VW Arteon (2020) Shooting Brake Volkswagen
VW Arteon (2020) Shooting Brake
VW Arteon (2020)
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VW Arteon (2020) Shooting Brake 30 Bilder

VW Arteon & Shooting Brake (2020)

Mit dem Facelift gibt es auch den Shooting Brake

Von wegen sprödes Heide-Design – mit dem Arteon rammt VW 2017 einen eleganten 4,86 Meter-Pflock ins Revier der Coupé-Limousinen. Jetzt kommt das Facelift samt 320 PS starken R-Version und vor allem: der mindestens so schicke sowie praktischen Shooting Brake.

Eine Zeitlang war es ja Mode, am VW-Design herumzustänkern. Fad, öde, zu wenig Pep. Hieß es. Absoluter Quatsch. Neben erwünschter Zeitlosigkeit bieten die Wolfsburger inzwischen eine abwechslungsreiche Palette. So expressiv, dass das Schimpfwort Heide-Design höchstens eines Tages bei abseitigen Torfabstichen im Moor auftaucht, dank Sauerstoffabschluss runzlig und lederhäutig. Auf jeden Fall aber: vergangen. Denn spätestens, wenn der Arteon Shooting Brake um die Ecke biegt, wird aus Zweifel Anerkennung.

Facelift für den VW Arteon

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VW gönnt dem Arteon nach drei Jahren ein Facelift und stellt ihm die Kombiversion Shooting Brake zur Seite.

Schon die Arteon Limousine zeigt, dass sie es können bei Volkwagen. So wie sie den für sich genommen ja nicht unflotten Passat auf Schick trimmten. Mit Charaktergesicht, flache, gestreckter Linie und natürlich rahmenlosen Seitenscheiben. Firmierte Ableger Nummer eins im Jahr 2008 noch als Passat CC, emanzipierte sich der 2017 erschienen Arteon endgültig und nachhaltig von der Basis. Obwohl er sich nach wie vor mit ihr das Unterzeug, den modularen Querbaukasten (MQB) teilt. Kein Fehler, wie wir wissen. Steht der MQB für tadellose Fahreigenschaften, also sauberes Handling samt feinem Komfort sowie generöses Platzangebot dank quer eingebautem Motor und gekonnt gemachtem Package.

Am Package ändert das Facelift nichts, ansonsten schärfte VW reichlich nach. Optisch und technisch. Angefangen beim Design, über Licht, Assistenz, Digitalisierung und Anmutung bis hin zu den modernisierten Antrieben.

Mächtiger Aufschlag: der Shooting Brake

VW Arteon (2020) Shooting Brake
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Die Shooting-Brake-Heckklappe schwingt weit auf und gibt ein größeres Maximalvolumen frei als bei der Limousine.

Variant – neu interpretiert, könnte man meinen, doch der Shooting Brake ist mehr. Kurze Begriffshistorie gefällig? Ursprünglich stand Brake oder Break für Fuhrwerke, die den Widerstand ungezähmter Pferde brechen sollten. Leicht modifiziert fuhr man dann auch mit ihnen zur Jagd, und – voilà: der Shooting Brake war geboren. Okay, die Arteon Limousine dürfte vermutlich eher selten zum Brechen von Widerständen verwendet werden, und ihr Nadelfilz im Heck nur ausnahmsweise Flinten und Büchsen Unterschlupf gewähren. Doch der Name hat was. Assoziiert Eleganz und Praxiskompetenz. Das gucken wir uns gleich mal an!

Raumangebot im Arteon Shooting Brake

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Im Shooting Brake ist das Dach hinten höher. Das schafft Platz.

Fangen wir hinten an: Befürchtungen, der Dachhimmel könnte einem im Fond auf den Kopf fallen: unbegründet. Nach oben ist alles gut, kein Wunder, bei fast fünf Zentimetern mehr Kopffreiheit. Bereits der Einstieg überzeugt und sobald die Beine auf über einem Meter Freiraum ausgestreckt sind, fragst du dich, wie lang der Wagen eigentlich ist. Im Fond tippen selbst Profis auf mindestens fünf Meter. Falsch, gerade ein Millimeter unterscheidet ihn von der Limousine. Hier wie dort lümmeln die Gäste ihre Beinen auf bequemen Polstern.

