E-Auto Tazzari Zero im Test

E-Auto mit hohem Gefahrenpotenzial

Tazzari Zero Foto: Karl-Heinz Augustin 16 Bilder

Der zweisitzige Tazzari Zero mit Lithium-Ionen-Akku und Heckmotor ist schon jetzt zu kaufen. Italiens Vorgriff auf den Elektro-Smart? Im Test sorgte der Tazzari für unschöne Überraschungen - unter anderem aufgrund seiner miserablen Bremsen.

Dass manch einer mit seinen guten Taten immer so lang warten muss. Da können sich je nach Umfrage schon heute zehn bis 40 Prozent der Autofahrer vorstellen, auf ein Elektroauto umzusteigen, doch die etablierten Konzerne testen in scheinbar endlosen Feldversuchen oder bringen ihre Stromer nur in homöopathischen Dosen in den freien Verkauf. Kleinserienhersteller wie Tazzari sind da schneller.

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Fahrbericht Eco Drive Tazzari Zero: Elektro-Kleinwagen im Test
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Tazzari Zero bietet mehr Platz als ein Smart

Der italienische Autozulieferer und Aluminium-Spezialist bietet mit dem Tazzari Zero schon jetzt eine Alternative zum Elektro-Smart. 18 Zentimeter länger und dafür etwas flacher als der Smart Fortwo ED, bringt der Tazzari Zero im Test zwei Personen ebenfalls recht luftig unter, zwei Kofferräume schlucken zudem noch 180 Liter Gepäck. Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und MP3-Autoradio sorgen trotz einfacher Materialanmutung für bescheidenen Luxus – genug Auto also für die Fahrt ins Büro oder zum nächsten Einkaufszentrum.

Dank Alu-Rahmen und Kunststoffkarosserie kommt der Hecktriebler auf nur 627 Kilogramm Gewicht, weshalb ihm ein vergleichsweise kleiner Lithium-Ionen-Akku mit 12,3 kWh Energieinhalt genügt. Kollege Smart, aber auch viersitzige E-Mobile wie der Mitsubishi i-MiEV setzen in der Regel auf rund 16 kWh große Saftspender. Über eine normale Steckdose dauert ein kompletter Ladevorgang des Tazzari Zero rund acht Stunden, für 3.000 Euro liefert Tazzari jedoch ein Schnellladegerät, das den Akku in weniger als einer Stunde zu 80 Prozent füllt. Mit den üblichen Ladeverlusten von rund 20 Prozent kostet ein Mal Volltanken bei den aktuellen Strompreisen rund drei Euro.

Tazzari Zero kostet knapp 24.000 Euro

Die kleine Batterie sorgt darüber hinaus dafür, dass der Tazzari Zero vergleichsweise günstig angeboten werden kann. Wobei die Betonung auf vergleichsweise liegt. Mit knapp 24.000 Euro kommt er teurer als ein Kompakt-Hybrid-Modell wie der Toyota Auris. Bei anderen Batteriefahrzeugen wie dem Peugeot Ion verschlingen jedoch allein die Leasinggebühren bei fünfjähriger Laufzeit 30.000 Euro – und das Auto ist danach weg.

Das geringe Gewicht und der niedrige Schwerpunkt durch die tief verbaute Batterie führen im Test des Tazzari Zero zu quirligen Fahreigenschaften. Auch dank seiner ultradirekt ansprechenden Lenkung scheint der Tazzari City-Ringe in Kartbahnen verwandeln zu wollen. Da der Elektromotor schon beim Anfahren seine vollen 150 Nm Drehmoment entwickelt, wirkt der Vortrieb wuchtiger, als es die nackten Zahlen vermuten lassen. In der Stadt fühlt sich der 15-kW-Floh jedenfalls nicht untermotorisiert an.

Tazzari Zero ist doppelt so laut wie ein Lamborghini

Außerhalb geschlossener Ortschaften verflüchtigt sich der Spaß im Tazzari Zero im Test mit jedem zusätzlichen km/h, was jedoch nicht daran liegt, dass der Zero nur mit Mühe Tempo 100 schafft. Seine knüppelharte Federung sorgt selbst bei augenscheinlich glattem Asphalt für permanentes Zittern, während bereits mittlere Bodenwellen Mitfahrer so heftig durchschütteln wie eine Rodeo-Maschine auf der Kirmes.

Und heißt es nicht immer, E-Mobile seien leise? Nicht der Tazzari Zero: Schon bei 50 km/h toben 71 Dezibel im Innenraum – das ist der doppelte Schalldruck wie in einem Lamborghini Gallardo bei gleichem Tempo. Bei 80 km/h können sich Fahrer und Beifahrer im Tazzari Zero nur noch schreiend verständigen. Auch ohne Verbrennungsvorgang, der bei konventionellen Autos einen Großteil der Fahrgeräusche ausmacht, surrt, rumpelt und dröhnt es im Tazzari, dass die geringe Akku-Reichweite von 87 Kilometern auf der auto motor und sport-Elektro-Normrunde mehr als Wohltat denn als Problem empfunden wird. Länger möchte man gar nicht im Zero sitzen.

Tazzari Zero mit eklatanten Bremsproblemen

Beim Bremstest mit dem Tazzari Zero rutscht dann selbst dem askesefreudigsten Elektroauto-Aktivisten das Umwelt-Herz in die Hose: Mit 6,9 m/s² liegen seine Verzögerungswerte unter denen eines Sechziger-Jahre-Käfers. Auch die übrige Sicherheitsausstattung orientiert sich im Tazzari Zero an Fahrzeugen der Nachkriegsära: So führt die Optionsliste zwar Entbehrliches wie ein Panorama-Dach oder lackierte Alufelgen; Airbags oder ESP finden sich jedoch ebenso wenig wie ein einfaches ABS.
Die langen Entwicklungszeiten großer Autohersteller rücken damit jedenfalls in ein anderes Licht: Halbgare Bastellösungen wie beim Tazzari haben im Straßenverkehr nichts zu suchen.

Vor- und Nachteile

  • quirlige Fahreigenschaften
  • direkte Lenkung
  • für ein Stadtfahrzeug akzeptables Platzangebot
  • unkomfortable Federung
  • billige Materialanmutung
  • sehr hoher Innengeräuschpegel
  • inakzeptable Sicherheitsausstattung
  • äußerst schwache Bremsen

Fazit

Altgediente auto motor und sport- Kollegen konnten sich nicht erinnern, wann sie zuletzt ein Fahrzeug mit so schwachen Bremsen getestet haben. Selbst bei vollem Pedaldruck gelang es nicht, alle vier Räder zum Blockieren zu bringen. Im Vergleich zum Elektro-Smart braucht der Tazzari über acht Meter mehr, um aus Tempo 80 zum Stehen zu kommen. Der Zero hat noch fast 30 km/h drauf, während der Smart schon steht

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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