Angeblicher Bremsdefekt im I-Pace: Eine Lüge kostete Jaguar Millionen

Angeblicher Bremsdefekt im I-Pace
Eine Lüge kostete Jaguar Millionen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.08.2026
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Jaguar I-Pace Betrug Bremsversagen
Foto: Merseyside Police

Mehr als zwei Jahre nach der aufsehenerregenden Fahrt über mehrere Autobahnen ist der Fall nun juristisch abgeschlossen. Das Liverpool Crown Court verurteilte den 33-Jährigen zu vier Jahren und drei Monaten Haft.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 6.3.2024. Nathan Owen war zunächst auf der Autobahn M58 unterwegs, wendete am Orrell Interchange und setzte kurz darauf einen Notruf ab. Er behauptete, sein Jaguar I-Pace beschleunige unkontrolliert und lasse sich nicht mehr abbremsen. Die Polizei behandelte den Anruf als technischen Notfall und leitete einen Großeinsatz ein. Mehrere Streifenwagen begleiteten den Jaguar über die M58, die M57 und schließlich die M62, um andere Verkehrsteilnehmer zu schützen und das Fahrzeug kontrolliert zum Stillstand zu bringen.

Während der rund 35 Minuten dauernden Fahrt erreichte der Jaguar nach Angaben der Staatsanwaltschaft Geschwindigkeiten von bis zu 138 km/h und legte rund 61 Kilometer zurück. Dabei kollidierte Owen 31-mal mit einem Polizeifahrzeug, das vor ihm fuhr. Der Einsatz endete erst auf der M62 bei Birchwood, wo der Jaguar dann mit leerer Batterie zum Stehen kam.

Video zeigt den Vorfall

Schon kurz nach dem Vorfall begannen Merseyside Police und Jaguar Land Rover mit der technischen Untersuchung. Die Auswertung der Fahrzeugdaten ergab, dass der Jaguar keinen Defekt aufwies. Vielmehr reagierte das Fahrzeug während der gesamten Fahrt ordnungsgemäß.

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Besonders belastend war die Auswertung der Bremsdaten. Obwohl Owen der Notrufzentrale mehrfach schilderte, er trete auf das Bremspedal, registrierte das Fahrzeug keinen entsprechenden Bremsvorgang. Außerdem zeigten die Daten, dass der Jaguar unmittelbar vor dem Notruf auf einem Kreisverkehr stillgestanden hatte. Die Polizei kam deshalb früh zu dem Verdacht, dass die Geschichte erfunden war.

Ermittler fanden das mutmaßliche Motiv

Im weiteren Verlauf nahmen die Ermittler Owens finanzielle Situation unter die Lupe. Der 33-Jährige hatte den Jaguar erst wenige Monate zuvor finanziert und war mit den Raten in Verzug. Wenige Minuten vor seinem Notruf hatte er zudem erfolglos versucht, einen weiteren Kredit zu erhalten. Auf seinem Mobiltelefon fanden die Ermittler außerdem Nachrichten, in denen Owen darüber sprach, wie er das Fahrzeug loswerden könne. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollte die inszenierte Panne dazu dienen, aus den finanziellen Verpflichtungen herauszukommen.

Vor Gericht wurde nach Darstellung der BBC bekannt, dass Owen den Jaguar I-Pace im September 2023 finanziert gekauft hat. Bis zum März 2024 war er bereits in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft standen noch rund 5.000 Pfund (5.837 Euro) aus. Nur fünf Minuten vor dem Notruf hatte er bei der Kreditfirma Plata angefragt, ob er zusätzlich zu einem bereits bestehenden Darlehen über 3.000 Pfund (3.502 Euro) weiteres Geld erhalten könne. Das Unternehmen lehnte den Antrag ab. Kurz darauf meldete Owen den angeblichen Defekt seines Elektroautos.

Jaguar I-Pace Betrug Bremsversagen
Merseyside Police

Geschichte verursachte Millionenkosten bei Jaguar

Der Fall erregte weit über Großbritannien hinaus Aufmerksamkeit. Bereits einen Tag nach der Fahrt verkaufte Owen seine Geschichte an die Boulevardzeitungen The Sun und Daily Mail. Dafür erhielt er nach Angaben aus dem Gerichtsverfahren insgesamt 800 Pfund (934 Euro).

Die Berichterstattung blieb laut "Sun" für Jaguar Land Rover nicht ohne Folgen. Ein Unternehmensvertreter erklärte vor Gericht, der Hersteller habe rund 50 Millionen Pfund (umgerechnet 58,37 Millionen Euro) zusätzlich für Marketingmaßnahmen ausgegeben, um den Imageschaden durch die falschen Behauptungen zu begrenzen. Nach Angaben des Unternehmens erschienen weltweit rund 180 Medienberichte über den angeblichen Defekt des Jaguar I-Pace.

Gericht verhängt Haftstrafe

Nathan Owen bekannte sich im Juni 2026 wegen gefährlichen Fahrens sowie in zwei Fällen des Betrugs schuldig. Am 3.8.2026 verurteilte ihn das Liverpool Crown Court zu vier Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe. Zusätzlich erhielt er ein Fahrverbot von fünf Jahren. Erst nach einer erweiterten Fahrprüfung darf er wieder ein Kraftfahrzeug führen.

Jaguar I-PaceDer Jaguar I-Pace war das erste vollelektrische Serienmodell der britischen Marke Jaguar. Er wurde von 2018 bis Ende 2024 gebaut und erhielt während seiner Produktionszeit mehrere technische Überarbeitungen, unter anderem bei Batterie und Ladeleistung. Zum Marktstart leistete der I-Pace 400 PS (294 kW) und entwickelte ein maximales Drehmoment von 696 Nm. Zwei Elektromotoren, je einer an Vorder- und Hinterachse, sorgten für permanenten Allradantrieb und beschleunigten den SUV in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Zum Marktstart in Großbritannien kostete das Modell ab 63.495 Pfund (damals rund 74.000 Euro).

Richter Ian Unsworth machte in seiner Urteilsbegründung nach Angaben der "Sun" deutlich, welche Folgen Owens Handeln hatte. Er erklärte, der Angeklagte habe einen umfangreichen Polizeieinsatz ausgelöst, die Öffentlichkeit erheblich beunruhigt sowie große Schäden und Störungen verursacht. Die eingesetzten Polizeibeamten hätten sich selbst in Gefahr gebracht, weil sie von einem echten Notfall ausgegangen seien. Owen dagegen habe versucht, aus einer Lüge finanziellen Nutzen zu ziehen.

Fazit