"Ferrari"-Züge gegen die Deutsche Bahn: Ex-Ferrari-Boss will Bahnfahren billiger machen

Ex-Ferrari-Boss will Bahnfahren billiger machen
Mit „Ferrari“-Zügen gegen die Deutsche Bahn

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.05.2026
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Italo-Zug Luca Cordero di Montezemolo
Foto: Italo / Benedetta Bressani via Getty Images

Mit einer Flotte von 30 Hochgeschwindigkeitszügen des Typs Velaro von Siemens sollen täglich 56 Verbindungen angeboten werden. So sind etwa im Stundentakt die Verbindungen München, Köln und Dortmund geplant, zwischen München, Berlin und Hamburg soll es einen Zweistundentakt geben. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 3,6 Milliarden Euro.

Der Betrieb wird über die neu gegründete Tochter Atrium SE organisiert, die eigenständig in Deutschland auftreten wird. Erste Einstellungen sind ab Juni 2026 vorgesehen.

Trassen als entscheidende Voraussetzung

Die Umsetzung hängt maßgeblich vom Zugang zum Schienennetz ab. Zuständig ist die DB InfraGo AG, eine Tochter der Deutsche Bahn AG. Während Trassen üblicherweise jährlich vergeben werden, fordert Italo langfristige Vereinbarungen. Montezemolo beschreibt im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die Ausgangslage so: "Heute ähnelt der deutsche Markt stark dem italienischen Markt vor dem Wettbewerb. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir erheblich zur Verbesserung des Bahnverkehrs beitragen könnten".

Zur Rolle der Regulierung sagt er: "Lassen Sie es mich so sagen: Ohne sie wäre es wie ein Spiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, bei dem einer der Trainer gleichzeitig als Schiedsrichter fungiert".

Erfahrungen aus Italien als Referenz

Italo verweist auf die Entwicklung des italienischen Marktes seit dem Einstieg. Nach Unternehmensangaben wurde das Angebot ausgeweitet und die Preise reduziert. Montezemolo nennt durchschnittlich rund 40 Prozent niedrigere Ticketpreise. "Wir sind daher zuversichtlich, dass wir erheblich zur Verbesserung des Bahnverkehrs beitragen könnten", sagte er der "FAZ".

Der Markteintritt stößt auf Widerstand. Der Mobilitätsanbieter Flix hat Einspruch gegen entsprechende Vereinbarungen eingelegt. Hintergrund ist die erwartete Verschärfung des Wettbewerbs. Die Tochter FlixTrain baut ihr Angebot aus. Unternehmensgründer André Schwämmlein erklärte laut "Stuttgarter Zeitung", zwei größere Anbieter im deutschen Fernverkehr seien ausreichend.

Montezemolo und seine Rolle bei Ferrari

Luca Cordero di Montezemolo gilt als eine der prägenden Figuren in der Geschichte von Ferrari. Er war zunächst in den 1970er-Jahren als Teammanager in der Formel 1 tätig und führte das Team zu Erfolgen mit Niki Lauda. Später übernahm er den Konzern und leitete Ferrari von 1991 bis 2014.

In dieser Zeit entwickelte sich Ferrari wirtschaftlich und sportlich zu einer der dominierenden Marken im Motorsport. Unter seiner Führung gewann das Formel-1-Team mehrere Konstrukteurs- und Fahrertitel, unter anderem mit Michael Schumacher. Parallel baute Montezemolo die Marke im Seriengeschäft weiter aus und positionierte Ferrari international stärker im Luxussegment.

Weitere Aktivitäten und heutige Rolle

Neben Ferrari war Montezemolo in verschiedenen Funktionen in der italienischen Wirtschaft aktiv, unter anderem als Präsident von Fiat und als Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Confindustria. 2012 gründete er Italo mit, um den Wettbewerb im italienischen Hochgeschwindigkeitsverkehr zu stärken.

Heute begleitet er als Unternehmer und Investor strategische Projekte. Mit 78 Jahren zählt er weiterhin zu den einflussreichen Persönlichkeiten der europäischen Industrie. Der geplante Einstieg von Italo in Deutschland ist eines der größten aktuellen Vorhaben, an dem er beteiligt ist.

Fazit