BMW 316i Compact Dani Heyne
BMW 316i Compact
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BMW 316i Compact 13 Bilder

BMW 316i Compact im Gebrauchtwagen-Check

BMW 316i Compact im Gebrauchtwagen-Check Günstig, aber auch zuverlässig mit den Jahren?

Kompakte Bauform mit zwei Türen und Heckantrieb darunter – das gab es bei BMW schon weit vor dem 1er, nämlich beim 3er Compact. Wir haben ein Exemplar der zweiten Generation im Visier – und besuchen damit unseren Gebrauchtwagen-Checker Meister Wünsch.

Es kommt im Leben eines Autofahrers der Moment, wo man einem 3er-BMW länger hinterherschaut. Sich in sein Cockpit sehnt und von der Freude am Fahren träumt", schwärmt uns Meister Wünsch vor. Er steht vor dem heutigen Prüfkandidaten – einem silbergrauen 3er Compact aus dem Herbst 2004 mit 167.000 Kilometern auf der Uhr.

"Einer der Letzten seiner Art", weiß unser Gebrauchtwagen-Checker. Und auch, dass BMW bis dahin fast alle Kinderkrankheiten der 3er- Baureihe aus den 1990er-Jahren abgestellt hatte. Erinnern wir uns kurz: Auf den charakterstarken, schnörkellosen und sehr erfolgreichen E30 folgte 1990 der E36. Etwas glatter und größer im Auftritt, trug er als erster moderner BMW keine klassischen Doppelscheinwerfer mehr, sondern versteckte sie hinter einer Plexiglasscheibe – wie es später dann auch 5er (E39) und 7er (E38) taten.

Die Fans fanden das anfangs gar nicht so toll. Zudem mussten sie im E36 in einem Cockpit Platz nehmen, das kleinere Instrumente und – oh weh – Druckknöpfe zierten. Nein, das war nicht mehr ihr 3er, hörte man einige am Stammtisch grummeln. Doch das waren meist jene, die den Neuen noch nicht bewegt hatten. Denn: Der E36 verzückte auch seine Kritiker mit agilem Handling, gutem Komfort, ausreichend Platz – und allerfeinsten Motoren. "Und dann kam dieser Streich", klinkt sich Meister Wünsch ein. BMW brachte 1994 den 3er Compact, eine deutlich gekürzte Variante mit Stummelheck. "Er sollte für BMW die Clique um VW Golf und Opel Astra ins Visier nehmen."

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Was sagt das Öl? Kein Schaum, kein derber Geruch – und der Füllstand passt auch. „So muss das sein“, sagt unser Checker.

Die Zeit ließ die stolzen Preise schrumpfen

"Ein Schnäppchen war der kurze 3er damals jedoch nicht", erinnert sich Meister Wünsch. "Ich hab mal nachgerechnet: Rund 18.000 Euro rief BMW einst für den Compact auf. Mit einem Vierzylinder-Benziner hinter der Niere, der nur bei hohen Drehzahlen Fahrspaß brachte."Stimmt: An den ersten Compact-Modellen stand 1994 stets 316i, das bedeutete damals 109 PS.

Hier geht es mit dem Nachfolger weiter, dem E46 Compact, der zwischen 2001 und 2004 bei den Händlern stand. Meister Wünsch nimmt unseren späten 2004er unter die Lupe. "Wer diese Variante sucht, ist mit den letzten beiden Baujahren am besten bedient. Da hatte BMW die Qualität endlich im Griff, vor allem das Thema Rostschutz. Wie viele E36 hatten wir in der Werkstatt, deren Kotflügel, Schweller und Radläufe durchgerostet waren – eine Schande!", urteilt Meister Wünsch, zieht einen kleinen Magneten aus der Tasche und hält ihn prüfend an die genannten Bauteile. "Damit entdeckt man schnell, wo unter glänzendem Lack gespachtelt wurde."

Bei Bremsen und Fahrwerk genau hinsehen

Der Magnet hält überall, also gab’s an unserem Exemplar keine Spachtelorgien. Abgesehen von ein paar Dellen kann unser Checker nichts an der Karosserie des Compact finden. Er steuert den Zweitürer direkt auf die Hebebühne und checkt zuerst die Bremsen. Unterdimensioniert sind sie zwar nicht, "... aber es gab immer wieder Fahrer, die beim Antippen des Bremspedals starke Vibrationen in der Lenkung feststellen mussten", erinnert sich Meister Wünsch. "Das Problem waren meist stark eingelaufene Bremsscheiben – oder mäßige Toleranzen bei der Fertigung. Die sehr direkt ausgelegte Lenkung verstärkt das Problem", fügt er hinzu.

Zweiter Check unter dem Auto: die Achsen. "Die Traggelenke der vorderen Querlenker verschleißen gerne mal, was sich mit Poltergeräuschen bei leichten Unebenheiten bemerkbar macht. Das kann aber auch von den vorderen Federbein-Lagern kommen, wenn sich die Buchse der Stoßdämpfer-Befestigung aus ihrem Gummi gelöst hat", berichtet der Meister. Und schaut als Nächstes, ob eine der Federn gebrochen ist: "Das kommt ebenfalls gelegentlich vor und hat bei diesen Fahrzeugen meist mit dem Alter zu tun. Wenn wir dann bei der Hinterachse angekommen sind, werfen wir gleich noch einen längeren Blick auf die Gummimetall-Lager der Achslenker. Die sollten keine Risse haben, sonst gibt’s keine Plakette von den HU-Prüfern."

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Korrosion? Minimal an den Achsenträgern. Das sieht bei früheren Modellen ganz anders aus. Ab Baujahr 2003 stimmt die Rostvorsorge.

In diversen Foren berichten E46-Besitzer von Elektronikpannen an Audio- und Telefonanlagen sowie Navigationssystemen. "Stimmt", bestätigt Meister Wünsch und fügt hinzu: "Dabei handelt es sich aber oft auch um Basteleien mit Zubehör-Teilen. Mit BMW hat das dann nichts mehr zu tun." Klar, die 3er-Reihe von BMW ist schließlich eine beliebte Tuning-Plattform – das weiß jeder, der sich auf die Suche nach solch einem Modell begibt.

Bleibt noch die Probefahrt. Meister Wünsch fasst zusammen: "Mit 115 PS ist der Compact keine Rakete, aber auch nicht untermotorisiert. Klar, mit dem Reihensechszylinder wäre er eine absolute Spaßmaschine. Qualitativ ist dieser Wagen in gutem Zustand und wird noch lange Freude machen. Wer ein solches Exemplar für rund 1.000 Euro findet, sollte zuschlagen."

Fazit

Ein gebrauchter BMW 3er Compact ist Ihr Typ, wenn Sie Freude am Fahren haben. Genauer: an einem bezahlbaren Youngtimer aus dem Hause BMW. Dass die Suche nach einem unverbastelten Exemplar etwas Zeit in Anspruch nehmen kann, schreckt Sie nicht. Weil Sie wissen, dass da draußen immer noch ein paar gute Modelle zum kleinen Kurs abgeholt werden wollen. Zur Belohnung gibt es reichlich Fahrspaß, ein mitteilungsfreudiges Heck und ein Cockpit, das wie ein Handschuh passt. Warum die zweite Compact-Baureihe? Sie ist schlicht langlebiger.

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