Die Kelly Family gehörte in den 1990er-Jahren zu den erfolgreichsten Musikgruppen Europas. Die aus einer Großfamilie hervorgegangene Band war zunächst als Straßenmusikprojekt unterwegs, reiste durch mehrere Länder und lebte über Jahre in wechselnden Fahrzeugen sowie zeitweise auf einem Hausboot. Mit Liedern wie "An Angel" oder dem Album "Over the Hump" gelang der kommerzielle Durchbruch. Besonders in Deutschland erreichte die Gruppe ein Massenpublikum.
Britisches Original
Ein zentrales Symbol dieser Jahre war der rote Doppeldeckerbus, mit dem die Familie auf Reisen ging. Das Fahrzeug ist ein inzwischen mehr als 60 Jahre alter Bristol Lodekka aus britischer Produktion. Das Modell wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren als Linien- und Ausflugsbus gebaut und war für seine niedrige Bauweise bekannt. Der Hippie-Bus der Kelly Family fuhr zunächst in London, wo er bis in die späten 1980er-Jahre mit offenem Oberdeck als Touristenfahrzeug eingesetzt wurde. Danach kaufte ihn die Kelly Family und baute ihn für ihre Zwecke um.
Woher stammt der Name?Der Name "Lodekka" ist ein Kunstwort aus "Low Deck (also tiefer/ niedriger Boden) und beschreibt den niedrigen Fahrzeugboden bzw. die niedrige Gesamthöhe des Doppeldeckers im Vergleich zu herkömmlichen Bussen. Das war vor allem in Städten mit niedrigen Brücken ein Vorteil, außerdem war der Einstieg besonders komfortabel.
Im Familienbetrieb erhielt der Doppeldecker eine neue Funktion. Das Unterdeck diente als Wohnbereich, das Oberdeck wurde zur mobilen Bühne. Damit verband der Bus Transportmittel, Unterkunft und Auftrittsort in einem Fahrzeug. In der Hochphase des Kelly-Hypes war der rote Doppeldecker ein Markenzeichen der Großfamilie.

Freuen sich über die positive Begutachtung des restaurierten Doppeldeckers (von links): Guido Kutschera, Vorsitzender der Geschäftsführung der DEKRA Automobil GmbH, Joey Kelly, DEKRA Oldtimer-Experte Carsten Bräuer und Prüfingenieur Thomas Stüßer.
Nach technischen Problemen wurde der Bus abgestellt und stand über viele Jahre still. Joey Kelly nahm sich schließlich der Wiederbelebung an. Bereits seit einigen Jahren sprach er öffentlich davon, das Fahrzeug zurück auf die Straße bringen zu wollen. In den vergangenen zwei Jahren wurde daraus ein umfassendes Restaurierungsprojekt. Berichten zufolge investierte Kelly dabei auch einen fünfstelligen Betrag in die Wiederherstellung.
Frisch lackiert und geprüft
Zunächst wurde die Karosserie instandgesetzt. Im Herbst 2024 erhielt der Bus eine neue Lackierung und den bekannten Kelly-Family-Schriftzug. Damit war allerdings nur der sichtbare Teil erledigt. Technisch begann die eigentliche Arbeit erst danach. Motor, Bremsanlage, Fahrwerk, Elektrik, Unterboden und Lichttechnik mussten überprüft, instandgesetzt oder erneuert werden. Nach jahrzehntelangem Stillstand entsprach das eher einem Neuaufbau als einer klassischen Schönheitsreparatur.
Begleitet wurde das Projekt von Sachverständigen der DEKRA. Nach Angaben des Unternehmens wurde der Wiederaufbau regelmäßig kontrolliert, offene Punkte wurden dokumentiert und technische Hinweise gegeben. Den formalen Abschluss bildete eine Einzelbegutachtung nach §21 StVZO in Bonn. Laut DEKRA erfüllt der restaurierte Bus nun die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb. Damit kann die erneute Zulassung erfolgen.
Joey Kelly bezeichnete die Arbeiten als gemeinsames Projekt. Für ihn ist der Doppeldecker nicht nur ein Oldtimer, sondern ein Erinnerungsstück an die eigene Familiengeschichte. Entsprechend hoch war der emotionale Wert der Restaurierung. Ein erstes Ziel hat Kelly bereits genannt: Er möchte mit dem Bus zum Metal-Festival in Wacken fahren. Das wird zumindest musikalisch ein ziemlicher Kontrast zur Familiengeschichte.





