Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury Daimler
Mercedes-AMG GLA 35, Fahrbericht
Mercedes GLC 300 Coupé, Exterieur
Mercedes A-Klasse Limousine
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Sparpläne bei Daimler

Weniger Baureihen, aber eine SUL bei Mercedes

Daimler machte im ersten Halbjahr 2020 einen Milliarden Verlust. Ola Källenius kündigte schon 2019 eine Überprüfung des Modell-Portfolios an. Gleichzeitig gibt es Gerüchte um eine kompakte SUV-Limousine (SUL). Aber was fliegt aus dem Programm, um Elektromodelle zu finanzieren?

Ola Källenius hatte auch in seiner ersten Hauptversammlung als CEO keine guten Nachrichten: Der Dax-Konzern erwartet zumindest im zweiten Quartal einen wohl deutlichen Verlust und ein Milliarden-Minus beim Cashflow. "Der Umgang mit dieser Pandemie ist nach wie vor eine Herausforderung historischer Dimension", so der Schwede. Das Ergebnis im ersten Halbjahr 2020: minus 1,7 Milliarden. Bei den Gegenmaßnahmen orakelte Källenius weniger deutlich: "Wir werden das Portfolio überprüfen, um uns auf die vielversprechendsten Produkte zu konzentrieren!". Und: Es gebe zudem Potenzial in der "Simplifizierung des Verbrenner-Portfolios". Kein Wunder. Aber was heißt das konkret?

Neue E-Autos verdrängen Verbrenner-Modellreihen

Mercedes hatte angekündigt, bis 2022 zehn reine Elektroautos im Programm haben. Neben dem Smart EQ, dem jetzt dann doch ernsthaft anlaufenden SUV EQC und der V-Klasse mit E-Antrieb (EQV) sind ein elektrischer Kompaktwagen (EQA) und ein luxuriöses Stufenheckmodell (EQS) konkretisiert. Auf dessen Plattform sollen außerdem eine kleinere Limousine (EQE) und ein SUV folgen. Versprochen ist darüber hinaus ein vollelektrischer GLB. Ähnlich wie BMW setzte Mercedes zu Beginn noch nicht auf eine eigene Plattform für seine Elektroautos, sondern integriert die Batterien in bestehende Plattformen. So ist der EQC ein modifizierter GLC, der EQA wird auf dem kommenden GLA basieren, also wie die A-Klasse auf der neuen Frontantriebsplattform MFA II. Um Bauraum für die Akkus im Fahrzeugboden zu gewinnen, greift das kompakte E-Auto aber auf die SUV-Variante zurück, wird sich aber optisch mehr an der A-Klasse orientieren.

Mercedes EQS: Die elektrische S-Klasse

Erlkönig Mercedes EQS
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Teure E-Auto-Entwicklung

Der EQS und die weiteren angekündigten Modelle stehen aber auf der Elektro-Architektur EVA 2, die große Investitionen erfordert. Auch darum müssen konventionell betriebene Modelle weichen, wenn sie wegen zu geringer Stückzahlen keinen ordentlichen Deckungsbeitrag liefern. Tatsächlich hat Mercedes seine Palette in den letzten Jahren immer weiter ausdifferenziert und verbreitert, mehr als 40 Modellreihen umfasst sie aktuell. Und nicht jede Variante ist ein Erfolg.

So verschwand beispielsweise der CLS Shooting Brake beim Generationswechsel. Dafür gibt es auf Basis des CLS inzwischen den AMG GT Viertürer, der anders als der CLS eine große Heckklappe hat. Gut denkbar, dass das Viertürer-Coupé zum AMG-exklusiven Viertürer wird und der CLS aus dem normalen Mercedes Programm fällt. Welche Modelle Källenius streichen will, soll auf einem Investorentag am 6. Oktober 2020 bekannt werden. Manches ist aber schon klar, anderes liegt auf der Hand: Wir wagen den Blick in die Glaskugel der Zukunft des Mercedes-Portfolios.

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Wird Mercedes den Wechsel zum E-Auto überleben?
Nein, Mercedes hat zu lange am Verbrenner festgehalten und keine eigene E-Auto-Plattform.
Klar, der älteste Autohersteller der Welt setzt zurecht auf Misch-Plattformen, denn wir werden noch lange Verbrenner fahren.