Mit dem guten Gefühl, hinter sich noch 565 Liter Kofferraum zu wissen. Dank hoch aufschwingender Klappe einfach beladbar, überdies glattflächig und mit satter Ladebreite, da sich die Radkästen gekonnt an die Seitenwände schmiegen. Neben üppigem Quadermaß bietet der Shooting Brake bei umgelegten Rücksitzlehnen bis zu 1.632 Liter Maximalvolumen (Limousine 1557 Liter) und fast 2,1 Meter Ladelänge. Wer braucht da noch einen Kombi? Sagen Sie das aber bloß nicht so laut, sonst will am Ende jeder einen Shooting Brake und nicht nur die avisierten 70 Prozent vom Arteon-Verkauf. Zumal der Brake-Aufpreis gegenüber der Limo, die bei etwa 45.000 Euro startet, mit 885 Euro überschaubar bleibt, elektrische Hecklappenbetätigung und Komfortschlüssel bereits inklusive.

Innenraum: mehr als neue Ziernähte

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Innen ist alles fein. Und manches neu.

Ebenfalls inklusive bei allen Arteon: das aufgewertete Interieur. Solide, klopffest und hochwertig war der große VW schon bislang, doch etwas Feinarbeit schadet nie. Dachte sich auch VW, zog ihm feine Ziernähte über den Armaturenträger und ambientebeleuchtet den Innenraum in bis zu 30 wählbaren Farben. Und das nicht stur mit LED-Leisten, sondern mit aufwendig durchleuchteten Dekorflächen in Armaturen und Türverkleidungen. Kenn‘ ich doch irgendwoher meinen Sie? Richtig, gibt es auch im Touareg, dem eigentlichen Topmodell von Volkswagen. Doch dem ist der Arteon stylemäßig auf den Fersen. Als bodennähere Alternative für alle, die sich etwas gönnen wollen, ohne in einen SUV zu klettern – und denen ein gut gemachter Vierzylinder genügt.

Zu den Motoren kommen wir später, jetzt tasten wir erstmal mit den Fingerkuppen über die Nähte, fühlen die teils neuen Materialien inklusive Echtholz sowie Echtmetall und gewöhnen sich an die modifizierte Bedienung.

Neu: Klimabedienung und Lenkrad

Denn statt einen breiten sogenannten Slider zu installieren wie in der Kompaktklasse, also Golf und Co, behält der Arteon separate Bedieninseln für die Klimaregelung. Die läuft über kurze, beleuchtete Touchslider. Wie üblich Hochglanz-Schwarz und ziemlich praktisch, da man direkt tippen oder schieben kann. Intutiv. Definitiv. Ähnlich wie das neu gestaltete Multifunktionslenkrad. Insgesamt sehr griffig gestaltet besitzt es in Kombination Assistenzsystem Travel Assist eine kapazitiver Berührungserkennung, wichtig bei Spurführung.

Ebenfalls neu: die beiden digitalen Bedieninseln links und rechts, die Wischen mit Drücken kombinieren. Damit fällt Neulingen der Umstieg vom bisherigen "analogen" System mit Tasten und Walzen leichter. Die einzelnen Funktionen sind klar erkennbar, die Flächen groß genug, das Feedback eindeutig. VW hat sich seine Kunden scheinbar genau angesehen und ihnen nicht einfach ein ingeniös hochgezüchtetes System aufgezwungen.

Sound? Check!

Genau hinhören lohnt sich beim Top-Soundsystem von Harman Kardon. 12 Lautsprecher, 16 Kanäle und 700 Watt sind das eine, die Abstimmung auf das jeweilige Modell eine andere. Und da hat Harman Kardon reichlich Erfahrung, die wie man im Arteon hören kann.

Beim Infotainment liefert VW zwei Eskalationsstufen. Mit Achtzoll-Display und bereits serienmäßiger Navigation sowie 9,2-Zoll-Touchscreen samt natürlicher Sprachbedienung und Upgrade-Möglichkeit.10,25 Zoll schließlich messen die serienmäßigen konzernbekannten Digitalinstrumente. Klar gestaltet, individuell konfigurierbar.

Teilautomatisiertes Fahren bis 210 km/h

Neu beim Arteon: "Travel Assist", was neben ACC auch teilautomatisiertes Fahren zwischen Null und 210 km/h bedeutet. Neben Distanzregelung und Tempoanpassung bei Kurven, Kreiseln und Co. hält es den Wagen in der Spur. Hinzu kommen bekannte Systeme wie Notbremsassistent mit Fußgängererkennung. Erhellend wirkt das aktive Lichtsystem, das mit LED-Projektorlinsen arbeitet, Dauerfernlicht ermöglicht und zudem dank vorausschauender Steuerung per Kamera und Navidaten schon in Kurven hineinleuchtet, bevor der Fahrer dorthin lenkt.

