Hohe Mobilität auf der Straße, gute Geländeeigenschaften, unterschiedlichste Aufgaben-Szenarien und modulare Systeme – das zeichnen Boxer, Patria AMV XP, Piranha V und VBCI Mk II aus.
Boxer setzt auf ein einzigartiges Modulkonzept
Der Boxer wurde von Deutschland und den Niederlanden entwickelt und zählt heute zu den erfolgreichsten Radpanzerplattformen weltweit. Sein wesentliches Merkmal ist das Modulkonzept. Fahrgestell und Missionsmodul sind voneinander getrennt, sodass auf derselben technischen Basis zahlreiche Fahrzeugvarianten entstehen können. Das vereinfacht Wartung, Ausbildung und Logistik.
Die Plattform wird unter anderem als Mannschaftstransporter, Führungs- und Sanitätsfahrzeug, Pionierfahrzeug sowie mit unterschiedlichen Waffensystemen angeboten. Dazu gehören der Flugabwehrpanzer Skyranger 30, die Radhaubitze RCH 155 und Schützenpanzerkonfigurationen mit 30-mm-Kanone.
Bundeswehr nutzt eine Sonderlösung
Die Bundeswehr beschafft den Boxer derzeit nicht als klassischen Radschützenpanzer, sondern als Schweren Waffenträger Infanterie auf Basis des australischen Boxer CRV Recon II. Das Fahrzeug dient der Feuerunterstützung der Mittleren Kräfte und ersetzt den Waffenträger Wiesel.

So modular ist der Boxer.
International wird der Boxer dagegen häufig auch als Radschützenpanzer angeboten. Diese Flexibilität gehört zu den größten Stärken der Plattform und hat wesentlich zu ihrem internationalen Erfolg beigetragen.
Patria AMV XP setzt auf hohe Nutzlast und Flexibilität
Der finnische Patria AMV XP ist die Weiterentwicklung der seit vielen Jahren genutzten AMV-Plattform. Im Mittelpunkt stehen eine hohe Nutzlast, ein leistungsfähiges Fahrwerk und die Möglichkeit, unterschiedlichste Türme und Waffensysteme zu integrieren. Dadurch lässt sich das Fahrzeug an die Anforderungen verschiedener Streitkräfte anpassen.
Neben Mannschaftstransportern gehören Schützenpanzer, Führungs- und Sanitätsfahrzeuge, Bergefahrzeuge sowie Mörserträger mit dem 120-mm-System Patria Nemo zur Fahrzeugfamilie. Patria bietet zudem häufig eine Fertigung im jeweiligen Nutzerland an, was bei internationalen Beschaffungen als wichtiger Vorteil gilt.
Piranha V setzt auf bewährte Technik
Der Piranha V stammt vom Schweizer Hersteller General Dynamics European Land Systems-Mowag und ist die jüngste Generation einer Fahrzeugfamilie, deren Wurzeln bis in die 1970er-Jahre zurückreichen. Die Plattform wurde konsequent weiterentwickelt und gehört heute zu den modernsten westlichen Radpanzern.
Wie seine Wettbewerber ist der Piranha V modular aufgebaut und kann als Mannschaftstransporter, Schützenpanzer, Führungs-, Sanitäts-, Pionier- oder Mörserfahrzeug ausgerüstet werden. Welche Bewaffnung zum Einsatz kommt, entscheidet der jeweilige Nutzer. Dadurch unterscheiden sich die Fahrzeuge teilweise deutlich voneinander.
VBCI Mk II konzentriert sich auf die Rolle des Radschützenpanzers
Der VBCI wurde von Frankreich als moderner Radschützenpanzer entwickelt und unterscheidet sich damit von den übrigen Plattformen. Während Boxer, Patria und Piranha von Beginn an als vielseitige Fahrzeugfamilien ausgelegt wurden, stand beim VBCI vor allem der Einsatz als Gefechtsfahrzeug der Infanterie im Mittelpunkt.
Mit dem VBCI Mk II entwickelte KNDS France die Plattform weiter. Sie bietet mehr Reserven für zusätzlichen Schutz, moderne Sensoren und stärkere Bewaffnung. In der aktuellen Konfiguration kommt unter anderem der ferngesteuerte RCT40-Turm mit einer 40-mm-CTAS-Kanone zum Einsatz. Optional kann der Panzerabwehrlenkflugkörper Akeron MP integriert werden.
Welche Plattform eignet sich für welche Aufgabe?
Alle vier Fahrzeuge erfüllen ähnliche Grundaufgaben, setzen dabei aber unterschiedliche Schwerpunkte. Der Boxer bietet das umfangreichste Modulkonzept und die größte Variantenvielfalt. Der Patria AMV XP punktet mit hoher Nutzlast und einer flexiblen Anpassung an Kundenwünsche. Der Piranha V baut auf einer über Jahrzehnte weiterentwickelten Plattform auf und ist in zahlreichen Ausführungen verfügbar. Der VBCI Mk II richtet sich dagegen stärker an Streitkräfte, die einen klassischen Radschützenpanzer mit hoher Feuerkraft suchen.
Damit zeigt sich, dass es den einen, besten 8×8-Radpanzer nicht gibt. Welche Plattform die geeignete ist, hängt vor allem vom geplanten Einsatz und den Anforderungen der jeweiligen Streitkräfte ab.





