20 Jahre Porsche 911 GT3 Porsche AG
30 Jahre Porsche 911 GT3
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20 Jahre Porsche 911 GT3

Luxus macht langsam

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Weniger Gewicht, weniger Komfort, weniger Kompromisse. Das Lastenheft des Porsche GT3 ist längst ein Klassiker. Jetzt wird der Elfer in seiner reinsten Form 20. Unser Blick zurück im Glück auf sechs Generationen.

Mit auto motor und sport-Redakteur Malte Jürgens am Steuer fuhr die erste GT3-Generation 1999 aus dem Stand ein klares Fünf-Sterne-Ergebnis ein. Nicht um all den Buchhalternaturen eines auszuwischen, die dem Spaßmacher Punkte aus der Wertung rechneten. Der Kosten wegen. Sondern weil er „alle Erwartungen an eine renntaugliche Fahrmaschine“ erfüllte. Komfort, Sparsamkeit und ein möglichst niedriger Preis standen nicht im Pflichtenheft der Entwickler. Punkt. Wolfgang König, der nächste auto motor und sport-Kollege, destillierte beim Erstkontakt mit dem ersten GT3 RS (996) aus der Faszination aller Porsche-Puristen ein schlichtes „Luxus macht langsam“. Das kann man eigentlich bis heute über alles drüberschreiben, was einem zum Porsche 911 GT3 in den Sinn kommt.

Basismodell 911 (Typ 996)

1. Generation 911 GT3 (Typ 996, 1999 bis 2000) Nach der Weltpremiere auf dem Genfer Automobilsalon 1999 verließen die ersten Exemplare des Porsche 911 GT3 ab Mai 1999 die Produktion in Weissach und führte kurz vor der Jahrtausendwende jene Tradition fort, die in den 1970er Jahren mit dem legendären Porsche 911 Carrera RS 2.7 begann. Erstmals erhielt das Modell jedoch nicht die Bezeichnung „RS“ für Rennsport, sondern den Namen GT3 – ein Verweis auf die GT-Klasse, in der die Motorsportversionen des Modells fahren sollten. Der wassergekühlte 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor des neuen Sportwagens leistete 265 kW (360 PS) und baut auf dem altbewährten Kurbelgehäuse mit Mittennaht auf, dem nach seinem Schöpfer benannten legendären Mezger-Block. Warum ist das wichtig? Weil diese Motoren sehr haltbar sind. Die „normalen“ Saugmotoren aus der 996er-Generation mit der damals neuen integrierten Trockensumpfschmierung neigen dazu, an Kolbenkippern und -fressern zu verenden. Basispreis: 179.500 Mark (91.777 Euro).

2. Generation 911 GT3 (Typ 996.2, 2003 bis 2005) Das Vergnügen mit der ersten GT3-Generation währte nur kurz: Bereits 2000 stellte Porsche den Verkauf des Spaßobjekts wieder ein – zum Leidwesen vieler 911-Apostel. 2003 dann die Wiederauferstehung mit aufgefrischtem Design, überarbeiteten Scheinwerfern, einem neuen Heckflügel und neu gestalteten Speichenfelgen. Im Heck tobte ein umfassend überarbeiteter 3,6 Liter großer Sechszylinder-Boxer mit separaten Zylindergehäusen aus dem früheren Le Mans-Siegerwagen GT1, aber bei kürzerem Hub und größerer Bohrung. Ab sofort durfte 400 Umdrehungen höher gedreht werden (maximal 8.200/min), bei den PS rutschte das Limit nach oben: Statt vormals 360 PS produziert der 3,6-Liter-Motor nun 381 PS, bei einem Drehmoment von 385 Newtonmetern (vorher 370). Basispreis: 102.112 Euro.

1. Generation 911 GT3 RS (Typ 996.2, 2003 bis 2004) 52 Kilogramm trennten den 911 GT RS vom „zivilen“ GT3 (996.2). Belanglos im zivilen Einsatz, aber Gold wert auf der Rennstrecke, wo der RS im Grunde seines Wesens hingehört. Auf Basis des überarbeiteten Porsche GT3 (996.2 mit nun 280 kW), legte Porsche im Herbst 2003 eine limitierte Serie des GT3 Clubsport auf, den GT3 RS. Neben dem bereits erwähnten noch konsequenteren Leichtbau (keine Klimaanlage, keine Rücksitze, kein Handschuhfach) zeichnete sich durch noch bessere Fahreigenschaften und einen schnelleren 0-100-km/h-Sprint aus. Basispreis: 120.788 Euro.