Ab 150 PS: die Motoren

Stimmt: mit einem wummernden Fünf-oder Sechszylinder können die Arteon-Brothers nicht dienen, dafür mit hochmodernen Zweiliter-Vierzylindern (eHybrid: 1,4-Liter). Unter 150 PS läuft jedenfalls nix.

Twin Dosing statt Twinturbo: die TDI

Dort startet der Diesel, dessen stärkere Variante 200 PS leistet. Erstmals mit Twin Dosing versehen, was für den Einsatz von zwei SCR-Katalysatoren steht, die die Stickoxidemissionen um bis zu 80 Prozent reduzieren. Ein Kat ist dicht am Motor platziert, der zweite weiter hinten im Unterboden. Warum? Um optimal arbeiten zu können benötigt der Kat eine bestimmte Temperatur, die er in Motornähe auch beim Kaltstart schnell erreicht und selbst bei Fahrten mit wenig Last hält. Steigt die Systemtemperatur etwa bei schneller Fahrt oder mit Anhänger geht die chemische Filterleistung zurück. Am zweiten Kat ist es rund 100 Grad kühler, sodass dieser weiterhin optimal arbeitet – unter allen Bedingungen. Doch bedeuten zwei SCR-Kats auch doppelt so hohen Harnstoffverbrauch? Nein, der bleibt gleich. Einzig die Powerdiesel-Fans könnten trauern, denn der motornahe Kat raubt dem zweiten Turbolader seinen Platz, womit der 240 PS-Biturbo-TDI im Arteon wegen Twin Dosing keinen Platz mehr.

Plugin-Hybrid für alle Ausstattungen

Kurzstrecken rein elektrisch fahren, ohne auf langen Distanzen mit der Reichweite zu kämpfen, dafür steht der bekannte Plugin-Hybrid mit seiner Systemleistung von 218 PS. Dazu kooperieren der 1,4-Liter-TSI mit 156 PS und die 115 PS starke E-Maschine, die ihre Kraft über das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder schicken. Der Lithium-Ionen-Akku im Wagenboden sorgt für eine rein elektrische Reichweite von rund 50 Kilometern. Neu: der Plugin-Hybrid ist nicht mehr an den GTE gekoppelt, sondern lässt sich mit sämtlichen Ausstattungen von Elegance bis R-Line koppeln. Dennoch gibt es eine GTE-Taste. Sie konditioniert den Arteon auf sportliche Fahrweise, lässt etwa die E-Maschine stärker boosten lässt.

TSI: Benziner von 190 bis 320 PS

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Die Motoren leisten zwischen 150 und 320 PS, inklusive Hybrid, R-Topmodell und TDI mit Twindosing.

Drei Benziner stehen zur Wahl, 190, 280 und 320 PS stark. Besonders sparfreudig: der Basis-TSI, dessen sogenanntes B-Zyklus-Brennverfahren den Wirkungsgrad um etwa zehn Prozent verbessert. Dazu verwendet er spezielle Steuerzeiten sowie eine hohe Verdichtung (12,2:1). Der Fahrer merkt nichts vom Sparzauber, zumal die 320 Newtonmeter Drehmoment von 1500/min bis 4100/min anliegen.

Noch kräftiger geht der bisherige Topmotor mit 280 PS ran, für den sich der Einsatz des optionalen Allradantriebs empfiehlt. Dem neuen Topmodell R spendiert VW sogar einen besonderen Allradantrieb serienmäßig. Beide Arteon R – Limousine und Shooting Brake – kombinieren den EA888 evo4 (320 PS sowie 420 Newtonmeter Drehmoment) mit dem Siebengang-Doppelkuppler DQ500 sowie Allradantrieb samt neuem Torque Splitter (R Performance Torque Vectoring).

Dieser regelt die variable Momentverteilung zwischen den Achsen sowie zwischen den Hinterrädern. Je nach Fahrmodus und Fahrsituation (Tempo, Lenkwinkel, Gaspedalstellung, Querbeschleunigung und Gierrate) gelangen dabei bis zu 100 Prozent des Antriebsmoments an das kurvenäußere Rad, was die Agilität steigert, das Fahrverhalten in Kurven dynamisiert.

Fazit

Der Arteon kommt ab Oktober frischer, moderner, variantenreicher mit aktuellen Motoren von Diesel über Hybrid bis Sparbenziner und einem würdigen R obendrüber. Und dann erst der Shooting Brake! VW meint es ernst mit der oberen Avantgarde-Mittelklasse. Technisch zeitgemäß, optisch ambitioniert – bei vollem Nutzwert. Die Chancen der Arteon-Brothers stehen also bestens, jetzt endgültig aus der Nische herauszuflitzen.

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