Fernpass-Tunnel (B179) genehmigt: Ab 2027 geht´s los, ab 2029 mit Maut

Fernpass-Tunnel (B179) genehmigt
Ab 2027 geht´s los, ab 2029 mit Maut

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.07.2026
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Die B179 verbindet Deutschland und Österreich und führt vom Grenzübergang bei Füssen durch Reutte, Heiterwang und Lermoos über den Fernpass nach Nassereith ins Inntal. Täglich nutzen bis zu 30.000 Fahrzeuge diese Strecke, die mit engen Kurven, steilen Hängen und einem Höhenunterschied von aktuell etwa 200 Metern besonders im Winter häufig zu Verzögerungen führt. Der Fernpass selbst liegt auf einer Höhe von 1.210 Metern und weist eine maximale Steigung von acht Prozent auf.

Naturschutz-Genehmigung mit massiven Auflagen

Abhilfe soll der geplante 1,4 Kilometer lange Scheiteltunnel schaffen, der den besonders kurvenreichen, 4,8 Kilometer langen Passabschnitt entweder ersetzen oder ergänzen wird. Durch den Tunnelbau reduziert sich der Höhenunterschied auf nur noch 70 Meter. Dadurch werden Verkehrsstaus und witterungsbedingte Behinderungen verringert. Nach den genehmigten Planungen wird der Tunnel dreispurig gebaut. Zwei Fahrstreifen führen künftig bergauf in Richtung Reutte, ein Fahrstreifen bergab nach Nassereith. Zusätzlich ist ein befahrbarer Rettungsstollen vorgesehen.

Für das Projekt wurde inzwischen ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht. Die Tiroler Landesregierung hat am 2.7.2026 die naturschutzrechtliche Bewilligung für den Bau des Fernpasstunnels erteilt. Die Straßenbaugenehmigung war bereits 2025 rechtskräftig geworden. Vor einem tatsächlichen Baubeginn fehlen allerdings weiterhin die wasserrechtliche und die forstrechtliche Genehmigung. Zudem kann gegen den Bescheid innerhalb von vier Wochen Beschwerde eingelegt werden, die aufschiebende Wirkung hätte.

Die naturschutzrechtliche Genehmigung wurde unter umfangreichen Auflagen erteilt. Hintergrund ist, dass durch das Vorhaben geschützte Waldflächen sowie Lebensräume zahlreicher Tier- und Pflanzenarten betroffen sind. Vorgeschrieben sind deshalb unter anderem Aufforstungen, neue Amphibiengewässer sowie eine ökologische Baubegleitung während der gesamten Bauzeit. Die Tiroler Behörden bewerten die Eingriffe zwar als erheblich, kommen aber zu dem Ergebnis, dass das öffentliche Interesse an einer leistungsfähigeren und sichereren Fernpassverbindung überwiegt.

Tunnelbau beginnt 2027

Der Tunnelbau wird voraussichtlich im Jahr 2027 beginnen und rund zwei Jahre dauern, sodass frühestens 2029 mit einer Fertigstellung zu rechnen ist. Gleichzeitig mit der Eröffnung des Tunnels wird die gesamte Fernpassstrecke mautpflichtig. Nach bisherigem Planungsstand müssen Autofahrer dann 14 Euro pro Durchfahrt entrichten. Für Vielfahrer, insbesondere Berufspendler, ist eine Jahreskarte für 140 Euro geplant. Dieses Preismodell orientiert sich an den bestehenden Mauttarifen am Felbertauerntunnel in Osttirol. Die endgültige Höhe der Maut ist allerdings noch nicht endgültig festgelegt.

Zwei neue Mautstationen werden am Blindsee ("Außerfern") und in Nassereith errichtet. Eine generelle Mautbefreiung für Anwohner ist laut EU-Recht nicht möglich, daher werden stark vergünstigte Tarife für lokale Nutzer eingeführt. Mit diesen Maßnahmen hoffen die Verantwortlichen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den Verkehrsfluss auf einer der wichtigsten Alpenrouten nachhaltig zu verbessern.

Die Mauteinnahmen sollen in die Erhaltung und den Ausbau der regionalen Verkehrsinfrastruktur investiert werden, was angesichts geplanter Maßnahmen – wie der Erweiterung des Lermooser Tunnels um eine zweite Röhre – notwendig erscheint. Gleichzeitig übt der ADAC Kritik, da die zusätzlichen Kosten vor allem Berufspendler und den Tourismussektor belasten könnten. Es wird zudem befürchtet, dass der Verkehr auf alternative Routen ausweicht, wodurch neue Engpässe entstehen könnten.

Das sind die Alternativ-Routen

Reisende, die den Fernpass künftig meiden möchten, können auf folgende Alternativrouten zurückgreifen:

  • Über Mittenwald – Seefeld – Zirler Berg zur Inntalautobahn (A12); diese Strecke ist für Nutzer der A7 zwar eine Option, jedoch für Gespanne in Richtung Norden gesperrt.
  • Ab dem Kreuz Memmingen über Lindau (A96) und die österreichische Rheintalautobahn (A14) zur Arlbergschnellstraße (S16).
  • Ab dem Kreuz Ulm über München (A8/A99) zum Inntaldreieck (A8/A93) bei Rosenheim und von dort über Kiefersfelden zur Inntalautobahn (A12).

Die umfassenden Maßnahmen am Fernpass – inklusive des Tunnelbaus und der Einführung einer Durchzugsmaut – sind Teil eines Investitionspakets von rund 500 Millionen Euro, das in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Nach Angaben des Standortanwalts Tirol sollen die künftigen Mauteinnahmen die Finanzierung dieses Investitionsprogramms ermöglichen. Allein für den Tunnel werden Nettoinvestitionen von rund 133 Millionen Euro erwartet.

Fazit