Lange Zeit hatten deutsche Premium-Hersteller zumindest im chinesischen Luxussegment noch Oberwasser. Doch selbst dieser Platz an der Sonne ist inzwischen Geschichte. Besonders bitter: Audi, BMW, Mercedes und Porsche müssen sich keinem etablierten Traditionsunternehmen geschlagen geben, sondern einem Newcomer, der als strategisch gegründete Marke chinesischer Großkonzerne erst seit einem Jahr auf dem Markt ist. Mit dem Maextro S800 hat sich 2026 erstmals ein chinesisches Modell dauerhaft an die Spitze bei den Luxuslimousinen gesetzt.
Nach Daten von CarNewsChina kam das gemeinsam von Huawei und JAC entwickelte Oberklassemodell im April 2026 auf 1.142 Neuzulassungen. Dahinter folgten die Mercedes-Maybach S-Klasse mit 736 Einheiten, der Porsche Panamera mit 616 Fahrzeugen sowie die Mercedes-Benz S-Klasse mit 521 Verkäufen. BMWs 7er-Reihe einschließlich i7 fiel mit 436 Fahrzeugen auf Rang fünf zurück, der Audi A8 kam auf 260 Einheiten.
"Made in Germany" verblasst
Auch über die ersten vier Monate des Jahres blieb der Abstand deutlich (siehe Tabelle unten). Gleichzeitig schwächeln die deutschen Premium-Hersteller insgesamt auf dem chinesischen Markt. BMW meldete im ersten Quartal 2026 einen Rückgang der China-Auslieferungen um zehn Prozent auf 143.958 Fahrzeuge, Mercedes-Benz verlor 27 Prozent und kam noch auf 111.600 Einheiten. Auch Audi verzeichnete sinkende Verkäufe. Wie das "Handelsblatt" meldet, sind die Neuzulassungen klassischer Oberklassemodelle innerhalb von drei Jahren halbiert worden.
Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume sprach laut "Handelsblatt" davon, dass der Premium- und Luxusmarkt in China "binnen kurzer Zeit um rund 80 Prozent eingebrochen" sei. Hinzu kommt seit 2025 eine Luxussteuer von zehn Prozent auf Fahrzeuge oberhalb von umgerechnet rund 108.000 Euro. Gleichzeitig drängen neue chinesische Marken mit technisch aufwendig ausgestatteten Modellen und niedrigeren Preisen auf den Markt.
Das ist der Sieger
Der Maextro S800 steht exemplarisch für diese Entwicklung. Die Limousine entstand im Rahmen der Harmony Intelligent Mobility Alliance von Huawei und JAC Motors. Der S800 ist das erste Serienmodell der Marke Maextro und wird seit 2025 in China verkauft. Angeboten wird er sowohl als reines Elektroauto als auch als Range-Extender-Modell. Die Preise reichen in China je nach Version von 708.000 bis 1.018.000 Yuan. Das entspricht umgerechnet etwa 88.000 bis 127.000 Euro.
Mit 5,48 Metern Länge, zwei Metern Breite und 3,37 Metern Radstand positioniert sich die Limousine klar im Chauffeursegment. Das Fahrzeug tritt mit langem Fastback-Heck, kurzen Überhängen und Zweifarblackierungen auf. Auffällig sind die stark inszenierten Lichtsignaturen. Die Frontscheinwerfer arbeiten mit mehr als 1.200 LEDs, hinzu kommen beleuchtete Türgriffe mit Glasfasertechnik und ein mehrlagiges Heckleuchtenband. Im Innenraum setzt Maextro auf ein stark digitalisiertes Cockpit mit mehreren Bildschirmen, Head-up-Display und einer tiefen Integration des Huawei-Betriebssystems HarmonyOS.
Mit Liegesitzen und Kühlfach
Je nach Ausführung bietet der S800 vier oder fünf Sitzplätze. Die Fondpassagiere verfügen über Liegesitze, ausklappbare Tische, Kühlfach sowie ein eigenes Touch-Bedienpanel in der Mittelarmlehne. Zum Audiosystem gehören 43 Lautsprecher mit einer angegebenen Spitzenleistung von 2.920 Watt. Ergänzt wird die Ausstattung durch aktive Geräuschunterdrückung, akustisch laminiertes Glas und umfangreiche Dämmmaterialien.

Da kann man es aushalten: Ultra-Luxus-Fond im Maextro S800.
Auch bei Fahrerassistenz und Sensorik setzt der S800 stark auf Huawei-Technik. Das Fahrzeug nutzt das Assistenzsystem ADS 4.0 und verfügt je nach Version über bis zu 36 Sensoren, darunter mehrere Lidar-Systeme, Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren. Huawei kündigte zudem bereits eine überarbeitete Version mit neuem 896-Linien-Lidar an. Das System soll automatisierte Parkfunktionen, enges Rangieren in Städten und teilautomatisiertes Fahren unterstützen.
Technisch basiert der S800 auf einer 800-Volt-Architektur. Die rein elektrische Variante verwendet einen 97-kWh-Akku von CATL und erreicht nach chinesischem CLTC-Zyklus bis zu 670 Kilometer Reichweite. Die Ladeleistung liegt bei bis zu 5C, wodurch ein Ladehub von zehn auf 80 Prozent in rund zwölf Minuten möglich sein soll. Die Elektromotoren leisten zusammen bis zu 390 kW/530 PS.
Darüber hinaus gibt es Range-Extender-Versionen mit einem 1,5-Liter-Turbobenziner, der ausschließlich als Generator arbeitet und keine mechanische Verbindung zu den Rädern besitzt. Diese Varianten kombinieren einen 65-kWh-Akku mit zwei oder drei Elektromotoren. Die stärkste Ausführung erreicht bis zu 635 kW/864 PS Systemleistung. Die elektrische Reichweite liegt je nach Version zwischen 340 und 400 Kilometern, die kombinierte Gesamtreichweite bei bis zu 1.333 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 390 kW.