Basismodell 911 (Typ 997)

3. Generation 911 GT3 (Typ 997, 2006 bis 2008) Auch die dritte Auflage der RS-Sause ließ Ursache und Wirkung unangetastet: Weniger Gewicht durch Abspecken, mehr Dynamik durch Straffung, dazu eine Extradosis PS. Für den neuerlichen Einsatz des im Le Mans-GT1 erprobten 3,6 Liter großen Sechszylinder-Boxers warfen die Porsche-Ingenieure noch einmal alles in die Waagschale: Der Kurbeltrieb geriet noch leichter, die Verdichtung noch höher, die Beatmung noch intensiver – eine Rundumbehandlung, die auch zahlenmäßig fruchtete. Statt vormals 381 standen nun 415 PS auf Abruf. Das Drehmoment stieg von 385 auf 405 Nm, das Drehzahllimit um 200/min auf 8.400/min. Nettes Detail: Die Karbonfaser-Schalensitze aus dem Carrera GT für 4.582 Euro. Basispreis: 108.083 Euro.

4. Generation 911 GT3 (Typ 997.2, 2009 bis 2011) Wie bei jeder neuen GT3-Generation fragt sich nicht nur der versierte Motor-Journalist: Geht das überhaupt noch besser? Müdes Grinsen der Porsche-Ingenieure. Die verweigerten dem vierten GT3 zwar hartnäckig Direkteinspritzung und Doppelkupplungsgetriebe, vergrößerten aber immerhin den Hubraum des GT1-Urgesteins im Heck auf 3.797 Kubikzentimeter. Das Gewichtsplus der zur Stabilisierung nötigen Stahlbuchsen (drei Kilogramm) hungerten Titanschrauben und ein leichteres Schwungrad wieder ab. So blieb das Kampfgewicht mehr oder weniger auf dem Niveau des Vorgängers. Immerhin durfte jetzt ein ESP mit in die Wedelgasse. Basispreis: 116.947 Euro.

2. Generation 911 GT3 RS (Typ 997, 2006 bis 2009) Wieder 20 Kilo weniger. Was in Sachen Leichtbau 2003 mit dem ersten GT3 RS gut funktionierte, weckte dann auch 2006 Begehrlichkeiten. Um Gewicht zu sparen, bekam die zweite RS-Generation eine Kunststoffheckscheibe (drei Kilo weniger), Sportsitze (24 Kilo weniger) sowie einen Heckflügel aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Außerdem durfte auf Wunsch auch die Klimaanlage im Werk bleiben. Ohne Aufpreis. Ebenso zuschlagsfrei gab’s 34 Millimeter mehr Spur hinten, einen geschraubten Rohrkäfig, einen Sechspunktgurt und einen Feuerlöscher. Basispreis: 129.659 Euro.

3. Generation 911 GT3 RS (Typ 997.2, 2009 bis 2011) Wie gehabt: Auch die dritte Auflage des Porsche 911 GT3 RS bewegte sich als die letzte StVZO-konforme Instanz vor dem reinrassigen Renngerät. Er diente als optische und technische Basis für die gleich motorisierten Cup-Renner. Und lieferte zudem den technischen Unterbau für die Renn-Elfer, die nach FIA GT2- oder GT3-Reglement entstehen – alles zusammen den gleichen findigen Köpfen im Entwicklungszentrum von Weissach entsprungen. Gewichts-Vorsprung zum Basis-GT3: 9 Kilo (inkl. Käfig), 25 Kilo (ohne Käfig). Basispreis: 145.871 Euro.

911 GT3 RS 4.0 (Typ 997.2, 2011) Puristischer und wilder ging ein Porsche 911 noch nie auf die Pirsch. Mit 500 PS und weiteren technischen Raffinessen trieb der GT3 RS 4.0 das Boxermotor-Konzept auf eine neue Spitze. Ehrlich gesagt war der 911 GT3 4.0 nichts anderes, als ein für die Straße zugelassener Rennwagen, der auch nur in kundige Hände abgegeben wurde. 600 Auserwählte. Fertig. Die mussten wirklich auf alles verzichten, was sich mal irgendjemand hat an Komfort-Einbauten einfallen lassen: Schlaufen statt Türgriffe innen, Überrollbügel, Lüftung statt Klimaanlage, kein Radio. Und natürlich der auf vier Liter Hubraum und 500 PS ausgereizte klassische Boxer, der als Referenz an seinen Konstrukteur auch in der Firma Mezger-Motor genannt wurde. Sein Großvater hat schon bei den 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Basispreis: 178.596 Euro.

Basismodell 911 (Typ 991)

Porsche 911 GT3
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5. Generation 911 GT3 (Typ 991, 2013 bis 2015) Mit dem Umzug auf die neue 991-Technik endete die Ära des legendären Mezger-Motors. Der neue 3,8-Liter-Boxer machte mit seinen 475 PS den Abschied aber nicht allzu schwer. Fast schon revolutionär: die bis zu 1,5 Grad mitlenkenden Hinterräder. Trotz Doppelkupplungsgetriebe war der fünfte GT3 übrigens nur 23 Kilo schwerer als der brutal asketische GT3 RS 4.0. Basispreis: 137.303 Euro.

