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24h-Rennen Nürburgring: Spektakel in der Eifel

24h-Rennen Nürburgring Großes Spektakel in der Eifel

Das 24h-Rennen am Nürburgring ist weit über die Grenzen der Eifel bekannt. Die Nordschleife schreibt jedes Jahr ganz besondere Geschichten. auto motor und sport berichtet jedes Jahr intensiv über das größte Motorsport-Event in Deutschland.

Den Favoriten beim 24h-Rennen Nürburgring auszumachen, ist immer eine komplexe Sache. Auch wenn die aktuelle GT3-Generation mittlerweile einige Rennen auf dem Buckel hat, bleibt bei einem Langstreckenrennen zweimal rund um die Uhr über die Nordschleife immer ein bisschen Überraschungskonfetti übrig.

Wer wissen will, wer welche Chancen bei der diesjährigen Nordschleifenrundfahrt hat, schaut sich natürlich erstmal die Ergebnisse der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) an. Der Saisonauftakt fiel Schnee zum Opfer, bei Lauf 2 holte sich Porsche einen Doppelsieg mit Manthey und Frikadelli vor dem privat eingesetzten Phoenix-Audi. Und bei Lauf 3 war es gar ein Vierfachsieg für Porsche, allen voran Frikadelli mit beiden Elfern vor dem Falken-Porsche und Manthey. Dazu hat Porsche mit beiden Frikadelli-Autos auch das 24h-Qualirennen gewonnen.

Porsche als Favorit?

Die Marke aus Zuffenhausen allein aus diesem Grund haushoch überlegen zu sehen, ist allerdings ein Trugschluss. Beim zweiten NLS-Lauf fehlte die Konkurrenz der anderen Marken, weil es eine Überschneidung mit der GT World Challenge gab. Beim dritten Lauf war alles da, was Rang und Namen hat. Es fiel jedoch auf, dass kein Audi und kein Mercedes eine Zeit unter acht Minuten fuhr.

Audi hielt sich bewusst etwas zurück. Porsche hatte eine andere Philosophie. "Wir können überzeugt von uns sagen, dass wir bei jeder Rennveranstaltung das volle Potenzial der Teams und Fahrer genutzt haben, um uns maximal gut vorzubereiten", sagt GT3-Projektleiter Sebastian Golz. "Ich bin mir sicher, wenn alle anderen Hersteller die Zusammenstellung der Fahrer und Teams vor Ort haben, werden wir unsere Favoritenrolle nicht locker und einfach einnehmen können."

Zahlenmäßig stehen die Porsche 911 GT3 R gut da. Zwei Top-Autos von Frikadelli, zwei von Falken, eines von Manthey und eines von KCMG sowie Rutronik. Letztere haben vor allem mit der Nachnominierung von Laurens Vanthoor die Erfolgschancen erhöht. Wenn also eine Marke aussortiert ist, dann Porsche.

BOP für Döttinger Höhe

Obwohl alle Autos bekannt sein sollten, ist die Balance of Performance auch in diesem Jahr ein heißes Eisen. 2020 kannte der Technikausschuss des ADAC Nordrhein endlich alle Parameter, aber der Praxistest der BOP fiel im Rennen buchstäblich ins Wasser. Das Rennen musste über neun Stunden unterbrochen werden.

Mittlerweile beschäftigen sich Norbert Kreyer, Vorsitzender des ADAC Nordrhein Technikausschuss, und seine Kollegen für ihren Geschmack zu viel mit dem Thema Top-Speed. "Es geht fast schon um eine BOP für die Döttinger Höhe", meint Kreyer. "Für mehr Top-Speed brauchst du aber mehr Leistung. Und das muss man dann wieder mit Gewicht ausgleichen. Baut mir einfach einen Haken auf die Gerade an der Döttinger Höhe, dann ist das Problem gelöst", scherzt Kreyer.

Die Ursache für das Gerangel der Hersteller um mehr Top-Speed: Die Leistungsdichte wird immer höher. Sowohl das Fahrerniveau als auch die Fahrzeugkonzepte rücken näher zusammen – dann macht die Döttinger Höhe den Unterschied.

Was kann Audi wirklich?

Der Audi R8 LMS geht mit exakt derselben Einstufung wie 2020 an den Start. Dass nun in der Vorbereitung das Kundenauto von Phoenix Racing mit Nicki Thiim schneller gewesen sein soll als die auf den R8 eingeschossenen Werksfahrer, lässt manchen Insider grübeln. Man schiebt der Marke mit den vier Ringen deshalb die Favoritenrolle zu, weil man von den Werkspiloten noch eine Steigerung erwartet.

