Nach einer erneuten Untersuchung wurden die Erprobungen zwar wieder aufgenommen, doch ein parlamentarischer Ausschuss zweifelt inzwischen offen daran, ob das Milliardenprojekt in seiner jetzigen Form überhaupt einsatzfähig ist. Die britische Armee beschafft insgesamt 589 Fahrzeuge der Ajax-Familie. Das Programm hat inzwischen Kosten von rund 6,3 Milliarden Pfund (umgerechnet 7,29 Milliarden Euro) erreicht. Entwickelt wurde das Fahrzeug vom Rüstungskonzern General Dynamics UK. Geplant war ursprünglich eine Indienststellung ab 2017. Tatsächlich befindet sich das Projekt jedoch auch Jahre später noch immer in einer kritischen Phase.
Gesundheitsprobleme sorgen für neue Diskussionen
Für besonders große Aufmerksamkeit sorgten Vorfälle während der Übung "Titan Storm" im November 2025. Dabei meldeten Soldaten gesundheitliche Beschwerden, die mit dem Betrieb der Fahrzeuge in Verbindung gebracht wurden. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums erkrankten während der Übung 33 Soldaten. Insgesamt mussten rund 310 Soldaten Hörtests absolvieren. 17 Soldaten wurden wegen Hörproblemen behandelt. Weitere Soldaten berichteten über Übelkeit, Erbrechen, Zittern und Schwächegefühle.
Die britische Armee stoppte daraufhin die laufenden Erprobungen und leitete eine Untersuchung ein. Die Ergebnisse fielen indes ungewöhnlich aus. Die Untersuchung konnte keinen einzelnen technischen Defekt als Ursache identifizieren. Stattdessen sei eine Kombination verschiedener Faktoren verantwortlich gewesen.
Mehrere technische Probleme gleichzeitig
Nach Angaben der Sicherheitsuntersuchung spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Genannt werden unter anderem lose Motorbolzen, Probleme mit der Kettenspannung, mögliche Kohlenmonoxidbelastungen, defekte Headsets sowie Unterschiede bei Ausbildung und Bedienung. Auch kalte Witterung während der Übung wird als möglicher Einflussfaktor genannt.
Die Untersuchung kam daher zu dem Schluss, dass kein einzelner Konstruktionsfehler für die Beschwerden verantwortlich gewesen sei. Kritiker sehen darin allerdings keine vollständige Entwarnung. Schließlich bleibt die Frage offen, warum ein modernes Gefechtsfahrzeug derart empfindlich auf verschiedene Betriebsbedingungen reagiert.
Parlament zweifelt an der Einsatztauglichkeit
Für zusätzliche Kritik sorgte ein Bericht des britischen Public Accounts Committee, dem parlamentarischen Ausschuss für öffentliche Ausgaben. Darin wird die grundsätzliche Einsatztauglichkeit des Ajax hinterfragt. Besonders kritisch sehen die Abgeordneten Hinweise, wonach Besatzungen nach jedem Halt Wartungskontrollen durchführen sollen, um bestimmte Probleme zu vermeiden.
Der Ausschussvorsitzende Sir Geoffrey Clifton-Brown bezeichnete diese Vorstellung als unrealistisch und fragte öffentlich, wie solche Kontrollen während eines Kampfeinsatzes durchgeführt werden sollen. In dem Bericht heißt es außerdem, dass weiterhin Anlass zur Sorge bestehe, ob Ajax tatsächlich "zweckmäßig" sei. Das Verteidigungsministerium müsse erklären, wie das Fahrzeug einsatzfähig gemacht werden solle und welche zusätzlichen Kosten dafür möglicherweise entstehen.
Der Ajax ist eigentlich als Hightech-Aufklärer gedacht
Trotz aller Probleme gehört Ajax technisch zu den modernsten gepanzerten Fahrzeugen Europas. Anders als ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 oder Challenger 3 steht nicht die Bekämpfung gegnerischer Panzer im Mittelpunkt. Ajax soll gegnerische Kräfte aufklären, Ziele identifizieren und Informationen in Echtzeit an andere Einheiten weitergeben.
Herzstück des Fahrzeugs sind moderne Sensoren, Wärmebildkameras, digitale Kommunikationssysteme und eine umfassende Vernetzung mit anderen Einheiten auf dem Gefechtsfeld.
Warum Großbritannien trotzdem am Ajax festhält
Trotz der anhaltenden Probleme gibt es derzeit keine Hinweise auf einen Programmabbruch. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wurden bereits Milliarden investiert. Zum anderen wurden zahlreiche Fahrzeuge bereits produziert. Hinzu kommt die strategische Bedeutung des Systems für die britischen Streitkräfte.
Aus Sicht des Verteidigungsministeriums verfügt Ajax über Fähigkeiten, die bisher in dieser Form nicht vorhanden sind. Dazu gehören moderne Sensorik, digitale Vernetzung und die Fähigkeit, Informationen in Echtzeit bereitzustellen. Auch innerhalb der NATO soll Ajax künftig eine wichtige Rolle bei Aufklärungs- und Führungsaufgaben übernehmen.
Kommt nach Ajax bald ein Ajax 2?
In Großbritannien wird inzwischen über weitere Modernisierungen diskutiert. Parlamentarische Berichte erwähnen ein mögliches Verbesserungspaket unter der Bezeichnung "Ajax 2". Dabei könnte es sich um technische Nachrüstungen handeln, die Zuverlässigkeit, Bedienbarkeit und Komfort verbessern sollen.
Offizielle Entscheidungen gibt es dazu bislang nicht. Kritiker befürchten jedoch, dass nach den bereits investierten Milliarden weitere hohe Summen notwendig werden könnten.





