Mit rund 200 Millionen Euro pro Kilometer gehört die neue Küstenstraße "Nouvelle Route du Littoral" auf La Réunion zu den teuersten Straßenprojekten weltweit. Zwischen der Hauptstadt Saint-Denis und dem Hafenort La Possession entsteht eine rund zwölf Kilometer lange Verbindung, die größtenteils auf Pfeilern im Indischen Ozean verläuft. Die vollständige Fertigstellung ist aktuell für 2030 vorgesehen.
Ein erster großer Abschnitt ist bereits in Betrieb. Seit 2022 wurde der zentrale Teil der Strecke schrittweise für den Verkehr freigegeben. Befahrbar ist vor allem der Bereich über den Ozean zwischen Saint-Denis und Grande Chaloupe. Der westliche Abschnitt Richtung La Possession befindet sich dagegen weiterhin im Bau.
Ein Viadukt, der im Ozean schwebt
Das Herzstück des Projekts ist ein 5,4 Kilometer langes Viadukt, gebaut direkt im Meer, mehrere Dutzend Meter über dem Wasser. Die Fahrbahn ist auf sechs Spuren ausgelegt, ergänzt um einen Korridor für öffentlichen Verkehr sowie einen kombinierten Geh- und Radweg. Ein Bauwerk in dieser Dimension unter maritimen Bedingungen zu errichten gilt als technisch außergewöhnlich.
Was die neue Route ersetzt, gilt als eine der problematischsten Straßenverbindungen der Region. Die bisherige Route du Littoral (RN1) verläuft direkt am Fuß einer steilen Felswand. Steinschläge, Starkregen und hohe Wellen führten regelmäßig zu Sperrungen, teils über Wochen hinweg. Die Strecke war entsprechend unzuverlässig und sicherheitskritisch.
Baumeisterleistung auf hoher See
Das Viadukt steht auf insgesamt 48 Pfeilern, die im Meeresboden verankert wurden. Große Teile der Konstruktion entstanden an Land und wurden per Schiff zur Baustelle transportiert. Mehr als 1.300 vorgefertigte Segmente wurden vor Ort montiert und bilden heute einen durchgehenden Abschnitt über dem Meer.
Das Bauwerk ist auf extreme Bedingungen ausgelegt. Bei der Planung wurden tropische Zyklone, hohe Wellen und auch mögliche Schiffskollisionen berücksichtigt. Die vorgesehene Nutzungsdauer liegt bei rund 100 Jahren.
70.000 Fahrzeuge täglich – schrittweise Entlastung
Ein ursprünglich geplanter Abschnitt auf einem aufgeschütteten Damm konnte nicht umgesetzt werden. Der notwendige Gesteinsabbau wurde aus Umweltgründen gestoppt, wodurch sich das Projekt verzögerte. In der Folge wurde die Planung angepasst, der betroffene Abschnitt wird nun ebenfalls als Viadukt realisiert. Diese Änderung gilt als einer der Hauptgründe für die gestiegenen Kosten.
Rund 70.000 Fahrzeuge nutzen die Verbindung täglich. Mit der bereits freigegebenen Teilstrecke hat sich die Situation auf dem östlichen Abschnitt spürbar stabilisiert. Sperrungen durch Steinschlag oder Wetter betreffen vor allem noch die alte Trasse im westlichen Bereich.
Erst mit der vollständigen Fertigstellung der neuen Küstenstraße soll die Verbindung zwischen Saint-Denis und La Possession durchgehend unabhängig von äußeren Einflüssen befahrbar sein.