Mercedes SL – schwächelnde Legende

Apropos AMG: Die sportliche Tochter hat mit dem SLS erstmals bewiesen, dass man ganze Autos entwickeln kann. Und der AMG GT kam speziell als Roadster der Mercedes-Legende SL in dessen schrumpfendem Segment der zweisitzigen Luxus-Cabrios nahe. Den berühmten SL aufgeben will Daimler aber nicht. Konsequenterweise kommt aber sein Nachfolger (wohl 2021) von AMG, wo es im Gegenzug vermutlich keine offene Variante des GT mehr geben wird. Das für das leicht hecklastige Design verantwortliche Klappdach wird dann ebenfalls Geschichte sein. Wie knapp die Entscheidung für den SL war, mag man daran ablesen, dass nach dem Ende der aktuellen Generation eine zeitliche Lücke bis zur Neuerscheinung klaffen wird.

Mercedes SLC bzw. SLK entfällt

Offene Zweisitzer sind aber auch nicht mehr gefragt, wenn sie kleiner und günstiger sind, das Segment der offenen Roadster schrumpft seit Jahren: BMW konnte den Z4 nur in dritter Generation bringen, weil Toyota auf der gleichen Basis die neue Supra als geschlossenen Sportwagen verkauft. Für den SLC (vorher SLK) ist die Nachfrage hingegen zu gering, obwohl er mit seinem Klappdach offener und geschlossener Zweisitzer zugleich sein wollte: Er bekommt keinen Nachfolger. Vom SLC sind gerade noch Exemplare der Final Edition zu kriegen. Eine weitere Generation des Klappdach-Roadsters wird es nicht geben.

Mercedes X-Klasse – zu teuer, zu wenig Stückzahlen

Im zweiten Quartal 2019 hat Mercedes laut Automobilwoche nur 3.100 Stück der Pick-ups verkauft – zu wenig, auch wenn die X-Klasse eigentlich ein Nissan Navarra ist. Die X-Klasse konkurriert nicht nur mit ihrem Plattformspender Navarra, sondern auch mit einem weiteren Ableger des japanischen Pick-up-Modells, dem Renault Alaskan sowie mit dem VW Amarok. Dessen Nachfolger wird VW in Kooperation mit Ford auf Basis des Ranger (ein weiterer Konkurrent) bauen. Den Amarok gibt es mit V6-Motor zum Preis der X-Klasse mit Vierzylinder. Eigene Getriebe und Motoren (auch V6 Diesel) sowie bessere Bremsen und Anpassungen im Interieur machen die X-Klasse trotz der Nissan-Basis zu teuer für Daimler – und für das eher preissensible Segment. Konsequenterweise ist der Pick-up-Versuch inzwischen beendet.

Mercedes C-Klasse, E-Klasse und S-Klasse Cabrio – zu viel Offenheit

Viersitzige Cabrios leistet sich Mercedes gleich drei. Aber was sind die Anforderungen an einen offenen Viersitzer? Ein gut gedämmtes, schnell öffnendes Verdeck und Platz für vier. Das bieten alle drei Modelle. Die E-Klasse dürfte allerdings die Anforderungen am besten erfüllen, die C-Klasse kann sich auch optisch nur schwer von ihr absetzen, die S-Klasse bietet nur mehr Prestige, aber nicht wirklich mehr Platz, weil sie auf dem S-Klasse Coupé aufbaut. Die Exportmärkte (naher Osten, Asien), auf denen Kunden gerne mit Autos repräsentieren, sind vielfach keine Cabrio-Märkte. Prognose: Das C-Klasse Cabrio stirbt, die offene E-Klasse bleibt, vielleicht wird ein Nachfolger eher eine Mischung beider Baureihen. Das S-Klasse Cabrio hingegen bekommt keinen Nachfolger.

Mercedes E-Klasse All Terrain – nicht SUV, nicht Fleisch

Auch Varianten von Baureihen erfordern Aufwand. Die E-Klasse mit Offroad-Attributen etwa ist mehr als eine Ausstattungslinie, kommt aber Jahre nach den Allroad-, Alltrack- und Scout-Versionen aus dem Volkswagen-Konzern. Gleichzeitig erregt sie nicht annähernd die Begehrlichkeiten der SUVs, von denen Mercedes im Sommer 2019 nur deshalb weniger verkauft hatte (181.000 statt 209.000 im Vorjahreszeitraum), weil man im US-Werk Tusccalosa "nicht die erwünschte Hochlauf-Geschwindigkeit von den Lieferanten" erreicht habe, so Källenius. Gut möglich also, dass das Gelände-T-Modell eine Eintagsfliege war.