Porsche 911 GT3, Frontansicht, Driften
Porsche 911 GT3, Frontansicht, Driften Porsche 911 GT3, Frontansicht, Slalom Porsche 911 GT3, Motorabdeckung Porsche 911 GT3, Technik 27 Bilder

6. Generation 911 GT3 (Typ 991.2, 2017 bis 2018) Weglassen als Exzellenzmerkmal. Jepp, so kennt man das von der GT3.Familie. Deshalb gab es die sechste Generation eben auch ohne Doppelkupplungsgetriebe, dafür aber mit Vierliter-Boxer. Ja, damit beschleunigte der GT3 aus der Generation 991.2 langsamer als der Vorgänger mit PDK. Ja...und? Durch das Schaltgetriebe rückte er seinen Fahrer wieder mehr in den Mittelpunkt, potenzierte so die Gaudi. Und blieb dennoch verstörend agil. Basispreis: 152.416 Euro.

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911 GT3 Touring (Typ 991, 2017) Ein GT3 ohne Flügel? Puristen brauchten da direkt einen Schluck aus der Riechsalz-Pulle. Der Rest konnte sich mit dem Touring-Sondermodell ratzfatz anfreunden. Weil der GT-Brutalo nämlich aussah, wie seine zivilen Brüder und damit ein ums andere Mal für lange Gesichter im Rückspiegel sorgte. Keramikbremse, Liftsystem, Chrono-Paket – alles wie beim Flügel-GT3. Nur Alcantara und das Clubsport-Paket fielen aus dem Katalog, sobald die Theke von der Motorabdeckung geräumt wurde. Understatement war übrigens teuer. Basispreis: 152.416 Euro.

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4. Generation 911 GT3 RS (Typ 991, 2015 bis 2016) Optisch erinnerte der Porsche 911 GT3 RS der mittlerweile vierten Generation an eine Kreuzung der Porsche-Renngeräte RSR, GT3 Cup und GT3 R. Vom Letztgenannten stammten auch die Radhausentlüftungen in den vorderen Kotflügeln des Serien-RS. Die sorgen dafür, dass praktisch keine Luft mehr unters Auto dringt. Das Ergebnis: dramatisch mehr Abtrieb. Der 911 GT3 RS (991) kam ungefähr auf den Abtrieb wie der 918 Spyder. Basispreis: 181.690 Euro.

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5. Generation 911 GT3 RS (Typ 991.2, 2018 bis 2019) Wenn beim Porsche 911 die Heckflügel in den Himmel wachsen, beginnt traditionell die RS-Saison an. Der fünfte GT3 RS stürmte mit seinem 520 PS starken und bis 9.000/min drehenden Saugmotor auf einen neuen Fahrdynamikgipfel. Neu: Kein Handschalter mehr, das Doppelkupplungsgetriebe PDK war alternativlos. Und erstmals über 1.500 Kilo Leergewicht. Das Handling: aberwitzig agil, bei gleichzeitig überraschend breitem Grenzbereich. Aber: Nur noch wenig Vorsprung zum Basis-GT3. Basispreis: 195.137 Euro.

Basismodell 911 (Typ 992)

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7. Generation 911 GT3 (Typ 992, voraussichtlich 2020) Porsche hält beim 911 GT3 auch in der Modellgeneration 992 am bewährten Konzept fest. Die Hinterhand bekommt dickere Kotflügelbacken, um Platz für die breiteren Reifen und die breitere Spur des GT3 zu machen. Dazwischen wird auch in der neuen Modellgeneration wieder ein vier Liter großer Sechszylinder-Saugmotor sitzen. Der Hochdrehzahlmotor wird vermutlich die 500-PS-Marke deutlich übertreffen. Beim Getriebe wird Porsche, auch mit dem Blick auf den US-Markt, wieder eine manuelle Schaltbox und ein Doppelkupplungsgetriebe anbieten.

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Porsche 911 GT3 (991), Front
911 GT3 Typ 991.2

Fazit

20 Jahre 911 pur. Sechs, bald sieben Generationen GT3. Fünf Generationen GT3 RS. Diverse Extrem-Ableger. Elektro-Offensive hin oder her, der GT3 wird garantiert das letzte Urviech, das ausstirbt. Im GT3 tobt bis heute die ungeschminkte Sportlichkeit der 911er-Idee. Sowas brauchst du als Sportwagen-Marke, gerade in Zeiten des Wandels. Weil’s erdet. Und jeden immer wieder daran erinnert, worum es bei Porsche wirklich geht.

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