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Urteil im Berliner Raser-Prozess

BGH hebt Mordurteil auf

VW E-Golf Polizei Foto: VW

Erstmals in Deutschland sind Teilnehmer an einem illegalen Autorennen mit tödlichem Ausgang wegen Mordes verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Donnerstag (1.3.2018) das Urteil des Landesgerichts aufgehoben und wies die Sache zur Neuverhandlung an eine andere Kammer zurück.

01.03.2018 Holger Wittich

Das Berliner Landgericht verhängte am 27.2.2017 gegen die beiden Angeklagten Hamid H. (28) und Marvin N. (25) lebenslängliche Freiheitsstrafen wegen Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie einen lebenslangen Führerscheinentzug. Damit folgte der Vorsitzende Richter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Das Urteil war vor einem Jahr nicht rechtskräftig, da beide Verteidiger Rechtsmittel einlegten.

Todes-Fahrer keiner eigenen Schuld bewusst

Sie plädierten für Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für einen Fahrer und Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässige Körperverletzung und ebenfalls Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen Angeklagten. Sie argumentierten, die Teilnahme an einem illegalen Autorennen sei nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen. Die beiden Männer seien davon ausgegangen, sie haben alles unter Kontrolle. Eine Psychologin hatte vor Gericht einen Unfallverursacher als „massiv selbstüberschätzend“ beschrieben. Im Rennen ging es ums Gewinnen und um das Ego aufzuwerten, er sei sich keiner eigenen Schuld bewusst, so die Deutsche Presseagentur.

Unfall-Auto wurde 72 Meter weit geschleudert

In der Nacht zum 1. Februar 2016 hatten sich die beiden Angeklagten Hamid H. und Marvin N. mit ihren Autos (Audi A6 TDI und Mercedes-AMG CLA 45) ein illegales Rennen auf dem Berliner Kürfürstendamm geliefert. Dabei überfuhren sie mit Geschwindigkeiten jenseits der 150 km/h elf Ampelanlagen, die meisten davon zeigten rot. In der Höhe der Gedächtniskirche kollidierte der Audi mit einem Jeep, der aus einer Seitenstraße bei grüner Ampel fuhr. Das Fahrzeug wurde 72 Meter weit geschleudert und überschlug sich mehrfach. Michael W. (69), der Fahrer des Jeeps war auf der Stelle tot. Zum Zeitpunkt des Unfalls soll der Audi zwischen 160 und 170 km/h schnell gewesen sein, der Mercedes 138 km/h. Beide Fahrer wurden bei dem Unfall leicht verletzt, eine Beifahrerin musst mit Schock und Verletzungen ins Krankenhaus.

Die Teilnahme an einem illegalen Autorennen wurde damals als eine Ordnungswidrigkeit eingestuft und wird 400 Euro Strafe und einen Monat Fahrverbot geahndet. Bei tödlichen Unfällen wurde in der Regel die Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung angeklagt und oftmals dann zu einer Geldbuße oder einer Bewährungsstrafen verurteilt. Ende 2017 gab es als eine Reaktion auf eine Reihe von Unfällen bei illegalen Straßenrennen eine Gesetzesverschärfung. Veranstaltern von Straßenrennen und Teilnehmern drohen nach dem neuen Gesetz empfindliche Geldstrafen und bis zu zwei Jahre Haft. Werden bei einem Straßenrennen darüber hinaus Personen verletzt oder gar getötet, ist eine Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren möglich. Die Neufassung des Gesetzes sieht zudem vor, dass die Fahrzeuge der Beteiligten beschlagnahmt werden können, auch die Führerscheine können eingezogen werden.

Neuester Kommentar

Dass Deutschland ein Rechtsstaat ist, bezweifle ich.
Wie würden die Kommentartoren wohl urteilen, wenn es einen ihrer Familienangehörigen getroffen hätte?
Zugegeben, lebenslänglich mag ein zu hartes Urteil sein. Zehn Jahre im Gefängnis Zeit zum Nachdenken wäre m. E. angemessen. Der Führerschein sollte jedenfalls auf Lebenszeit eingezogen werden.
Einfach mal unvoreingenommen nachdenken. In der Hauptstraße einer Innenstadt mit über 150 km/h mehrere rote Ampeln zu überfahren und dabei billigend in Kauf zu nehmen, Menschen zu verletzen oder zu töten ist kein Kavaliersdelikt. Das Schicksal ist halt unberechenbar; sonst wären die Raser gestorben ...

DRWZ 1. März 2018, 17:30 Uhr
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