Die klassische Handbremse mit Hebel oder Fußpedal verschwindet aus modernen Autos. An ihre Stelle ist bei den meisten aktuellen Pkw die elektrische Parkbremse getreten. Aktiviert wird sie über einen Schalter oder Taster, der meist in der Mittelkonsole sitzt. Im Alltag dient sie wie die frühere mechanische Feststellbremse dazu, das Fahrzeug beim Parken oder Anhalten gegen Wegrollen zu sichern. Darüber hinaus verfügen viele Systeme über weitere Funktionen, die vielen Autofahrern kaum bekannt sind.
Unbekannte Notbremsfunktion
Besonders wichtig ist die Notbremsfunktion, die zahlreiche Fahrzeuge mit elektrischer Parkbremse bieten. Wird der Schalter während der Fahrt bewusst betätigt und gehalten, erkennt die Fahrzeugelektronik dies bei vielen Modellen als Notbremsanforderung. Statt lediglich die Hinterräder zu blockieren, greift das System auf die Betriebsbremse zurück und nutzt gleichzeitig ABS und ESP beziehungsweise ESC, um das Fahrzeug kontrolliert zu verzögern. Dadurch soll verhindert werden, dass einzelne Räder blockieren und das Fahrzeug ins Schleudern gerät. Je nach Hersteller werden zusätzlich die Warnblinker aktiviert, um den nachfolgenden Verkehr auf die Notbremsung aufmerksam zu machen.
Die Funktion ist für Situationen gedacht, in denen die normale Fußbremse nicht mehr genutzt werden kann oder der Fahrer handlungsunfähig ist. Erleidet der Fahrer beispielsweise einen medizinischen Notfall, kann auch ein Beifahrer die elektrische Parkbremse betätigen und so eine kontrollierte Bremsung einleiten. Bei vielen Fahrzeugen endet die Bremsung wieder, sobald der Schalter losgelassen wird. Wie die Notbremsfunktion im jeweiligen Modell arbeitet und wie sie ausgelöst wird, beschreiben die Fahrzeughersteller in der Betriebsanleitung. Ohne Notfall sollte diese Funktion nicht ausprobiert werden.
Ohne Strom geht nichts
Neben der Notbremsfunktion gibt es weitere Besonderheiten, die im Alltag relevant sein können. Die elektrische Parkbremse wird über das 12-Volt-Bordnetz versorgt. Ist die Batterie vollständig entladen, lässt sich eine angezogene Parkbremse bei vielen Fahrzeugen nicht mehr über den Schalter lösen. Das Fahrzeug kann dann häufig weder geschoben noch ohne weitere Maßnahmen bewegt werden. In vielen Fällen muss zunächst eine Starthilfe oder eine externe Spannungsversorgung angeschlossen werden. Einige Hersteller statten ihre Fahrzeuge zusätzlich mit einer mechanischen Notentriegelung aus, deren Bedienung in der Betriebsanleitung beschrieben ist.
Wartung wird teurer
Auch bei Wartungsarbeiten gibt es Unterschiede zur klassischen Feststellbremse. Müssen an der Hinterachse Bremsbeläge oder Bremsscheiben ersetzt werden, müssen die Stellmotoren der elektrischen Parkbremse bei vielen Fahrzeugen zunächst in einen Servicemodus gebracht werden. Das geschieht je nach Modell über ein Diagnosegerät, das Bordmenü oder eine spezielle Tastenkombination. Der Wechsel der hinteren Bremsbeläge verursacht dadurch häufig zusätzliche Werkstattkosten. Für freie Werkstätten ohne passende Diagnose-Hard- und Software kann der Eingriff ebenfalls zum Problem werden, da sich der erforderliche Servicemodus nicht bei jedem Fahrzeug ohne herstellerspezifische Technik aktivieren lässt.
Automatikfunktionen beachten
Eine weitere Komfortfunktion vieler Fahrzeuge ist das automatische Lösen der Parkbremse beim Anfahren. Allerdings arbeitet diese Funktion nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Je nach Hersteller müssen beispielsweise die Fahrertür geschlossen, der Sicherheitsgurt angelegt, eine Fahrstufe eingelegt und der Motor oder der elektrische Antrieb betriebsbereit sein. Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, unterscheidet sich nicht nur zwischen den Herstellern, sondern teilweise auch zwischen einzelnen Modellreihen. Löst sich die Parkbremse deshalb nicht automatisch, muss nicht zwangsläufig ein technischer Defekt vorliegen.





