Jaguar I-Pace, Interview Jaguar

Jaguar-Vorstandsmitglied Felix Bräutigam

„Der I-Pace ist die Quintessenz der Marke Jaguar“

Jaguar hatte als erste etablierte Premium-Marke ein Elektroauto am Start. Über die Erfahrung mit dem I-Pace berichtet Felix Bräutigam, Vertriebs- und Marketingvorstand von Jaguar Land Rover, im Interview.

Herr Bräutigam, wie würden Sie den I-Pace charakterisieren?

Jeder Jaguar soll das Gewöhnliche zum Außergewöhnlichen machen, seinem Besitzer das Gefühl vermitteln, in einem besonderen Automobil zu sitzen. Im Englischen heißt das "turn ordinary into extraordinary". Es ist ein Leitspruch für die Marke – und trifft ganz besonders auf den I-Pace zu. Er verkörpert ein sehr modernes Elektroauto, überrascht mit viel Agilität, Fahrspaß und Performance und ist ein Trendsetter in seinem Segment. Das zieht sich vom preisgekrönten Design bis zum innovativen Antrieb. Jaguar war stets eine Marke, die den technischen Fortschritt vorangetrieben und ihn attraktiv verpackt hat. Dafür ist der I-Pace ein Paradebeispiel. Die Quintessenz der Marke, wenn Sie so wollen.

Wie war Ihre Reaktion nach der ersten Fahrt im I-Pace?

Extrem positiv! Ich war sehr gespannt auf den I-Pace. Klar, die Längsbeschleunigung von Elektrofahrzeugen war mir bis dato bekannt – und sind wir in diesem Punkt mal ehrlich: Die blitzschnelle Beschleunigung beeindruckt, das Aha-Gefühl nutzt sich jedoch ab. Daher konnte sich der eingefleischte Auto-Fan in mir nicht richtig vorstellen, dass anstelle von Benzin in Zukunft Elektronen durch mein Blut fließen sollen. Der I-Pace hat mich eines Besseren belehrt. Er fährt unglaublich agil, wunderbar sportlich und gibt enorm viel Rückmeldung. Er atmet die Straße. Seine Performance und vor allem die Querdynamik sind beeindruckend – damit hat er den Auto-Fan in mir beruhigt.

Als weltweit einziger Hersteller unterhält Jaguar eine eigene Rennserie mit Elektrofahrzeugen – was haben Sie von der eTrophy für den I-Pace im Modelljahr 2021 gelernt?

Wir stehen bei der Entwicklung der Elektrofahrzeuge ja noch ganz am Anfang – so, wie das bei den Verbrennern in den 1920er- und 1930er-Jahren war. Damals machte man Rennsport nicht etwa, weil es cool war, sondern um die Entwicklung der Technik voranzutreiben. Als der I-Pace fertig war – geprägt von vielen technischen Transfers aus unseren Formel-E-Rennwagen –, schauten wir auf ein sehr sportliches Elektroauto. Da lag die Idee für die erste E-Rennserie der Welt quasi auf der Hand. Und wir sind froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Denn der Renneinsatz steigert unsere Lernkurve zum Thema immens. Daraus resultiert eine Entwicklung im Zeitraffer, die uns in die Lage versetzt, die Serienfahrzeuge permanent zu verbessern.

Würden Sie uns dafür ein paar Beispiele nennen?

Konkret konnten wir mit dem gesammelten Wissen aus der Rennserie beim I-Pace des Modelljahrs 2021 die Antriebstechnik, die Aerodynamik, das Batterie- und Temperaturmanagement, die Ladegeschwindigkeit und vor allem die Energierückgewinnung optimieren. Dazu zwei Zahlen: Die Reichweite wurde um acht Prozent gesteigert – mit identischer Hardware. Bei der Kraftverteilung wissen wir jetzt, dass 30 : 70 (Vorderachse zu Hinterachse) den besten Mix aus Effizienz und Traktion liefert. Vorher lagen wir bei 50 : 50. Unsere Kunden freuen sich darüber, denn sie profitieren sehr schnell von diesen Fortschritten, da wir sie teilweise als Over-the-air-Updates auf das Fahrzeug spielen können.

Wie setzt sich die I-Pace-Käuferschicht zusammen?

