Neue Wunder-Stoßdämpfer von ZF machen Autos leiser: Wenn das Fahrwerk zum Lärmschutz wird

ZF entwickelt Lärmschutz direkt am Fahrwerk
Wunder-Software unterdrückt Abrollgeräusche

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 06.01.2026
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Aktive Geräuschunterdrückung kennen viele von Kopf- oder Ohrhörern. Dabei nehmen Mikrofone Umgebungsgeräusche auf, wodurch ein digitales System in Echtzeit einen gegenphasigen "Antischall" erzeugt. Diese beiden Schallwellen heben sich gegenseitig auf, sodass störende Geräusche effektiv neutralisiert werden. Solche Systeme gibt es auch in Autos, indem über die Soundanlage mit Gegenschall Fahrgeräusche unterdrückt werden. Eine neue Entwicklung von ZF wendet diese Technik jetzt direkt in Stoßdämpfern an. Ziel ist es, Abrollgeräusche aus dem Fahrwerk auszuschalten.

Premiere auf der CES 2026

Auf der Messe CES 2026 in Las Vegas zeigt der Technologiekonzern ZF diese neue Form der aktiven Geräuschunterdrückung im Auto, die nicht über die Audioanlage arbeitet, sondern über das Fahrwerk selbst. Im Mittelpunkt steht ein Phänomen, das viele Fahrer kennen, ohne seinen Namen zu wissen: sogenanntes "Cavity Noise". Dabei gerät die Luft im Reifeninneren in Schwingung und diese Vibrationen werden über Querlenker, Radträger und Dämpfer in die Karosserie und schließlich in den Innenraum geleitet. Dort äußert sich das als tiefes, monotones Dröhnen, vor allem auf rauem Asphalt oder bei bestimmten Geschwindigkeiten.

Bisherige Systeme zur aktiven Geräuschunterdrückung messen den Schall im Innenraum, berechnen ein Gegensignal und spielen dieses über die Soundanlage ein. Der unerwünschte Ton wird so durch einen gleich starken, aber gegenphasigen Ton überlagert. Diese Technik funktioniert gut, ist aber aufwendig. Sie benötigt zusätzliche Hardware, Platz im Fahrzeug und eine enge Verzahnung mit der Audioelektronik. Deshalb findet man solche Lösungen meist nur in teureren Fahrzeugklassen.

Der Ansatz von ZF setzt früher in der Entstehung des Geräusches an. Grundlage ist eine neue Generation des "Smart Chassis Sensors", der direkt im Fahrwerk sitzt und mit einem integrierten Beschleunigungssensor die feinen Schwingungen misst, die vom Reifen kommen. Diese Messdaten gehen an ein Steuergerät, das mit einem speziell entwickelten Algorithmus die typischen Muster des Cavity Noise erkennt. Wird ein solches Störgeräusch identifiziert, erzeugt die Software ein Gegensignal. Dieses Gegensignal wird jedoch nicht über Lautsprecher ausgegeben, sondern über die Ventile der semiaktiven Dämpfer von ZF, die unter dem Namen CDC (Continuous Damping Control) bekannt sind.

Dämpfer erzeugen Gegenschall

Die Dämpfer führen dafür minimale, sehr schnelle Mikrobewegungen aus. Sie wirken den vom Reifen kommenden Schwingungen gezielt entgegen, noch bevor diese sich in der Karosserie ausbreiten können. Wichtig dabei ist, dass die eigentliche Aufgabe des Dämpfers, also das Abfedern von Unebenheiten und das Stabilisieren der Karosserie, davon nicht beeinträchtigt wird. In der aktuellen Entwicklungsstufe lassen sich so Pegelreduktionen von mehr als drei Dezibel erreichen, was im Innenraum als deutlich hörbare Beruhigung wahrgenommen wird. Perspektivisch sieht ZF sogar Einsparungen von bis zu zehn Dezibel als möglich an.

Ein zentraler Unterschied zu den bekannten Gegenschall-Systemen liegt damit nicht nur in der Hardware, sondern auch im Wirkprinzip. Während Lautsprecherlösungen versuchen, den Lärm im Innenraum zu überdecken, greift die ZF-Lösung direkt an der Quelle an. Das Fahrwerk selbst wird zum aktiven Filter für störende Vibrationen. Da keine zusätzlichen Lautsprecher, Mikrofone oder Dämmmaterialien nötig sind, entsteht kein zusätzlicher Platzbedarf. Die Funktion wird allein per Software in das vorhandene Fahrwerks- und Steuerungssystem integriert.

Günstige Lösung

Genau darin sieht ZF einen entscheidenden Hebel für eine breite Anwendung. Die Active Noise Reduction lässt sich softwareseitig auf unterschiedliche Fahrzeugtypen und Kundenanforderungen anpassen. Besonders für das C-Segment, also preisgünstigere Fahrzeuge der Kompaktklasse, eröffnet das neue Möglichkeiten. Hochwertige Akustiklösungen waren dort bislang selten, weil klassische Gegenschall-Systeme komplex und teuer sind. Mit dem softwarebasierten Ansatz kann die Technik auch in Fahrzeugen eingesetzt werden, die bislang ohne aktive Geräuschunterdrückung auskommen mussten.

ZF bringt dabei eine starke Ausgangsposition mit. Rund 40 Prozent aller weltweit verbauten semiaktiven Dämpfer stammen bereits heute von dem Konzern, womit er in diesem Segment als Weltmarktführer gilt. Diese Verbreitung ist wichtig, weil die neue Funktion auf genau diesen Dämpfern aufsetzt. Je mehr Fahrzeuge mit CDC-Technik unterwegs sind, desto größer ist auch das Potenzial, die neue Softwarefunktion in Serie zu bringen. Der geplante Serienstart ist für das Jahr 2028 vorgesehen.

Langfristig soll das Prinzip nicht auf Reifengeräusche beschränkt bleiben. ZF sieht vor, den softwarebasierten Ansatz auch auf andere Komponenten im Fahrzeug auszuweiten, etwa zur Minderung von Bremsenquietschen oder in vollaktiven Fahrwerken.

Fazit