Für Fans sportlicher Opel-Kleinwagen ist es eine bittere Pille. Mit dem Ende des Corsa E verschwand der letzte echte OPC aus dem Programm. Dessen 1,6-Liter-Turbomotor mobilisierte 207 PS und machte den Kleinwagen zu einem ernstzunehmenden Hot-Hatch. Heute weht ein anderer Wind in Rüsselsheim. Das Kürzel OPC musste dem neuen Label GSe weichen, das für elektrifizierte Performance steht.
Doch wo ein Hersteller eine Lücke hinterlässt, füllen sie Enthusiasten mit Leben. So etwa die niederländische Tuningschmiede KCPerformance. Sie greifen jedoch nicht zum letzten OPC-Modell, sondern widmen sich dessen Vorgänger, einem Corsa D OPC aus dem Jahr 2009. Das Ergebnis: ein radikaler Motortausch und Leistung, die selbst den stärksten Serien-Corsa OPC in den Schatten stellt.
Neue Maschine mit historischer Verbindung
Im Zentrum des Umbaus steht der Motortausch, der eine alte Verbindung wieder aufleben lässt. Der serienmäßige 1,6-Liter-Turbomotor mit 192 PS musste weichen. An seine Stelle tritt ein in der Tuningszene hochgeschätztes Aggregat: der B235R-Vierzylinder von Saab. Was zunächst wie eine wilde Marken-Ehe anmutet, hat tiefere Wurzeln. Beide Hersteller waren einst Partner im General-Motors-Konzern, was den Griff ins schwedische Teile-Regal zumindest historisch legitimiert. KCPerformance wählt diesen 2,3-Liter-Motor jedoch hauptsächlich, weil er für seine Robustheit und sein Potenzial für massive Leistungssteigerungen bekannt ist.
Um den Motor für die neuen Aufgaben standfest zu machen, verbauen die Spezialisten geschmiedete Kolben und Pleuel. Für den nötigen Ladedruck sorgt ein GT28-Turbolader von Garrett, der dem Vierzylinder ordentlich einheizt. Eine angepasste Einspritzanlage, eine stärkere Benzinpumpe und ein frei programmierbares "Black Master"-Steuergerät orchestrieren das Zusammenspiel der Komponenten. Statt 192 leistet der Corsa nun 360 PS (265 kW). Noch brachialer fällt der Anstieg beim Drehmoment aus. Gewaltige 500 Newtonmeter zerren an der Vorderachse. Fast doppelt so viel wie die 266 Newtonmeter, die das Original kurzzeitig im Overboost mobilisierte. Ein dreieckiger Klappenauspuff sorgt dafür, dass die Leistung auch akustisch unmissverständlich kundgetan wird.
Neue Achsübersetzung und stärkere Bremsen
Um die thermische Belastung im Griff zu behalten, installierte KCPerformance größere Ladeluft- und Ölkühler. Das originale Sechsgang-Schaltgetriebe bleibt erhalten, wird aber mit der langen Achsübersetzung eines Corsa Diesel kombiniert. Dieser Kniff dürfte das enorme Drehmoment besser nutzbar machen und die Drehzahlen bei höheren Geschwindigkeiten senken.
Für den Kontakt zur Straße sorgen Bridgestone Potenza, aufgezogen auf Zehnspeichenräder. An der Vorderachse packt eine Sechskolben-Bremsanlage mit gelben Sätteln kraftvoll zu. Kürzere Federn senken den Schwerpunkt und sollen im Verbund mit einem dezenten Bodykit die Straßenlage verbessern.
Optisch bleibt der OPC zurückhaltend
Trotz der Leistungsexplosion unter der Haube bleibt der Corsa seiner Serienoptik treu. Abgesehen von der leuchtend gelben Lackierung und den Stickern verrät äußerlich nichts die Verdopplung der Leistung gegenüber einem originalen Corsa D OPC. Dieser bewusste Minimalismus unterstreicht den Sleeper-Charakter des Fahrzeugs und setzt sich im Innenraum fort, der unangetastet blieb und Fahrer wie Beifahrer auf den bekannten, beheizten Nappa-Ledersitzen empfängt.
Der Preis hat es in sich
Offizielle Fahrleistungsdaten nennt KCPerformance zwar nicht, doch das gewaltige Drehmoment dürfte mit dem Kleinwagen leichtes Spiel haben und für starke Beschleunigungswerte sorgen. Ganz günstig ist die Verwandlung jedoch nicht. Allein die Schmiedekolben schlagen mit 899 Euro zu Buche, die passenden Pleuel kosten weitere 699 Euro.





