Die Idee, eine Dodge Viper als Testplattform für den SLS AMG zu nutzen, entstand aus der Notwendigkeit, eine geeignete Karosserie für die Erprobung des neuen Transaxle-Antriebstrangs zu finden. Da es kein passendes Vorgängermodell gab, entschied sich AMG für die Viper, die damals Teil des DaimlerChrysler-Konzerns war. Zehn schwarze Viper wurden über Händler beschafft und in wochenlanger Arbeit umgebaut. Die Front wurde um 13 Zentimeter verlängert, um Platz für den neuen V8-Motor und das Getriebe zu schaffen. Ein Überrollbügel verstärkte die Fahrgastzelle, und das Cockpit wurde mit Mercedes-Komponenten ausgestattet.
Technische Innovationen im Fokus
Der im SLS-Muletto eingesetzte Motor, der M159, ist eine Weiterentwicklung des M156 und wurde speziell für den SLS AMG optimiert. Mit einer Trockensumpfschmierung und einer Leistung von 571 PS übertraf er den ursprünglichen V10-Motor der Viper deutlich. Die Trockensumpfschmierung gewährleistet eine stabile Ölversorgung auch bei hohen Kurvengeschwindigkeiten, was besonders bei den Erprobungsfahrten auf anspruchsvollen Strecken wie dem Nürburgring von Vorteil war. Die Kraftübertragung erfolgt über eine Kohlefaserwelle im Torque Tube an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das an der Hinterachse montiert ist.
Erprobung unter extremen Bedingungen
Die SLS-Mulettos wurden weltweit unter unterschiedlichsten Bedingungen getestet. In Schweden bewährten sie sich bei eisigen Temperaturen, während sie in Südafrika und auf dem Pikes Peak in Colorado unter extremen Hitze- und Höhenbedingungen geprüft wurden. Auch die Nordschleife des Nürburgrings diente als Teststrecke, um die Belastbarkeit und Performance der neuen Technik zu evaluieren. Jedes Fahrzeug legte dabei rund 10.000 Kilometer zurück.
Einzigartige Details und Herausforderungen
Die Anpassungen an der Viper-Karosserie waren umfangreich. Scheinwerfer und Blinker stammten von der G-Klasse, während das Heck weitgehend unverändert blieb. Die Hardtops wurden mit Klebeband abgedichtet, um bei den Wintertests in Schweden das Eindringen von Kälte zu verhindern. Diese pragmatischen Lösungen zeigen, wie flexibel und kreativ die Ingenieure bei der Entwicklung des SLS AMG vorgingen.
Das Erbe des SLS-Mulettos
Heute existiert nur noch ein einziges SLS-Muletto, das zur Sammlung von AMG Classic gehört. Es ist ein Zeugnis einer Zeit, in der physische Prototypen eine zentrale Rolle in der Fahrzeugentwicklung spielten. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der Nutzung von Simulationen hat sich dieser Prozess jedoch grundlegend verändert. Dennoch bleibt das SLS-Muletto ein faszinierendes Beispiel für Ingenieurskunst und Innovationsgeist.












