Brücken in Deutschland 2018

Wie marode sind unsere Brücken?

Rheinbrücke Leverkusen (dpa) Foto: Picture Alliance 5 Bilder

Der tragische Einsturz der Autobahnbrücke in Genua wirft natürlich auch die Frage auf, wie sicher die Brücken in Deutschland sind. Besonders auf Autobahnen sehen wir Autofahrer oft mit einem mulmigen Gefühl den Schilderzusatz „Brückenschäden“. Hier die wichtigsten Zahlen und Daten zu den deutschen Brücken.

Symptomatisch für den schlechten Zustand der Brücken auf Bundesstraßen ist die Rheinbrücke bei Leverkusen auf der Autobahn A1. Sie wurde 1965 für den Verkehr freigegeben und war für täglich 40.000 Kraftfahrzeuge freigegeben. Im Verlaufe der Jahre wuchs das Verkehrsaufkommen, die Brücke wurde erweitert und kam an ihre Belastungsgrenze. 2012 attestierten Ingenieure der Brücke einen „kritischen Bauwerkszustand“, vier Jahre später empfahlen Gutachter den Neubau. Alleine 2017 überquerten 120.000 Fahrzeuge täglich den Rhein, Lkw über 3,5 Tonnen dürfen die Brücke schon lange nicht mehr befahren, sie werden von einer Sperranlage an der Passage gehindert. Aktuell attestiert die Bundesanstalt für Straßenwesen der Rheinbrücke die Note 3,9 – „ungenügender Zustand“.

Damit zählt sie zu den schlechtesten Autobahnbrücken Deutschlands, nur zwei weitere BAB-Brücken bei Münster und Duisburg kommen auf noch schlechtere Werte:

  • A43 Nähe Münster über Landstraße L551 – Note 4,0
  • A40 Rheinbrücke Duisburg-Neuenkamp – Note 4,0
  • A1 Klingenthal-Brücke Nähe Eppelborn bei Saarbrücken – Note 3,9
  • A2 Rheinbrücke Leverkusen – Note 3,9
  • A3 Regensburg über DB-Gleisanlage – Note 3,9
  • A27 Bremerhaven über den Fluss „Rohr“ – Note 3,8
  • A42 Duisburg-Hamborn über DB-Gleisanlage Bahnhof Grünstraße – Note 3,8
  • A8 Quierschied bei Saarbücken über DB-Gleisanlage – Note 3,8
  • A6 Binswangen bei Neckarsulm – Note 3,8
  • A3 über A93 Nähe Pentling bei Regensburg – Note 3,8
  • A93 über Straße 2335 Nähe Mainburg-Geisenfeld bei Regensburg – Note 3,8

Rund ein Achtel der insgesamt 39.621 Fernstraßenbrücken in Deutschland sind in einem „nicht ausreichend“ oder gar „ungenügendem Zustand“, wie die Auswertung der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) aus dem März 2018 zeigt. Konkret sind es 12,4 Prozent mit einer Brückenfläche von 3,8 Millionen Quadratmetern. Dabei unterscheidet die BASt die Brückenzustände in sechs Notenbereiche.

Noten für Brückenzustand

Noten-Bereich Zustand
1,0 – 1,4 sehr guter Zustand
1,5 – 1,9 guter Zustand
2,0 – 2,4 befriedigender Zustand
2,5 – 2,9 ausreichender Zustand
3,0 – 3,4 nicht ausreichender Zustand
3,5 – 4,0 ungenügender Zustand




Deutschlandkarte: Alle sanierungsbedürftigen Autobahn-Brücken

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Das Gros der deutschen Fernstraßen-Brücken befindet sich jedoch einem mittleren Zustand, 42,2 Prozent erhalten die Note 2,0 bis 2,4 – 33,0 Prozent die Note 2,5 bis 2,9. Das sind 75,1 Prozent und ergibt 23,1 Millionen Quadratmeter Brückenfläche. In gutem bis sehr gutem Zustand befinden sich 12,5 Prozent bzw. 3,8 Millionen Quadratmeter.

Anzahl der Brücken in Deutschland Foto: ams

Bund gibt zu wenig Geld für Modernisierung

An der Spitze der maroden Brücken stehen die Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen, in Thüringen und Sachsen ist die Quote der Brücken in schlechtem Zustand besonders niedrig. Hier wurde die Verkehrsinfrastruktur nach der Wiedervereinigung erheblich verbessert.

Brückenzustand nach Bundesländern Foto: ams
Die Autobahnen und Bundesstraßen im Osten Deutschlands haben dank des "Aufbau Ost"-Programms die besten Brücken.

Apropos verbessert: zwischen dem September 2014 und März 2018 hat sich der Zustand der Brücken auf einer Fläche von 6,8 Millionen Quadratmetern zwar verbessert, im gleichen Zeitraum verschlechterte sich der Zustand bei 8,8 Millionen Quadratmeter Brückenfläche. Kein Wunder: Die für 2018 vom Bund bereitgestellten 3,9 Milliarden Euro für die Modernisierung von Bundesstraßen und Brücken reichen nach Expertenmeinungen nicht aus. Um den Status-Quo zu halten, müsste man pro Jahr 10 Milliarden mehr ausgeben.

Übrigens: Brücken in Deutschland werden nach der DIN 1076 regelmäßig untersucht. So gibt es alle sechs Jahre eine Hauptprüfung, bei der auch schwer zugängliche Teile – „handnah“ wie es heißt – gecheckt werden. Eine einfache Prüfung schließt sich nach drei Jahren an, jährlich gibt es eine Sichtprüfung. Eine Sonderprüfung wird zum Beispiel nach einem Unfall zusätzlich anberaumt.

Lkw sind schuld – Transportaufkommen steigt

Als Hauptschuldiger für den schlechten Zustand der Brücken und Straßen gelten Lkw und die Zunahme des Güterverkehrs. Seit 1956 hat das Gesamtgewicht der Lkw von 24 auf 40 beziehungsweise 44 Tonnen im kombinierten Verkehr zugenommen, die Achslasten stiegen von 8,0 im Jahr 1956 auf nunmehr 11,5 Tonnen. Nach dem „Vierte-Potenz-Gesetz“ ist die Beanspruchung einer Straße durch ein Fahrzeug größer, je höher die Achslast ist. So richten 15.000 Pkw (je 2 Tonnen) den gleichen Schaden an wie ein dreiachsiger Lkw (30 Tonnen).

Dazu nimmt der Güterverkehr auf der Straße bis 2030 auch noch deutlich zu. Wurden 2010 noch 3,12 Milliarden Tonnen auf der Straße bewegt, so sollen es 2030 bereit 3,63 Milliarden Tonnen sein, eine Steigerung von 16,8 Prozent. Die Transportleistung steigt von 437 auf 607 Milliarden Tonnen pro Kilometer, wobei gleichzeitig die Transportweite von durchschnittlich 140 auf 167 Kilometer ansteigt.

Neuester Kommentar

Die Zunahme der Gigaliner wird ihr Übriges tun, die Brücken noch stärker „in die Knie“ zu zwingen. In Skandinavien kommen die LKWs, wenn sie noch längere Strecken zum Ziel vor sich haben, verladen auf die Bahn.

ginnisickel 18. August 2018, 14:09 Uhr
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