Russische 12x12 Diesel-Lok YT/ TOP-TOP studio
Russische 12x12 Diesel-Lok
Russische 12x12 Diesel-Lok
Russische 12x12 Diesel-Lok
Russische 12x12 Diesel-Lok 12 Bilder

12x12 Diesel-Lok: Achsbruch bei der Taiga-Trommel

Russische Diesel-Lok für Offroad-Einsatz Achsbruch bei der Taigatrommel

In einem kuriosen Experiment entstand in Russland eine Offroad-Lok, bei der die legendäre M62-Lokomotive mit einem Sechsachser-Raketenschlepper verheiratet wurde. Mit recht überschaubarem Erfolg.

Die schönsten Geschichten beginnen oft mit einem merkwürdigen Foto. In diesem Fall ist das unbedingt so, denn seit Jahren geistert das Bild einer alten Lok, die bizarrerweise auf 12 riesigen Offroad-Reifen steht, in regelmäßigen Abständen durch die sozialen Medien. Zeit also, einmal genauer hinzusehen.

M62-Lokomotive heiratet MAZ-547 Raketenschlepper

Tatsächlich handelt es sich bei dem sechsachsigen Monstrum um keine Filmrequisite und auch nicht um ein XXXL-Wohnmobil eines Eisenbahn-Fans, beides gehört zu den üblichen Legenden um das in Russland verortete Konstrukt. Und in russischen Medien findet sich auch die Erklärung für dieses "Etwas" in Grün, die von großem Pioniergeist und einem noch größeren Scheitern erzählt.

Obenrum, Bahn-Nostalgiker und gelernte DDR-Bürger werden sich erinnern, handelt es sich bei dem Projekt um eine M62-Lokomotive der ukrainischen Lokomotivfabrik Luhansk. Die wurde Mitte der 1960er Jahre in der damaligen Sowjetunion zur Ausstattung der sozialistischen Bruderstaaten entwickelt und entsprechend auch unter anderem in der DDR eingesetzt, wo sie von Volkes Stimme schnell den Spitznamen "Taigatrommel" verpasst bekam.

Die "Taigatrommel" auf Youtube

Weniger schmeichelhaft war der zweite Spitzname, "Stalins Rache". Verdient hatten sich die bei der Deutschen Reichsbahn als Baureihe V 200 geführten Loks ihre Bezeichnungen durch die rustikale Geräuschkulisse der ersten Exemplare, die noch ohne Schalldämpfung ausgeliefert wurden. Und zu dämpfen gibt es bei der M62/V200 so einiges: 1.471 kW/2.000 PS leistet der V-12-Motor, ein Zweitakt-Diesel mit Roots-Aufladung und schlanken 150 Liter Hubraum.

150 Liter Hubraum und 2.000 PS

Dieser Kolomna 14D40-Motor war es wohl auch, der letztlich zu dem Experiment führte. Denn glaubt man den Berichten mehrerer russischer Medien, sollte das zwölfrädrige Kunstwerk zweierlei Zwecken dienen: Als mobiles Kraftwerk Stromversorgung in entlegene Gegenden des Riesenreiches bringen und außerdem als Erprobungsfahrzeug für elektrische Radantriebe dienen. Mit dem Bau beauftragt wurde das Lokomotivwerk Kolomna südöstlich von Moskau, wo seinerzeit auch der Dieselmotor der M62-Lok produziert wurde.

Wie bei der ursprünglichen Lok sollte das Projekt ohne mechanische Verbindung zum Dieselmotor über Elektromotoren angetrieben werden, für die der Zwölfzylinder den Strom erzeugt. Das sechsachsige Fahrgestell steuerte eine ehemalige mobile Raketenabschusseinrichtung bei: Der MAZ-547 wurde Anfang der 1970er Jahre als Transportfahrzeug und Starteinrichtung für Mittelstreckenraketen gebaut. Ausgelegt für 84 Tonnen Gesamtgewicht schien der 3,2 Meter breite und 17,3 Meter lange MAZ-547 ideal geeignet, um mit der 17,5 Meter langen M62-Lok verheiratet zu werden.

MAZ-547W mobile Raketenabschussrampe
George Chernilevsky
Das Unterteil der kühnen Konstruktion: Russischer MAZ-547

Aus dem MAZ-547 wurden alle Antriebskomponenten entfernt und stattdessen an allen Rädern jeweils 60 kW leistende Elektromotoren installiert. Dabei sollte jedes der zwölf Räder über eine komplizierte Hydrauliksteuerung lenkbar sein, um bei Bedarf auch im "Krebsgang" fahren zu können. An der Entwicklung beteiligt war laut russischer Quellen die Staatliche Technische Universität Moskau und das Eisenbahntechnische Forschungsinstitut VNIKTI in Kolomna.

Das spektakuläre Ende einer wilden Idee

Im Jahr 2003 war das Projekt fertiggestellt und sollte auf eine erste Probefahrt gehen, doch daraus wurde dann doch nichts. Denn nach nur wenigen Meter brach die Konstruktion spektakulär zusammen. Eine der sechs Achsen kollabierte und warf die Räder von sich, während das Hydraulik-System zur Einzelradlenkung sich in einer gewaltigen Inkontinenz aus zahllosen Lecks in die Landschaft entleerte.

Aus dem krassen Konstrukt wurde so binnen Minutenfrist eine Immobilie. Immerhin nahm man sich noch die Zeit, das zunächst in militärischem OIivgrün lackierte Ungetüm wieder in den zivilen Farben der M62-Lok erstrahlen zu lassen. Letzte Bilder zeigen das Fahrzeug auf massiven Eisenstützen ruhend in einem Depot, um das Jahr 2011 herum verlieren sich die Spuren, der letzte Verbleib des 12x12-Elektro-Diesel-Lok-Lkw ist aktuell unbekannt.

Im Video: "Spintires" mit M62-Truck

Quelle youtube/WheelBump

Doch ein zweites Leben haben ihr Software-Entwickler eingehaucht: Im Videogame "Spintires", einem Offroad-Fahrsimulator mit diversen Geländefahrzeugen, ist der M62-12x12-Truck als eigenes Fahrzeug verewigt. So kann man sich zumindest virtuell ausmalen, wie lustig das Ganze hätte sein können, wenn die Konstruktion gehalten hätte.

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Fazit

Auf die Idee, eine Lokomotive auf Geländereifen zu stellen, muss man erst einmal kommen. Das leider nicht besonders erfolgreiche Ende dieses ambitionierten Experiments legt jedoch nahe, warum man es besser bei der Idee belassen hätte. Einen wirklichen Sinn oder konkreten Einsatzzweck hinter dem Projekt zu entdecken, fällt ausgesprochen schwer. Der optische Fun-Faktor ist dafür aber auf allerhöchstem Level.

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