Im Pkw-Bestand in Deutschland verschieben sich die Kräfteverhältnisse sichtbar. Besonders deutlich wird das bei den Marken: Während etablierte Volumenhersteller wie Audi, Ford und Opel Bestandsrückgänge verzeichnen, legen zahlreiche chinesische Marken teils dreistellig zu. Die Dynamik ist bemerkenswert hoch und kennzeichnet eine offenbare Trendwende unter den insgesamt 49,5 Millionen Pkw auf deutschen Straßen. Das geht aus einer neuen Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervor, die den Fahrzeugbestand in Deutschland zum Stichtag Januar 2026 analysiert.
Die deutschen Verlierer
Unter den etablierten Marken fallen drei besonders auf, wenn man die Entwicklung von 2024 auf 2025 vergleicht. Audi verliert im Jahresvergleich 13.371 Fahrzeuge, Ford 79.000 und Opel 102.248 Einheiten. In Summe ergibt sich für diese drei Marken ein Rückgang von knapp 195.000 Pkw.
Dem gegenüber stehen Zugewinne chinesischer Hersteller von rund 50.000 Fahrzeugen. Die Newcomer kompensieren damit nur rund ein Viertel der Verluste dieser drei Volumenhersteller.
BYD steigert sich enorm
Die Wachstumsraten einzelner chinesischer Marken fallen dennoch auffällig aus. BYD steigert seinen Bestand um über 300 Prozent auf 18.536 Fahrzeuge. Leapmotor und XPENG wachsen aus sehr niedrigen Ausgangswerten in den vierstelligen Bereich hinein. MG Roewe nimmt eine Sonderrolle ein: Mit 73.708 Fahrzeugen ist die Marke bereits volumenstärkster chinesischer Anbieter und legt auf diesem hohen Niveau um rund 50 Prozent zu. Auch GWM und Nio bauen ihre Bestände aus. Parallel treten mit Deepal, Jaecoo, Zeekr und Omoda weitere Marken erstmals iin Erscheinung.
Dem gegenüber stehen auch gegenläufige Entwicklungen innerhalb der chinesischen Anbieter. Lynk & Co halbiert seinen Bestand nahezu. Der Rückgang um 49,2 Prozent steht im Widerspruch zum generellen Marktwachstum chinesischer Marken. Als Erklärung bietet sich das Geschäftsmodell mit starkem Fokus auf Abo-Fahrzeuge an, bei dem auslaufende Verträge unmittelbar zu Fahrzeug-Abmeldungen führen können. Auch Aiways verliert leicht an Fahrzeugen.
Elektroautos nehmen stark zu
Die Entwicklung chinesischer Marken ist eng mit den generellen Verschiebungen im Gesamtmarkt verknüpft. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Antriebsarten. Batterieelektrische Pkw wachsen um 23,2 Prozent auf über zwei Millionen Fahrzeuge, Hybridmodelle um 22,6 Prozent. Viele der neu in den Markt drängenden China-Marken positionieren sich genau in diesen Segmenten.
Auf der Gegenseite stehen Marken mit traditionell hohem Anteil an Verbrennern im Bestand. Benziner und Diesel verlieren zusammen mehrere hunderttausend Fahrzeuge. Da Audi, Ford und Opel stark in diesen Antriebsarten vertreten sind, schlägt der Rückgang direkt auf ihre Bestandszahlen durch. Der Zuwachs bei elektrifizierten Modellen dieser Marken reicht bislang nicht aus, um die Abgänge älterer Fahrzeuge zu kompensieren.
Verbrenner werden weniger
Auch die Entwicklung der Fahrzeugsegmente beeinflusst die Markenstruktur. Die Kompaktklasse, traditionell ein Kernsegment von Audi, Ford und Opel, schrumpft um 4,4 Prozent. Gleiches gilt für die Mittelklasse mit einem Minus von 3,0 Prozent sowie für Mini-Vans und Großraum-Vans. Parallel wächst das SUV-Segment um 9,7 Prozent auf über 7,1 Millionen Fahrzeuge und erreicht einen Anteil von 14,5 Prozent. Viele neue Anbieter, darunter auch chinesische Marken, setzen gezielt auf SUV-Modelle und profitieren von dieser Verschiebung.
In der Gesamtbetrachtung bleibt die Dominanz der großen deutschen Marken im Bestand jedoch unangetastet. VW, Mercedes, Opel, BMW, Audi und Ford stellen weiterhin den Großteil der zugelassenen Fahrzeuge. Die Dynamik verlagert sich allerdings zunehmend in Richtung neuer Anbieter aus China, deren Einfluss auf die Struktur des Bestands spürbar wächst.
In der Bildergalerie zeigen wir die meistverkauften Autos in Deutschland 2025 nach Segmenten.










