Besonders betroffen ist derzeit die A2, auf der es zu den schwersten Schäden im deutschen Autobahnnetz gekommen ist.
Die hohen Temperaturen setzen Deutschlands Autobahnen zunehmend unter Druck. Während Asphalt bei großer Hitze weicher werden kann, dehnen sich Betonfahrbahnen aus. Dadurch entstehen Verformungen oder sogenannte Blow-ups, bei denen sich Betonplatten plötzlich anheben oder aufbrechen. Die Folgen reichen von Geschwindigkeitsbeschränkungen bis zu Vollsperrungen.
Die Autobahn GmbH ruft Autofahrer deshalb zu besonderer Vorsicht auf. Ein Sprecher erklärte: "Bei hohen Temperaturen bitte besonders aufmerksam fahren. Wer Schäden an der Fahrbahn bemerkt, sollte diese umgehend der Polizei melden."
A1 mit Reparaturen und Vollsperrung
Auf der A1 konnten Schäden zwischen Bargteheide und Bad Oldesloe bereits beseitigt werden. Anders ist die Lage zwischen dem Kreuz Wittlich und Wittlich-Mitte. Dort bleibt die Autobahn wegen beschädigter Fahrbahnen voraussichtlich bis zum 1.7.2026 voll gesperrt. Der Fernverkehr wird über die Bedarfsumleitung U90 geführt, Lastwagen sollen den Bereich weiträumig umfahren.
A2 bleibt der Schwerpunkt der Reparaturen
Die größten Probleme gibt es derzeit auf der A2. Zwischen Ziesar und Wollin musste die Strecke vollständig gesperrt werden, nachdem mehrere Fahrstreifen beschädigt wurden. Die Autobahn GmbH empfiehlt eine großräumige Umleitung über die A14 und A9. Zeitweise bildete sich ein Rückstau von rund 13 Kilometern.
Zwischen Burg-Zentrum und Burg-Ost laufen die Arbeiten schneller als zunächst erwartet. Dort könnte die Strecke früher freigegeben werden. Im Bereich Lehrte bleibt wegen Asphaltverformungen der rechte Fahrstreifen bis mindestens 29.6.2026 gesperrt.

Wenige Meter vor der Abfahrt Wollin der A2 in Richtung Berlin haben sich Teile der Betonfahrbahn gegeneinander geschoben, im Vordergrund liegen aufgebrochene Betonbrocken neben der Fahrspur.
Tempolimits und Fahrstreifensperrungen auf weiteren Strecken
Auf der A3 gilt zwischen dem Mönchhofdreieck und dem Wiesbadener Kreuz vorsorglich eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Auf der A48 wurde das Tempolimit auf der Rheinbrücke bei Bendorf auf 60 km/h reduziert, nachdem sich das Bauwerk durch die hohen Temperaturen leicht bewegt hatte.
Die A7 ist im Bereich Hamburg-Marmstorf bis voraussichtlich 29.6.2026 nur eingeschränkt befahrbar. Dort bleibt ein Fahrstreifen gesperrt, wodurch insbesondere im Reiseverkehr Staus entstehen können. Auf der A10 wurden mehrere Schadstellen festgestellt, unter anderem zwischen Berlin-Marzahn und Berlin-Hohenschönhausen sowie im Bereich Potsdam-Nord. Auf der A13 setzen die Behörden derzeit vor allem auf Tempolimits.
Ab welcher Temperatur treten Blow-ups auf?Blow-ups treten meist nicht unmittelbar bei einer bestimmten Lufttemperatur auf. Kritisch wird es vor allem nach mehreren Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius. Dann können sich Betonfahrbahnen so stark ausdehnen, dass sich an Fugen oder bereits geschädigten Stellen Spannungen aufbauen. Erreicht die Fahrbahnoberfläche mehr als 50 bis 60 Grad Celsius, kann sich der Beton plötzlich anheben oder aufbrechen.
Erste Schäden, abgeschlossene Reparaturen und laufende Arbeiten
Auf der A6 bei Mannheim wurden erste Schäden festgestellt, größere Einschränkungen gibt es dort bisher jedoch nicht. Die A9 bei Ingolstadt ist nach abgeschlossenen Reparaturen wieder vollständig befahrbar.
Auf der A93 zwischen Weiden-Süd und Luhe-Wildenau laufen die Instandsetzungsarbeiten weiter. Dort war die Fahrbahn auf ganzer Breite aufgebrochen, wodurch es zeitweise zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kam.
Winterdienst kommt bei 40 Grad zum Einsatz
Der Winterdienst übernimmt in einigen Regionen derzeit eine ungewöhnliche Aufgabe. Statt Schnee und Eis zu beseitigen, werden Sprühfahrzeuge eingesetzt, um aufgeheizte Fahrbahnen mit Wasser zu kühlen. Durch die Verdunstung soll die Oberflächentemperatur des Asphalts sinken und das Risiko weiterer Schäden verringert werden.
Im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen werden auf diese Weise bereits mehrere Landesstraßen behandelt. Andreas Bode, Leiter des Landesamtes für Bau und Verkehr für Nordthüringen, erklärte gegenüber der "Thüringer Allgemeinen", dass die Verdunstungskälte den Fahrbahnbelag abkühlen solle. In den vergangenen Hitzeperioden mussten dort einzelne Straßen zeitweise gesperrt werden. Auch andere Behörden setzen auf diese Methode.
In Lünen in Nordrhein-Westfalen werden besonders gefährdete Straßen mit Wasser besprüht, um den Belag vor extremer Hitze zu schützen. In Hessen kommt der Winterdienst unter anderem am Autobahnkreuz A643/A66 zum Einsatz. Die Bewässerung soll dazu beitragen, weitere Verformungen oder Aufbrüche der Fahrbahn möglichst zu verhindern und Sperrungen während der Hitzewelle zu vermeiden.
Wie sieht es im Ausland aus?
Auch in den Nachbarländern Deutschlands haben die hohen Temperaturen bereits zu Schäden auf wichtigen Verkehrsachsen geführt. In Österreich musste die ASFINAG auf der A1 Westautobahn bei Salzburg nach einem Blow-up mehrere Fahrstreifen sperren und beschädigte Betonplatten austauschen.
In der Schweiz kam es auf der A13 bei Buchs zu einem ähnlichen Schaden, nachdem sich die Fahrbahn durch die Hitze angehoben hatte. Die betroffenen Abschnitte mussten teilweise gesperrt werden, wodurch es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und längeren Rückstaus kam. Die aktuellen Fälle zeigen, dass Blow-ups während lang anhaltender Hitzeperioden nicht auf Deutschland beschränkt sind, sondern auch andere Länder mit älteren Betonfahrbahnen betreffen können.





