Anfang Mai kontrollierten Beamte der Kreispolizeibehörde Euskirchen in Nordrhein-Westfalen den Verkehr in einer 30er-Zone – einem Bereich, in dem die Geschwindigkeitsbegrenzung aus gutem Grund gilt. Ein Kastenwagen wurde mit 42 km/h gemessen, also 12 km/h über dem erlaubten Limit. Ein klarer Verstoß, der normalerweise ein Bußgeld von 50 Euro nach sich zieht.
Doch der Fahrer hatte an diesem Tag außergewöhnliches Glück – und das verdankt er ausgerechnet einer älteren Dame mit Rollator.
Genau in dem Moment, als der Blitzer auslöste, spazierte eine Seniorin seelenruhig durchs Bild. Einkaufstasche im Korb, Blick geradeaus, keinerlei Anzeichen von Eile. Das Ergebnis: Das Kennzeichen des Transporters war auf dem Foto nicht erkennbar – der Fahrer nicht zu identifizieren, das Verfahren damit hinfällig.
Die Polizei Euskirchen postete das Bild auf ihren Social-Media-Kanälen und kommentierte es mit einer Mischung aus Humor und ernstem Unterton. "Im ersten Augenblick sah es fast so aus, als hätte die Dame gerade einen neuen Rollator-Geschwindigkeitsrekord aufgestellt", schrieben die Beamten. Die Seniorin selbst wirke auf dem Foto völlig unbeeindruckt – "ganz so, als wären spontane Fotoaufnahmen bei Geschwindigkeitskontrollen für sie Alltag."
Nur 2,7 km/h langsamer als der schnellste Mensch der Welt
42 km/h – das klingt zunächst unspektakulär. Doch zum Vergleich: 100 m-Sprint-Weltmeister Usain Bolt erreichte bei seinem Weltrekordlauf 2009 in Berlin eine Spitzengeschwindigkeit von 44,72 km/h. Die geblitzte Seniorin lag also nur knapp 2,7 km/h unter dem schnellsten Menschen. Ein durchschnittlicher Fußgänger bewegt sich übrigens mit etwa 4 bis 5 km/h fort.
Doch hinter dem viralen Schmunzler steckt eine ernste Botschaft: Tempo 30 in Wohngebieten, vor Schulen und Kindergärten ist keine willkürliche Schikane, sondern eine der wirkungsvollsten Maßnahmen zum Schutz von Fußgängern – besonders von Kindern und älteren Menschen.
Bereits wenige km/h mehr können im Ernstfall darüber entscheiden, ob ein Unfall glimpflich ausgeht oder tödlich endet. Der Bremsweg verlängert sich mit steigender Geschwindigkeit überproportional. Bei 50 km/h ist er fast doppelt so lang wie bei 30 km/h.





