruktur des Fahrzeugs, die sich bereits jahrelang als Cup-Fahrzeug bewährt hatte, wurde weiter verstärkt. Ähnliches gilt für den BMW 318ti als etabliertes Rennfahrzeug."
Beim Dacia wurde zudem eine Mindest-Rundenzeit für die Fahrer vorgegeben. Man hört, dass beim Twingo ebenfalls mindestens 200 PS und eine Rundenzeit von 11 Minuten die von den Regelmachern definierte notwendige Basis gewesen wäre. Das wurde dem Team laut Veranstalter im November 2025 auch mitgeteilt. Seitdem gab es keinen Kontakt mehr. Insofern stellt sich ein bisschen die Frage, warum das Projekt gerade jetzt gecancelt wurde. Filip Rauh, einer der Teameigner, sagt zur generellen Thematik: "Was uns irritiert hat: Wir haben die technischen Vorraussetzungen mitgeteilt bekommen, aber uns wurde auch mündlich in einem Telefonat mitgeteilt, dass ein Auto wie unseres nicht erwünscht ist."
Diskriminierung durch 24h-Rennen Veranstalter?
Der oft in sozialen Medien geäußerte Vorwurf, es werde ausschließlich "nach unten getreten", greift im Übrigen zu kurz. Auch technisch ambitionierte Projekte wie der Porsche 911 GT3 R Hybrid oder der Apollo von Heinz-Harald Frentzen wurden in der Vergangenheit reglementiert, um sie nicht schneller als die GT3-Fahrzeuge an der Spitze werden zu lassen. Balance gehört beim 24h-Rennen Nürburgring seit jeher dazu.
Offen bleibt die Frage, wie die Entscheidung ausgefallen wäre, hätte sich Rauh Racing zunächst in Nordschleifen-Einstiegsserien wie der Rundstrecken Challenge Nürburgring (RCN) bewährt. Viele Teams sammeln dort über Jahre Erfahrung, bevor sie am 24h-Rennen Nürburgring teilnehmen. Ein Direkteinstieg ohne vorherige Rennerfahrung auf der Nordschleife wäre in jedem Fall ambitioniert gewesen. Und man stelle sich vor, es stünde bereits das nächste Projekt mit einem Smart oder anderen Kleinstwagen bereit. Dann wäre dem Wettrüsten nach unten keine Grenzen mehr gesetzt – bringt ja schließlich auch eine gewisse Originalität mit sich.
Ein Kritikpunkt bleibt dennoch: Der Veranstalter hätte deutlich früher klarstellen können, dass für ein derart spezielles Projekt weit mehr als die formalen technischen Voraussetzungen erforderlich sind. Vielleicht bekommt der Twingo ja eine andere Bühne – etwa in der RCN? Dort könnte aus dem ungewöhnlichen Projekt am Ende doch noch ein neuer Nordschleifen-Liebling werden. "Wir sind derzeit in der Planung. Wir könnten uns die RCN vorstellen, aber auch die NATC sowie die Belcar-Serie oder die tschechische ARC Endurance, in der es noch echtes Grassroot-Racing gibt", sagt Rauh.







