Brenner dicht, Tirol abgeriegelt: Urlauber droht massives Verkehrschaos

Brenner dicht, Tirol abgeriegelt
Urlauber droht massives Verkehrschaos

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.05.2026
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Brenner Demo
Foto: Hans-Peter Merten und Yevhenii Dubinko via Getty Images

Anlass ist eine Demonstration gegen die Verkehrsbelastung im Wipptal. Für Urlauber aus Deutschland dürfte das massive Folgen haben, denn die Sperre fällt mitten in die Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg sowie ans Ferienende in Sachsen-Anhalt.

Zehntausende Fahrzeuge betroffen

Nach Angaben der Behörden wird die A13 zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brennerpass von 11:00 Uhr bis 19:00 Uhr in beide Richtungen gesperrt. Zusätzlich werden auch die Brennerstraße (B182) sowie die Ellbögener Straße (L38) geschlossen. Damit entfällt eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Europas für mehrere Stunden vollständig.

Der Transitverkehr soll während dieses Zeitraums konsequent unterbunden werden. Erlaubt bleibt nur sogenannter Ziel- und Quellverkehr. Wer also tatsächlich ein Hotel, einen Termin oder einen Arbeitsplatz in der Region nachweisen kann, darf passieren. Reiner Durchreiseverkehr Richtung Italien oder zurück nach Deutschland soll dagegen abgewiesen werden. Nach Einschätzung der ASFINAG könnten während der Sperre mehr als 32.000 Fahrzeuge betroffen sein. Bereits vor dem 30.5.2026 rechnen Behörden und Verkehrsclubs mit deutlich erhöhtem Verkehrsaufkommen, weil viele Reisende ihre Fahrt vorziehen oder andere Alpenübergänge nutzen wollen.

Auch Südtirol sperrt die A22

Zusätzliche Brisanz bekommt die Situation durch Maßnahmen auf italienischer Seite. Laut dem österreichischen Autoclub ÖAMTC wird die Brennerautobahn A22 ab Sterzing in Richtung Norden ebenfalls gesperrt. Die Sperre soll dort von 10:30 Uhr bis 20:00 Uhr gelten. Bei starker Staubildung könne sie sogar bis Brixen, Klausen oder Bozen ausgeweitet werden. Für Lkw über 7,5 Tonnen gilt bereits ab 07:00 Uhr ein Fahrverbot.

Brennerautobahn A13 Sperre wegen Demo
ÖAMTC

Ausweichrouten gelten ebenfalls als problematisch

Eine direkte Umleitung gibt es praktisch nicht. Genau das macht die Situation außergewöhnlich. Die üblichen Ausweichstrecken entlang des Brennerkorridors werden ebenfalls gesperrt oder streng kontrolliert. Tirol will verhindern, dass Fahrzeuge über Landstraßen ausweichen.

Als Alternativen werden unter anderem genannt:

  • Gotthardroute in der Schweiz
  • San-Bernardino-Tunnel
  • Reschenpass
  • Timmelsjoch
  • Tauern-Autobahn (A10)
  • Pyhrn-Autobahn

Allerdings warnen Verkehrsclubs bereits davor, dass auch diese Strecken überlastet sein dürften. Der ÖAMTC spricht von "dramatischen" Auswirkungen auf den Verkehr in Tirol und Südtirol. Besonders kritisch gilt die Lage auf der Tauernroute, wo zusätzlich Abfahrtssperren kontrolliert werden sollen. Auch der Reschenpass ist wegen Bauarbeiten nur eingeschränkt befahrbar.

Der ÖAMTC und das Land Tirol empfehlen deshalb ausdrücklich, Tirol an diesem Tag möglichst zu meiden oder die Reise zeitlich zu verschieben.

Warum die Demo?

Auslöser der Sperrung ist eine Demonstration gegen die Verkehrsbelastung im Wipptal. Angemeldet wurde sie vom Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger. Er verweist auf Lärm, Feinstaub und die hohe Verkehrsbelastung entlang der Brennerroute. Das Landesverwaltungsgericht Tirol hatte zuvor entschieden, dass ein Verbot der Versammlung nicht zulässig sei. In der Begründung heißt es:

"Eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum."

Die Richter argumentierten, dass Demonstrationen auch dann zulässig seien, wenn sie bewusst Aufmerksamkeit erzeugen und erhebliche Auswirkungen auf die Öffentlichkeit haben.

Was ist die ASFINAG?Die ASFINAG ist die staatliche Autobahngesellschaft Österreichs. Sie ist für Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung der österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen verantwortlich. Außerdem betreibt sie Mautsysteme wie die Vignette, die Streckenmaut am Brenner oder die digitale Maut. Die Gesellschaft gehört vollständig der Republik Österreich und übernimmt auch Verkehrsmanagement sowie Tunnel- und Brückenüberwachung.


Kritik aus Deutschland, Österreich und Italien

Politisch sorgt die Aktion inzwischen über Tirol hinaus für Kritik. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sprach laut dpa von einem "Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche". Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) warnte davor, die Beziehungen zu Deutschland und Italien zu belasten. Auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher äußerte sich kritisch und warnte vor einem möglichen "Eigentor" für die Protestbewegung.

Die Brennerroute zählt zu den wichtigsten Alpenübergängen Europas. Laut ASFINAG nutzten 2025 knapp elf Millionen Pkw sowie rund 2,5 Millionen Lkw die Strecke. Der Schwerverkehr habe seit 2010 um rund 40 Prozent zugenommen.

Fazit