Vision BMW Alpina Coupé: Comeback mit V8 statt Volt

Vision BMW Alpina Coupé
Alpina-Comeback mit V8 statt Volt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.05.2026
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Natürlich ahnen Sie bereits, dass das erste Modell von BMW Alpina in der neuen Ära kein großes Coupé sein wird. Warum? Weil die Basis fehlt. Die Produktion des BMW Achter, auf dem der Vision BMW Alpina Coupé basiert, wurde bereits im April eingestellt. Die Studie soll ja zunächst einmal die Richtung vorgeben, in die sich die Marke als Teil des BMW-Konzerns künftig entwickeln soll. Und dabei kommt die ruhmreiche Vergangenheit des einstigen Familienunternehmens aus dem Allgäu nicht zu kurz. Seine Weltpremiere feiert das 5,20 Meter lange Coupé beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2026 – breit, flach und als Viersitzer klar auf schnellen Reisekomfort ausgelegt.

Logo, Schriftzug, Licht: Tradition in neuem Gewand

Allein der Schriftzug: Er gleicht mit seinen ungleich breiten Schenkeln der Buchstaben jenem, den Alpina in den Anfangstagen auf den Zylinderköpfen der getunten Motoren anbrachte. Das weiterhin runde Emblem trägt in seiner Mitte unverändert zwei Vergaser und eine Nockenwelle, wenngleich in modernisierter Form. "Heute erzielt man natürlich eine Leistungssteigerung mit anderen Mitteln, doch die sehen nicht so schön aus", sagt Adrian van Hooydonk, Chefdesigner von BMW. Allerdings verliert das Logo die blau-rote Farbgebung. "Je nach Konfiguration des Fahrzeugs haben die Farben alles andere überstrahlt. Das sollte nicht sein", erklärt van Hooydonk.

Auch die Front spielt mit Historie, ohne die Studie zum Retro-Auto zu machen. Die sogenannte Haifischnase modelliert die BMW-Niere als plastisches, dreidimensionales Element – und setzt bei den Oberflächen auf Zurückhaltung. BMW verweist dabei ausdrücklich auf den 507, bei dem Chrom nicht als breite Zierde nach außen getragen wurde, sondern gezielt an den Innenseiten der Niere eingesetzt war. Beim Vision BMW Alpina Coupé funktioniert dieser Gedanke ähnlich: Details erschließen sich erst beim zweiten Blick – etwa über die Ausarbeitung der inneren Flächen und die Lichtsignatur.

Auch bei den Details will Alpina erkennbar bleiben, ohne laut zu werden: Ein warmer Weißton prägt die Tagfahrlichtsignatur, dazu kommen fein gesetzte Akzente in der Lichtgrafik. Und natürlich bleibt es nicht bei Nostalgie-Zitaten, sondern bei Elementen, die man am Ende täglich sieht – vom Auftritt bis zur Signatur im Dunkeln.

V8 (Mildhybrid) statt Elektro – vorerst

Apropos Leistungssteigerung und laut: Antriebsseitig flirten künftige BMW-Alpina-Modelle ebenfalls stark mit der Vergangenheit. So ist vorerst kein Elektroantrieb geplant, sondern es gibt ausschließlich leistungsstarke Verbrenner. Im Fall der Studie ein V8-Biturbo-Triebwerk, das in einer Mild-Hybrid-Variante auch das erste Serienmodell beschleunigen soll, voraussichtlich eine Limousine auf Basis des soeben überarbeiteten Siebeners. An deren Heck werden sich – wie an der Studie auch – die typischen, vier ovalen Abgasendrohre finden, aus denen angemessen präsentierter Klang eines großvolumigen Motors entweichen wird.

Vision BMW Alpina Coupé
BMW

Weshalb der vorläufige Verzicht auf den E-Antrieb? Man wolle damit den bisherigen Kunden einen reibungslosen Übergang in die neue Alpina-Zeit ermöglichen. Komplett ausgeschlossen ist eine E-Variante natürlich nicht. "Wie jede Marke der BMW Group ist auch BMW Alpina technologieoffen", sagt Oliver Viellechner, verantwortlich für BMW Alpina. Mit Sicherheit beobachten die Konzernstrategen die aktuellen Kaufzurückhaltung im Segment luxuriöser Fahrzeuge mit E-Antrieb. Ganz gleich, ob Porsche Taycan. Mercedes G EQ, Rolls-Royce Spectre oder Rimac Nevera – keines dieser Fahrzeuge kommt annähernd auf die geplanten Stückzahlen. Ein Schicksal, das vermutlich auch den kommenden Mercedes-AMG GT Viertürer treffen wird.

