718 Cayman und Boxster: Macht Porsche Schluss mit den E-Sportwagen?

718 Cayman und Boxster
Macht Porsche Schluss mit den E-Sportwagen?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.02.2026
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Als Gründe nennt der Bericht gestiegene Entwicklungs- und Produktionskosten sowie Verzögerungen in der Umsetzung. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, die Neubewertung laufe jedoch auf Vorstandsebene.

Der mögliche Kurswechsel fällt in eine Phase wirtschaftlicher Zurückhaltung. Porsche steht unter Druck, Investitionen zu priorisieren und gleichzeitig die Profitabilität zu stabilisieren. Vor diesem Hintergrund geraten Projekte mit hohem technischem Risiko und unklarem Markterfolg besonders in den Fokus interner Prüfungen.

Verzögerungen beim Elektro-Nachfolger

Ursprünglich sollten Boxster und Cayman ab Mitte des Jahrzehnts ausschließlich als Elektro-Sportwagen neu aufgelegt werden. Diese Planung hat sich mehrfach verschoben. Nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens liegt das Projekt deutlich hinter dem Zeitplan, vor allem wegen der anspruchsvollen Batterieentwicklung und der notwendigen Anpassungen an die Fahrzeugarchitektur.

Während größere Modelle wie der Macan Electric auf eine klassische Skateboard-Architektur setzen, erfordert ein kompakter Mittelmotor-Sportwagen andere Lösungen. Genau diese Abweichung vom Standard gilt als einer der zentralen Gründe für die Verzögerungen und die steigenden Kosten.

Technik der elektrischen 718-Modelle

Technisch sollten die elektrischen 718-Modelle auf einer stark verkürzten und modifizierten Version der PPE-Plattform basieren, die Porsche gemeinsam mit Audi entwickelt hat. Im Unterschied zu SUV-Derivaten war vorgesehen, die Hochvoltbatterie nicht vollständig im Unterboden zu platzieren, sondern hinter den Sitzen vor der Hinterachse. Diese Anordnung sollte Schwerpunkt, Sitzposition und Fahrdynamik verbessern.

Geplant waren Heckantriebsversionen mit einem Elektromotor sowie leistungsstärkere Allradvarianten mit zusätzlichem Frontmotor. Das Zielgewicht lag nach internen Zielwerten bei rund 1.600 Kilogramm. Als Reichweite galten etwa 400 Kilometer, kombiniert mit 800-Volt-Technik für hohe Ladeleistungen. Der hohe Leichtbau- und Entwicklungsaufwand, insbesondere bei Batteriegehäuse und Kühlung, machte das Projekt jedoch komplex und teuer.

Wirtschaftlicher Druck und Angebotslücken

Parallel zu den technischen Problemen verschärft sich die wirtschaftliche Ausgangslage. Porsche verzeichnete im Jahr 2025 einen deutlichen Absatzrückgang. Das Unternehmen selbst führte dies unter anderem auf sogenannte Angebotslücken zurück, die durch den Produktionsauslauf der bisherigen 718-Modelle entstanden sind.

Boxster und Cayman galten über Jahre als vergleichsweise erschwinglicher Einstieg in die Marke. Trotz ihres angekündigten Endes legten die Verkäufe im letzten vollständigen Produktionsjahr noch einmal zu. Der fehlende direkte Nachfolger wirkt sich damit spürbar auf das Gesamtvolumen aus.

Rolle des neuen Managements

Nach Bloomberg-Informationen fällt die Neubewertung der 718-Baureihe in die Verantwortung des neuen Vorstandsvorsitzenden Michael Leiters. Er steht vor der Aufgabe, Investitionen, Modellstrategie und Kostenstruktur neu auszubalancieren, während gleichzeitig mehrere große Elektroprojekte parallel laufen.

Intern wird dem Bericht zufolge geprüft, ob die weitere Verzögerung der Elektro-718 wirtschaftlich vertretbar ist oder ob ein Abbruch beziehungsweise eine grundlegende Anpassung des Projekts sinnvoller wäre. Offiziell äußert sich Porsche dazu nicht.

Verbrenner-Optionen wieder im Blick

Unabhängig vom Schicksal der reinen Elektro-718 hat Porsche bereits einen breiteren Antriebsansatz bestätigt. Der Hersteller setzt künftig auf einen Mix aus Verbrennern, Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen. Diese Strategie schließt auch in Teilen die 718-Baureihe ein.

In Investorenunterlagen hatte Porsche bereits signalisiert, dass für kommende 718-Generationen wieder Verbrenner-Optionen vorgesehen sein könnten. Nach bisher bekannten Angaben sollen sich diese auf leistungsstarke Top-Derivate konzentrieren. Damit rückt erstmals wieder ein Szenario in den Fokus, in dem Boxster und Cayman nicht ausschließlich elektrisch positioniert werden.

Und was ist mit Audi?

Ergänzend lohnt der Blick zu Audi. Mit dem Concept C hat der Hersteller bereits eine fahrbereite, straßenzugelassene Studie gezeigt, die sehr konkret auf einen elektrischen Sportwagen für die zweite Hälfte des Jahrzehnts zielt. Das Konzept setzt wie die geplanten Elektro-718 auf eine kompakte Architektur mit zentral angeordneter Batterie hinter dem Fahrer, Heckantrieb als Basis und klarem Leichtbau-Fokus. Weil Audi und Porsche bei Plattform, Batterie-Layout und Grundarchitektur eng zusammenarbeiten, gilt auch dieses Projekt unter Branchenbeobachtern als mitbetroffen von den aktuellen Neubewertungen. Sollte Porsche die Elektro-718 weiter verschieben oder grundsätzlich neu ausrichten, könnte dies unter Umständen auch Auswirkungen auf den Zeitplan und die finale Ausprägung des Audi-Sportwagens haben.

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