Der Markt für reine Elektrofahrzeuge ist höchst spannend, weil die Käufer aus sehr unterschiedlichen Richtungen zu uns kommen. Da gibt es die Innovatoren, die schon kurz nach der Konzeptvorstellung des I-Pace ihr Kaufinteresse bekundet haben. Dann sind da die Marken-Fans, für die klar war, dass sie dieses Auto haben wollen. Weil sie Jaguar blind vertrauen – und das modernste Modell nicht verpassen wollen. Wieder andere hatten zuvor noch keine Berührung mit der Marke, sind aber vom E-Auto überzeugt und haben nur darauf gewartet, dass ein traditioneller Hersteller aus dem Premium-Segment ein innovatives Modell auf den Markt bringt, bei dem es ein etabliertes Händlernetz gibt. Die Händler wurden von uns speziell geschult, weil es rund ums Thema natürlich viele Fragen gibt. Vor allem zum Laden. Da tut es gut, wenn ein Profi die Fragen klärt und damit Ängste nimmt. Hilfreich ist dabei zum Beispiel die Funktion im Navi, die nicht nur die nächste freie Ladesäule anzeigt, sondern auch die dort aufgerufenen Preise pro Kilowattstunde. Und dann gibt es die klassischen Jaguar-Kunden, die den I-Pace so gar nicht auf dem Zettel hatten, aber einen als Service-Ersatzwagen mitbekommen – und hinterher völlig überzeugt davon sind. Sie sehen, es ist ein bunter Mix.

Wie schätzen Sie die Zukunft der E-Autos ganz allgemein ein: Ist die E-Mobilität nur ein Zwischenschritt?

Die Zukunft gehört langfristig den reinen E-Autos – ganz klar. Wir stehen aktuell jedoch noch am Anfang, das muss man sich immer wieder vor Augen führen. Das Potenzial ist allerdings enorm. Ähnlich wie bei den Computern werden wir große Sprünge bei der Batterietechnologie erleben – und damit bei den E-Autos. In der Zwischenzeit werden technologisch durchdachte Plug-in-Hybride eine überzeugende Lösung für viele Kunden sein.

Was braucht es dafür noch?

Zwei Bausteine: Zero-Emission-Energie, also grüne, nachhaltige Energie. Und zwar global. Nur damit kann das E-Auto ökologisch überzeugen. Zweitens: eine moderne, passende Lade-Infrastruktur. Aktuell liegt künstlich viel Druck auf den Herstellern, das Angebot an E-Autos zu erhöhen. Dabei braucht es zeitgleich ein Konzept, wie sich diese unterwegs laden lassen. Das muss zum einen das Stromnetz hergeben, zum anderen braucht es Partner, die hier mit ins Boot steigen. Und natürlich Regierungen, die kluge Anreize schaffen. Die Autohersteller können das allein nicht stemmen, wir haben seinerzeit ja auch keine Tankstellen gebaut.

Und wie sieht das Straßenbild bis dahin aus?

Durch die 2020er-Jahre hindurch werden wir ein buntes Potpourri an unterschiedlichen Antriebskonzepten erleben. Vom hochmodernen Verbrenner über kluge Hybride bis hin zu reinen E-Autos wird da alles vertreten sein. Aus meiner Sicht übernimmt der Plug-in-Hybrid mit akzeptabler E-Reichweite die Brückentechnologie. Wie schnell sich was auf den jeweiligen Märkten durchsetzen wird, hängt vom Kundenverhalten, den Lademöglichkeiten und den Kaufanreizen ab.

Vita

Felix Bräutigam ist seit April 2018 Chief Commercial Officer und Mitglied des Vorstands bei Jaguar Land Rover. Der studierte Diplom-Kaufmann mit MBA leitet die weltweiten Aktivitäten in den Bereichen Marketing, Produktplanung, Vertrieb, Kundenbeziehungs-Management, Kundendienst und Netzentwicklung sowie die einzelnen Vertriebsregionen der Welt. Bevor Bräutigam zum britischen Premium-Hersteller wechselte, arbeitete er bei Porsche. In Stuttgart war er zuletzt als Vice President Europe für 51 Märkte verantwortlich. Seine Karriere begann Bräutigam bei General Motors, wo er bei Saab, Vauxhall und Opel Erfahrungen sammelte.

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