Keine Vmax-Fessel, neue Modi: Speed und Speed Plus

Wie also positioniert sich BMW Alpina innerhalb des Konzern-Universums? Hinsichtlich der Antriebsleistung näher an BMW M als an M Performance-Automobilen, im Falle des V8 also eher mit 600-plus-PS als darunter. "Die Schwerpunkte liegen ganz klar auf Luxus, Individualisierung und Geschwindigkeit", sagt Viellechner. "Ein BMW Alpina darf immer so schnell fahren, wie es nur möglich ist", ergänzt der Manager. Sprich: Keine elektronische Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit, keine aufpreispflichtige Freischaltung.

Entsprechend gibt es statt der Fahrmodi Sport und Sport Plus nun Speed und Speed Plus, dazu eine Fahrwerksabstimmung, die einen hohen Reisekomfort gewährleistet. Dafür stünde – im Gegensatz zu BMW M – die Rennstreckentauglichkeit nicht an erster Stelle. Das war bislang nicht anders, obwohl die Marke in ihrer Historie immer mal wieder mit Renneinsätzen ihre Kompetenz unter Beweis gestellt hat. Daraus dürfte vorerst nichts mehr werden, auch wenn BMW Alpina über Schriftzug, Markenemblem und Antrieb weiter gerne die Vergangenheit zitiert.

Streifen, Farben, Felgen: Alpina bleibt Alpina

So können Kunden weiterhin die charakteristischen Streifendekore bestellen, die allerdings nicht mehr geklebt, sondern lackiert sein werden – beim Vision BMW Alpina Coupé liegen sie unter Klarlack direkt auf der Flanke. Übrigens: Alpina-Gründer Burkard Bovensiepen, stibitzte das Muster Ende der Siebziger Jahre einfach beim Fischer C4, also jenem Ski, mit dem der Österreicher Franz Klammer 1976 die Olympia-Goldmedaille in der Abfahrt holte. "Damals hatte man es noch nicht so mit Copyright", sagt Chefdesigner van Hooydonk und grinst verschmitzt. Auf den kommenden Modellen fällt das Dekor allerdings dezenter, schmaler aus.

Auch weiterhin im Angebot: Die traditionellen Farbtöne Alpina-blau und Alpina-grün. Und auch ein weiteres Markenzeichen bleibt gesetzt: Das klassische Mehrspeichen-Design der Räder wird beim Showcar besonders üppig interpretiert – 22 Zoll vorne, 23 Zoll hinten.

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Innenraum: Reisekomfort als Leistungsversprechen

Im Innenraum soll nicht die Show regieren, sondern die Idee, dass Geschwindigkeit auch etwas mit Entspannung zu tun hat. Burkard Bovensiepen verstand etwas, das in der Automobilwelt vielerorts in Vergessenheit geraten ist: Ein entspannter Fahrer ist ein schnellerer Fahrer. Dieser Gedanke steht im Zentrum des Vision BMW Alpina. Mit Comfort+ bot Alpina seit jeher einen Fahrmodus, der über die klassische BMW-Komfortabstimmung hinausgeht und ein besonders geschmeidiges, kultiviertes Fahrerlebnis ermöglicht. Auch im Vision BMW Alpina bleibt dieses Fahrerlebnis bewahrt.

Dazu passt die digitale Seite: BMWs neues Panoramic iDrive spannt sich mit zusätzlichem Beifahrer-Screen über die gesamte Instrumententafel, für Alpina gibt es eine eigene Darstellung, die Blau und Grün nur dosiert einsetzt – und in den dynamischeren Einstellungen sichtbarer werden lässt.

Und das große, schnelle Coupé? Später – und elektrisch

Wäre es also bei der ganzen Tradition nicht logisch, doch ein großes, schnelles Coupé aufzulegen? Schließlich zitiert die Studie mit der so genannten Haifischnase den BMW Sechser Generation E24, den Alpina einst mit einem Sechszylinder-Turbomotor versah und als B7 S Turbo verkaufte. Schweigen bei den Verantwortlichen. Bis doch einer zugibt, dass in der BMW-Produktplanung sehr wohl ein großes Coupé zu finden sei. Kommt aber nicht vor 2030. Und dann aber rein elektrisch, so der Plan. "Noch", wie man eilig hinzufügt.

Fazit