Blickt man in die Liste für das Top2-Quali, also jene Fahrzeuge, die sicher im Kampf um die Pole dabei sind, findet sich nur ein werksunterstütztes Auto vom Audi Sport Team Land und daneben zwei private Audi-Tickets von Phoenix. Sowohl das Audi Sport Team Car Collection als auch das Audi-Team Phoenix müssen sich um einen der vier übrigen heißbegehrten Plätze für das Top2-Quali am Rennwochenende balgen.

Bisher galt das Gesetz: Wer um den Sieg kämpfen will, muss weit vorne stehen, denn das Langstreckenrennen gleicht einem Sprint. Wobei der Land-Audi 2019 von Startplatz 15 nach vorne kam. Kann man es sich also leisten, mit zwei von insgesamt drei werksunterstützten Audi R8 LMS womöglich nicht im Top2-Quali dabei zu sein?

BMW nur Außenseiter

Mit dieser Frage müssen sich natürlich auch Mercedes und BMW beschäftigen. Bei BMW hat sich das Aufgebot etwas verändert. Während der Yokohama-bereifte BMW M6 GT3 von Walkenhorst in den vergangenen Jahren noch ein Geheimfavorit in der Vorbereitungsphase war, spielte er in diesem Jahr kaum eine Rolle.

Dafür gibt es ein Nordschleifen-Wiedersehen mit Schubert Motorsport. Die Mannschaft aus Oschersleben kehrt zurück in die Eifel und hat mit Jens Klingmann, Alex Sims, Stef Dusseldorp und Jesse Krohn ein gutes Fahrerquartett am Start.

Dazu kommen die beiden Rowe-Autos, bei denen die Startnummer 1 mit Nicky Catsburg, John Edwards, Nick Yelloly und Philipp Eng für die Titelverteidigung ansteht. Für den M6 GT3 ist es zugleich die Abschiedsvorstellung, ehe der Nachfolger M4 GT3 nach dem 24h-Rennen in der NLS debütiert.

Die vorläufige BOP-Einstufung bleibt zu 2020 unverändert, was die BMW-Fraktion nerven dürfte. Nach dem zweiten NLS-Lauf sagte Rowe-Teamchef Hans-Peter Naundorf: "Wir sind im dichteren Verkehr und bei Gelb-Phasen nicht ganz vorne dabei." Beim Sieg im vergangenen Jahr spielten den Bayern vor allem die halbnassen Wetterbedingungen in die Karten.

Mercedes mit mehr Power

Auch Mercedes hätte 2020 schon voll abräumen können. Wären die Abflüge der beiden Top-Autos nicht dazwischengekommen. In diesem Jahr hat man zwei HRT-Autos und zwei GetSpeed-AMG mit durchweg professioneller Besetzung im Aufgebot. In der BOP profitiert man seit dem 24h-Qualirennen von einem 0,5 mm größeren Restriktor bei gleichem Gewicht, was vor allem mehr Top-Speed garantieren soll.

Vor allem das Top-Quali beim 24h-Qualifikationsrennen gab zu denken. Der schnellste Mercedes schaffte es gerade mal auf Platz 13. Eine Erklärung dafür hat man bis heute nicht gefunden. Man stand weiter hinten, als man dachte. Dafür richtete man im Rennen strategisch alles auf die Qualifikation für das Top2-Quali und damit die jeweils besten Sektorzeiten aus.

Dabei stach vor allem die Performance von Daniel Juncadella heraus, der mit seinen Teamkollegen Maxi Götz und Fabian Schiller im GetSpeed-Mercedes schließlich Vierter wurde. Aber auch Mercedes hat Hausaufgaben zu machen: Zwei der Top-Autos haben noch keine Eintrittskarte für das Top2-Quali gelöst.

Die vorläufige BOP für den Saisonhöhepunkt entspricht nun dem 24h-Qualirennen. Heißt: Die Daten lassen sich einigermaßen gut mit denen vergleichen, die in den Quali-Sitzungen beim Saisonhöhepunkt gefahren werden. Ausreden sind da nicht mehr so einfach zu finden, da es eine bessere Vergleichbarkeit gibt.

Beim Thema Reifen sind kaum Unterschiede auszumachen. Mittlerweile fahren alle Top-Autos Michelin-Pneus. Andere Hersteller haben mit anderen Partnern nur Außenseiterchancen. So wie etwa der Octane-Ferrari auf Goodyear oder der FFF-Lamborghini auf Hankook-Reifen. Auch der Glickenhaus SCG004c ist ein Exot. Womit wir zum Schluss wieder beim Thema Überraschungskonfetti wären.

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