Unter den Transaxle-Modellen von Porsche nimmt der 968 Turbo S eine Sonderrolle ein. Er war nicht als komfortbetonte Leistungsvariante gedacht, sondern als straßenzugelassene Basis für den Wettbewerb. Entsprechend hoch fiel auch der Preis aus: Die Straßenversion kostete inklusive 15 Prozent Mehrwertsteuer 175.000 Mark, für die Rennversion Turbo RS berechnete Porsche 225.000 Mark. Nur 14 Exemplare baute Porsche. Heute bezahlen Sammler für den seltenen Transaxle-Sportwagen viel Geld: Gooding hatte 2021 ein Exemplar für 650.000 Euro versteigert.
Schätzpreis: rund eine Million Dollar
Anfang März 2026 kommt während der Auktionen in Amelia Island (Florida, USA) ein weiterer 968 Turbo S unter den Hammer. Das Auktionshaus Gooding Christie's hat den Schätzpreis auf 900.000 bis 1,2 Millionen US-Dollar festgelegt. Das sind umgerechnet rund 756.000 bis eine Million Euro.
Starker Vierzylinder: 305 PS, 500 Nm, 280 km/h
Verantwortlich für die Entwicklung waren Jürgen Barth und Gerd Schmid aus der Porsche-Rennabteilung. Der 3,0-Liter-Vierzylinder erhielt – anders als die regulären 968 – einen Zweiventil-Zylinderkopf mit auf 7,5:1 reduzierter Verdichtung. Ein wassergekühlter KKK-Turbolader mit einem bar Ladedruck und ein Ladeluftkühler steigern die Leistung des Vierzylindermotors auf 305 PS.
Das maximale Drehmoment beträgt 500 Nm bei 3.000/min, die Spitzenleistung liegt bei 5.600/min. Diese Charakteristik verweist auf ein breites nutzbares Drehzahlband. Laut Werk erreicht der Porsche 968 Turbo S "etwa 280 km/h" Höchstgeschwindigkeit und beschleunigt in rund fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Das Sechsgang-Schaltgetriebe blieb laut Porsche "weitgehend unverändert", lediglich der fünfte und sechste Gang wurden länger übersetzt. Ein Sperrdifferenzial mit 75 Prozent Wirkung in Zug- und Schubbetrieb gehörte zur Serienausstattung.
Leichtbau: 1.300 Kilogramm Leergewicht
Zur Gewichtsreduzierung verzichtete Porsche auf elektrische Fensterheber, Rückbank, PVC-Unterbodenschutz sowie – laut technischer Beschreibung – auf die Zentralverriegelung. Das Leergewicht mit vollem Tank lag bei 1.300 Kilogramm. Damit war der Turbo S rund 70 Kilogramm leichter als das Basismodell.
Das Fahrwerk wurde straffer abgestimmt und die Karosserie um 20 Millimeter tiefergelegt. An der Vorderachse kamen Bremsen vom 911 Turbo S zum Einsatz. Hinter dreiteiligen 18-Zoll-Rädern aus dem Carrera-Cup arbeiteten rot lackierte Bremssättel.
Zur Verbesserung der Kühlung verfügte der Turbo S über zwei zusätzliche Öffnungen in der Motorhaube sowie eine vergrößerte Öffnung im Bugteil. Eine Spoilerlippe unter der Frontschürze und ein um zehn Grad verstellbarer Heckspoiler sollten den Abtrieb erhöhen.
Die Rennversion 968 Turbo RS leistete 337 PS. Sie verfügte über verschweißten Überrollkäfig, Feuerlöschanlage, Sechspunkt-Gurte und einen Sicherheitstank mit 42 Litern Volumen. Laut damaliger Porsche-Pressemitteilung war das Fahrwerk nochmals straffer abgestimmt; Dämmmaterialien und Innenraumverkleidungen entfielen vollständig.
Porsche-Rarität: nur 14 Exemplare gebaut
Trotz einer geplanten Auflage von 100 Exemplaren entstanden vom 968 Turbo S und seiner Wettbewerbsversion insgesamt lediglich 14 Fahrzeuge, darunter ein Prototyp. Zeitgenössische Tests unterstrichen die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit. Im Juni 1993 bezeichnete Daniel Borg in Performance Car den Turbo S als "ernsthaft schnell" – so, wie man es von einem handgefertigten Fahrzeug aus der Porsche-Rennabteilung erwarten würde.
Das hier beschriebene Fahrzeug wurde am 19. Juli 1993 fertiggestellt und direkt von der Porsche-Rennabteilung für die tschechische Tennisspielerin Helena Suková bestellt. Lackiert in Zermatt Silver Metallic und ausgestattet mit schwarzem Lederimitat samt Kord-Einsätzen, verfügte es unter anderem über deutsche Spezifikation, Batterie mit höherer Kapazität, seitliche Schutzleisten, Nebelschlussleuchte, grün getönte Frontscheibe, Alarmanlage und Klimaanlage. In dem aktuell angebotenen Fahrzeug sind Kunststoff-Sitzschalen mit griffiger Stoffpolsterung montiert; alternativ waren auch Normalsitze erhältlich.
Dokumentierte Historie: 30.367 Kilometer seit 1993
Suková soll den 968 Turbo S bis circa 2014 behalten haben, belegt durch Unterlagen aus Monaco. Im Dezember 2014 wurde das Fahrzeug mit 29.600 Kilometern über Porsche Dresden an Andreas Knapp-Voith aus Düsseldorf verkauft. Dokumentiert sind eine HU/AU-Prüfung 2017 sowie ein Service im Porsche Zentrum 2018 bei rund 29.690 Kilometern.
Um 2021 erwarb der US-Sammler Michael Kelter den Wagen, Anfang 2024 wechselte er in den aktuellen Besitz. Zum Zeitpunkt der Katalogisierung betrug die Laufleistung 30.367 Kilometer (18.872 Meilen). Zum Lieferumfang zählen Bücher, Werkzeuge, Reserverad, werksseitige Ersatz-Antriebswellen, Verbandskasten und Unterlagen bis zur Erstbestellung.