A-Klasse auf MFA II – SUL statt Limousinen und Coupés?

Gute Laune bringt Källenius die Kompaktfamilie auf Basis der neuen Frontantriebsplattform MFA II. Allerdings nur, was die Absatzzahlen angeht. Die Verkäufe stiegen von 97.000 (2. Quartal 2018) auf 124.000 (2019) Fahrzeuge. Das Problem: Mit den Kompakten auf MFA II verdient der Konzern nur wenig Geld. Große Erwartungen haben die Strategen an den gerade präsentierten GLB. Aber abseits der SUVs könnte die Modell-Vielfalt (acht Karosserievarianten) übertrieben sein: Warum eine kurze Limousine für Europa und das schickere viertürige Coupé CLA? Für wen ist dessen Kombi-Version CLA-Shootingbreak gedacht, der nicht mit dem C-Klasse T-Modell glücklich wird? 2020 scheint auch die B-Klasse ein Problem zu haben. Seit es für China die lange A-Klasse-Limousine als Chauffeurs-Auto gibt, ist der kompakte Van nur mehr in Europa gefragt. Aber auch hier ist das ganze Segment unter Druck. VW hat beispielsweise den Golf Sportsvan (ehemals Plus) eingestellt – zugunsten der E-Auto-Produktion in Zwickau.

Wer Platz braucht, kauft heutzutage SUVs – vom GLB bietet Mercedes sogar eine siebensitzige Variante. Und neueste Gerüchte bringen gar eine Mischung aus Limousine und SUV ins Spiel, eine so genannte SUL (Sports Utility Limousine). Sie soll offenbar Limousinen-Kunden bei der Stange halten, die sich täglich von SUV-Fahrern aufs Dach gespuckt fühlen und die das Segment selbst in China immer mehr schrumpfen lassen. Nach dem SUV-Coupé kommt also die SUV-Limousine.

Vermutlich erreicht man mit so fein gestuften Unterschieden tatsächlich mehr Käufer. Aber angesichts der Kosten bleibt immer die Frage: Wie viele pro Modell und was kostet das? Schon die Anpassung eines Modells auf einen Exportmarkt kostet Autohersteller in der Regel einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Damit sich das lohnt, muss man etwa eine sechsstellige Stückzahl absetzen. Ein SUL wäre allerdings technisch sehr nah an GLA/GLB und mit einem immer kleineren Programm verliert man vielleicht wenige, gewinnt aber keine neuen Kunden. Prognose: Die kurze A-Klasse-Limousine könnte ein einmaliger Versuch bleiben, selbst die Langversion für den Riesenmarkt China perspektivisch durch die SUL (2024) ersetzt werden, der CLA Shooting Brake dürfte es zumindest außerhalb Europas schwer haben und wäre ein potenzieller Streichkandidat, selbst der normale CLA könnte langfristig nur noch wenige Kunden erreichen. Die B-Klasse bekommt sicher keinen Nachfolger.

Neuer Mercedes GLA: Wieder eine Bestseller?

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Fazit

Mercedes hat sein Modellprogramm in den letzten Jahren überdehnt. Angesichts von Gewinneinbrüchen und Milliarden-Investitionsbedarf für Elektroautos sowie Digitalisierung hat Daimler-Chef Ola Källenius eine Bereinigung des Portfolios angekündigt, um Platz für 10 rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge bis 2022 zu machen, für die der Konzern allein 10 Milliarden Euro in die Hand nimmt. Die Lieferverträge für Batterien bis 2030 haben ein Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro.

2020 dürften viele Modelle auf den Prüfstand kommen: Stückzahlen und Ertrag müssen in Relation gebracht werden. Fällt die negativ aus, muss der neue Boss mitleidlos auf Einstellung entscheiden, um die finanzielle Beinfreiheit für die Entwicklung von E-Autos und anderen Zukunftsthemen zu behalten. Wenn schon S-Klasse-Derivate geopfert werden, scheint es keine heiligen Kühe zu geben.

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