Neben dem sogenannten Transformationsbaustein stellt der Autobauer auch eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich zur Diskussion. Der Gesamtbetriebsrat kritisiert das Vorgehen als einseitige Entscheidung des Unternehmens.
Mercedes begründet die Maßnahmen mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens und den im internationalen Vergleich hohen Kosten der deutschen Standorte. Nach Angaben des Vorstands müsse der Konzern seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Kosten weiter senken. Beschäftigte erhalten den tariflichen Transformationsbaustein deshalb nicht wie üblich im Juli, sondern nach derzeitiger Planung erst im April 2027.
Vorstand spricht von einer "dramatischen" Situation
Der Vorstand wählt in seinem Schreiben an die Beschäftigten ungewöhnlich deutliche Worte. Darin heißt es, Mercedes müsse "weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken", um bei den Preisen wettbewerbsfähig zu bleiben.
Wörtlich schreibt das Management:
Trotz all unserer Anstrengungen ist die Situation heute in Deutschland dramatisch.
Jedes neue Produkt und jede zusätzliche Aufgabe an deutschen Standorten mache den Konzern teurer.
Was ist der Transformationsbaustein?
Bei der Sonderzahlung handelt es sich um einen tariflich vereinbarten Transformationsbaustein. Er beträgt 18,4 Prozent des individuellen Monatsentgelts und wird normalerweise im Juli ausgezahlt. Tarifvertraglich können Unternehmen die Zahlung bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten verschieben.
Mercedes nutzt diese Möglichkeit nun erstmals. Nach derzeitiger Planung soll der Betrag erst im April 2027 ausgezahlt werden. Wie hoch die dadurch frei werdende Liquidität ausfällt, hat der Konzern nicht mitgeteilt. Nach Informationen des Handelsblatts behält sich Mercedes außerdem vor, die Zahlung vollständig entfallen zu lassen, sollte sich die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern.
Arbeitszeit wird zum nächsten Streitthema
Mit der verschobenen Sonderzahlung endet der Sparkurs nach Angaben des Vorstands nicht. Das Unternehmen möchte in den kommenden Wochen Gespräche über eine Verlängerung der tariflichen Wochenarbeitszeit führen. Aktuell gilt für die Beschäftigten eine 35-Stunden-Woche.
Der Vorstand macht dabei deutlich, worauf die Forderung abzielt. "Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten", heißt es in dem Schreiben. Die Arbeitsstunde müsse in Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion günstiger werden.
Betriebsrat hält dagegen
Der Gesamtbetriebsrat bezeichnet in einer Mitteilung die Verschiebung der Sonderzahlung als "eine einseitige Entscheidung des Unternehmens". Sie sei ausdrücklich kein Ergebnis gemeinsamer Verhandlungen. Zwar sei das Vorgehen tarifvertraglich zulässig, dennoch zeige es den wirtschaftlichen Druck, unter dem Mercedes stehe.
Auch längere Arbeitszeiten lehnt die Arbeitnehmervertretung ab. "Wer Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie über unbezahlte längere Arbeitszeiten definiert, macht es sich zu einfach", heißt es in einer Stellungnahme. Zudem gebe es derzeit keine Verhandlungen über tarifliche Änderungen. Ohne eine entsprechende Öffnung der Tarifverträge könnten längere Arbeitszeiten ohnehin nicht vereinbart werden.





