Arizona plant Anti-Tempolimit-Gesetz: Wackelt Deutschlands Monopol?

US-Bundesstaat könnte Tempolimit abschaffen
Wackelt Deutschlands Kein-Tempolimit-Monopol?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.01.2026
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Die Einwohnerinnen und Einwohner der USA bezeichnen ihre Nation gern als "The Land of the Free". Doch auf den dortigen Straßen sind der Freiheit enge Grenzen gesetzt. In den Vereinigten Staaten gelten selbst auf den am besten ausgebauten Highways und Interstate-Autobahnen strenge Tempolimits. Doch nun wagt ein US-Bundesstaat einen Vorstoß, generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen aufzuheben.

Nick Kupper initiiert "RAPID Act"

Die Rede ist von Arizona, wo gerade eine Gesetzesinitiative mit dem Titel "Reasonable and Prudent Interstate Driving und der passenden Abkürzung "RAPID Act” (HB 2059) startet. Initiator ist der konservative republikanische Politiker Nick Kupper, ein Veteran der US-Luftwaffe, der Mitglied des "Arizona House of Representatives" ist. Er argumentiert, dass sich die Tempolimits oft an dem am wenigsten fähigen Fahrerinnen und Fahrern orientieren und nicht auf die sichersten Straßen oder die aufmerksamsten Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer ausgerichtet seien.

Kupper plädiert dafür, diese Logik umzukehren, und stellt infrage, ob generelle Tempolimits auf weitläufigen Abschnitten einer Wüstenautobahn mit guter Sicht und minimalem Verkehr sinnvoll seien. Auf diesen könnte das Verkehrsministerium von Arizona auf Basis des RAPID Acts sogenannte "derestricted speed zones” (Zonen mit unbeschränkter Geschwindigkeit) einrichten, auf denen die Autofahrerinnen und Autofahrer ihre Geschwindigkeit frei wählen könnten.

Nick Kupper verankert in seinem Gesetzesentwurf allerdings strenge Maßgaben, wo und wann diese Zonen überhaupt eingerichtet werden dürften. So wären Stadtgebiete, in denen mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben, generell tabu. Zudem wären die "derestricted speed zones” nur tagsüber freigegeben. Sobald die Sonne untergeht, soll eine feste Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 mph (knapp 129 km/h) gelten. Dieses für US-Verhältnisse sehr hoch angesetzte Tempolimit würde ebenso für Nutzfahrzeuge einschließlich Sattelzugmaschinen gelten, und zwar unabhängig von Ort und Tageszeit.

Deutschland, Isle of Man, Arizona

Sollte der RAPID Act erfolgreich den Gesetzgebungsprozess in Arizona absolvieren, wäre der im Südwesten der USA gelegene Bundesstaat eine von ganz wenigen Regionen auf der Welt, in denen – zumindest abschnittsweise – kein generelles Tempolimit gelten würde. In diese Kategorie fallen lediglich die Kanalinsel Isle of Man, gerüchteweise Nordkorea (wobei hier faktisch nicht herauszufinden ist, ob nicht doch ein Tempolimit existiert) und, na klar, Deutschland.

Allerdings ist die Logik hierzulande die genau umgekehrte im Vergleich zu Arizona: Auf unseren Autobahnen gibt es kein generelles Tempolimit. Es sei denn, die Gegebenheiten lassen eine unbegrenzte Geschwindigkeit nicht zu oder es wird situativ auf die äußeren Bedingungen reagiert, beispielsweise bei schlechtem Wetter oder einer Baustelle.

Kein-Tempolimit-Experiment in Montana

Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass in Arizona schon bald flächendeckend die Tempolimits fallen. Das dortige Verkehrsministerium soll zuvor die infrage kommenden Strecken evaluieren. Dafür müssen detaillierte Studien angefertigt werden, die nicht nur die baulichen und äußeren Gegebenheiten bewerten, sondern auch die Unfallraten einbeziehen. Diese müssen nämlich unter dem landesweiten Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen. Der Gesetzentwurf nennt jedoch die Interstate 8, die in Ost-West-Richtung sowohl Arizona als auch Kalifornien durchquert, als prädestiniert, um das Kein-Tempolimit-Gesetz für vorerst ein Jahr zu testen.

Arizonas Vorstoß ist übrigens nicht der erste, der in den USA auf die Abschaffung eines generellen Tempolimits abzielt. In Montana, gelegen im Nordwesten der Vereinigten Staaten, gab es bereits Ende der 1990er-Jahre Experimente, in deren Rahmen tagsüber die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Fernstraßen ausgesetzt wurden. Die Ergebnisse sollen damals durchaus positiv gewesen sein: Während das Durchschnittstempo stieg, gingen die Unfall- und Todesraten sogar zurück. Dennoch konnten sich die Politiker in Montana damals nicht zu einer Abschaffung des generellen Tempolimits durchringen und führten stattdessen "angemessene Geschwindigkeitsbegrenzungen" ein.

Hinweis: In der Fotoshow über dem Artikel geben wir einen Überblick, welche Tempolimits in den europäischen Ländern gelten.

Fazit