Mercedes SLS-Muletto auf Viper-Basis: Dieser AMG war mal ein Dodge

Mercedes SLS AMG Muletto auf Viper-Basis
Dieser AMG war mal eine Dodge Viper

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.02.2026
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Der Mercedes-Benz SLS Club hatte auf der Retro Classics einen Hingucker am Stand: AMG hatte den letzten überlebenden SLS-Muletto hingestellt. Schwarz lackiert, Kunststoff-Anbauteile vor dem Kühler und aufgeklappter Motorhaube, zog der ehemalige Erprobungsträger Aufmerksamkeit und Besucher an wie ein großer Magnet.

V8 statt V10: Dodge Viper mit SLS-Antrieb

Muletto, das muss man vielleicht erklären, heißen in der Autoindustrie Autos, in die für die Straßenerprobung Teile neuer Modelle eingebaut werden. In diesem Fall testete AMG Motor, Getriebe und Fahrwerk des SLS in der Karosserie einer Dodge Viper, die in Deutschland als Chrysler Viper verkauft wurde – zwischen 2002 und 2010 übrigens 188-mal in Deutschland.

Obwohl das Modell aus dem damaligen DaimlerChrysler-Konzern stammte, war die Beschaffung gar nicht so einfach, erinnert sich Oliver Kurz, der den Auftrag bekam: "Wir brauchen 10 Viper, jetzt. In Schwarz."

Ein anderes, passendes Modell für den Transaxle-Antriebstrang des SLS gab es ebenso wenig wie ein Vorgängermodell. Denn das wäre die naheliegende Basis für ein Muletto gewesen. Das italienische Wort "muletto" heißt übersetzt "kleiner Maulesel".

AMG bekam die zehn schwarzen Viper über Händler. Oliver Kurz erinnert sich gut an die erste Fahrt in dem Sportwagen: "So eine Viper lebt. Es wackelt alles, es schüttelt sich alles."

Was wurde alles geändert?

Das machte Spaß, konnte aber nicht so bleiben. Denn die Techniker hatten in mehreren Wochen Arbeit die Transformation des US-Cars in einen Erprobungsträger vorbereitet: Motor, Getriebe und Fahrwerk wurden ausgebaut. Die Techniker schnitten die Front ab und bauten eine neue, nun 13 Zentimeter längere Struktur für die neuen Aggregate an. Ein Überrollbügel verstärkte die Fahrgastzelle. Ins Cockpit wanderten Instrumente und Schalter aus Mercedes-Modellen. Das Lenkrad ist auch ohne Stern als Mercedes-Teil erkennbar, ebenso die Hebel für Blinker und Tempomat.

Den Viper-Zehnzylinder ersetzte der Hochdrehzahl-Achtzylinder von AMG. Den M156 hatte Mercedes 2006 im E 63 AMG der Baureihe W 211 auf den Markt gebracht.

Von welchem Auto stammen die Blinker?

Die eigens in den USA beschafften Hardtops hatten die Entwickler mit Klebeband abgedichtet, damit es bei eisigen Erprobungsfahrten in Schweden nicht ins Auto zog. Scheinwerfer und aufgesetzte Blinker stammen von der G-Klasse, das Heck hingegen ist bis auf die geraden Endrohre fast unverändert Viper – der Look dürfte Beobachter verwirrt haben.

Was macht den M159-V8 im SLS besonders?

Für den SLS erhielt der Motor eine Trockensumpfschmierung, mehr Leistung und das Kürzel M159. Die Trockensumpfschmierung sorgt für eine stabilere Ölversorgung bei hohen Kurvengeschwindigkeiten. Im Supertest von sport auto erzielte ein Mercedes SLS AMG Black Series Querbeschleunigungen von bis zu 1,45 g.

Trotz des rund zwei Liter geringeren Hubraums hat der AMG-Motor mehr Leistung als der 506 PS starke Viper-Antrieb: 571 PS leistet der M159. Eine mit Kurbelwellendrehzahl im Torque Tube laufende Kohlefaser-Welle überträgt die Kraft des Motors an das an der Hinterachse montierte Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe.

Die Unterschiede zur Ausgangsbasis waren gewaltig und machten sich bemerkbar: "Wir waren relativ schnell auf einem anderen Stand", erinnert sich AMG-Testfahrer Peter Alber an die Erprobung der neuen Technik in der Viper-Hülle.

Wie viel Kilometer fuhren die SLS-Mulettos?

Jedes der zehn Autos absolvierte 10.000 Kilometer Erprobungsfahrten. Testfahrer scheuchten die SLS-Mulettos über schwedische Schneepisten, durch den Staub Südafrikas und auf den 4.301 Meter hohen Pikes Peak in Colorado, USA. Fahrten auf der Nordschleife des Nürburgrings ergänzten das Testprogramm.

Wie viele SLS-Mulettos haben überlebt?

Einer der Mulettos hat überlebt – er gehört zur Sammlung von AMG Classic und ist immer noch fahrbereit. Obwohl der Muletto noch gar nicht so alt ist, ist er Zeuge einer anderen Zeit in der Automobilentwicklung: "Heute ersetzen Berechnungen und Simulationen die Mule-Phase", sagt Peter Alber, Leiter Gesamtfahrzeugversuch bei Mercedes-AMG.

Wofür steht der Projektcode D5?

Das Projekt war anfangs so geheim, dass es noch gar kein Budget gab. Unter dem Codenamen D5 arbeitete eine kleine Truppe am ersten Auto, das AMG von Grund auf neu entwickelt hat. Die Adresse des eigens angemieteten Gebäudes an der Daimlerstraße 5 in Affalterbach gab dem Projekt das Kürzel D5. "Das war ein großer Sprung für uns. Seitdem können wir Gesamtfahrzeug", sagt Alber.

Was wurde aus dem Viper-Nachfolger mit SLS-Technik?

Aus dem Gedanken, SLS und einen Viper-Nachfolger gemeinsam zu entwickeln, wurde nichts: Noch bevor der SLS im Jahr 2010 auf den Markt kam, gingen Daimler und Chrysler getrennte Wege; die letzten Chysler-Anteile in Höhe von 19,9 Prozent hat die Daimler AG Ende April 2009 verkauft.

Fazit