Autos sind leicht und günstig ortbar: Reifendrucksensoren funken unverschlüsselt

Reifendrucksensoren funken unverschlüsselt
Autos sind leicht und günstig ortbar

ArtikeldatumVeröffentlicht am 09.03.2026
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Detailaufnahme des Vorderrads eines VW T-Roc eTSI mit Continental WinterContact Reifen.
Foto: ACHIM HARTMANN

Das Reifendruckkontrollsystem, kurz RDKS, gehört heute in vielen Märkten zur Serienausstattung. Es soll den Fahrer warnen, wenn ein Reifen Luft verliert. Bei vielen direkt messenden Systemen sitzt dafür in jedem Rad ein batteriebetriebener Sensor, der den Druck per Funk an das Auto meldet. Genau diese Bauart ist das Problem: Die Sensoren senden oft unverschlüsselt und mit einer festen Kennung, die sich über lange Zeit nicht ändert. So ist das Fahrzeug für Dritte wiedererkennbar, ohne dass jemand ein Kennzeichen lesen muss.

Wie praktikabel das ist, zeigt eine neue Untersuchung des Madrider Instituts IMDEA Networks. Die Forscher stellten fünf günstige Funkempfänger entlang von Straßen und Parkflächen auf. Jeder Empfänger kostete nach ihren Angaben rund 100 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 86 Euro). In zehn Wochen sammelte das Team mehr als sechs Millionen Funksignale von mehr als 20.000 Fahrzeugen. Die Technik ist also für einen Einsatz im Alltag billig, klein und unauffällig genug.

Funkreichweite größer als erwartet

Die eigentliche verifizierte Datengrundlage der Studie umfasst 12 eindeutig zugeordnete Fahrzeuge. Die Forscher haben nicht für alle erfassten 20.000 Autos komplette Bewegungsprofile erstellt. Sie zeigen vielmehr an verifizierten Fahrzeugen die Machbarkeit – und mit der großen Zahl empfangener Signale, wie leicht sich das Prinzip ausweiten ließe.

Besonders relevant ist die Reichweite. Laut Studie ließen sich die Signale aus mehr als 50 Metern Entfernung empfangen. Im Versuch funktionierte das sogar dann noch, wenn der Empfänger in einem Gebäude stand und keine direkte Sicht auf das Auto hatte. Auch bei fahrenden Fahrzeugen gelang der Empfang: In einem Testfahrzeug registrierten die Forscher bei neun von zehn Vorbeifahrten Signale. Wer so ein Netz über Parkplätze, Zufahrten oder Quartiere legt, braucht theoretisch keine Kamera und keinen freien Blick auf das Fahrzeug.

Erstellung von Bewegungsmustern

Die feste Kennung allein ist schon heikel, weil sie ein Auto bei jedem erneuten Auftauchen identifizierbar macht. Außerdem sind aus den Daten nicht nur Ankunfts- und Abfahrtszeiten ableitbar, sondern auch Routinen – etwa wer regelmäßig morgens an einem Ort erscheint, wie lange ein Fahrzeug dort bleibt oder an welchen Tagen es am jeweiligen Ort fehlt. Die Studie nennt zudem weitere Hinweise, die aus den Messwerten abgeleitet werden können, etwa Fahrzeugtyp oder Beladung.

Detailaufnahme eines Vorderrads an einem roten Porsche-Elektrofahrzeug. Das Bild zeigt die Felge mit Porsche-Logo, den Reifen und einen Teil des Frontkotflügels mit Scheinwerfer.

Ganz neu ist die Schwachstelle nicht. Bereits 2010 zeigten Forscher auf einer Sicherheitskonferenz, dass sich solche Signale aus rund 40 Metern Entfernung abhören lassen, dass die Sensoren mit festen Kennungen arbeiten und dass grundlegende Schutzmechanismen wie Authentifizierung fehlen. Der neue Befund zeigt: Dank eines bekannten Problems können Interessierte mit billiger Standardtechnik ein skalierbares System zur Beobachtung von Fahrzeugen machen.

Nicht jede Technik betroffen

Die konkrete Schwachstelle betrifft die Systeme, bei denen im Rad selbst ein Sensor sitzt und funkt. Es gibt auch indirekte Lösungen, die den Reifendruck nicht direkt messen, sondern über die Raddrehzahlen Rückschlüsse ziehen und deshalb keinen separaten Funksender im Reifen brauchen. Die US-Regeln unterscheiden diese Bauarten ausdrücklich, und auch die EU schreibt nicht eine einzige technische Lösung vor. Nicht jedes Auto mit Reifendruckkontrolle sendet also zwangsläufig auf dieselbe Weise.

Schutz gegen Missbrauch nötig

In den USA sind Reifendruckkontrollsysteme für Neuwagen seit dem Modelljahr 2008 vorgeschrieben. In der EU gilt die Pflicht für neue Pkw-Typen seit November 2012 und für alle neuen Pkw seit November 2014. Für schwere Nutzfahrzeuge und Anhänger greifen die neueren EU-Vorgaben seit Juli 2024. Es geht bei der Technik somit nicht um ein exotisches Nischensystem, sondern um eine flächendeckend ausgerollte Sicherheitsfunktion. Deshalb drängen die Forscher auf bessere Absicherung künftiger Systeme.

Fazit