Die FIA-Kommissare hatten nach der Zieldurchfahrt beim Miami-Grand-Prix viel zu tun. Gleich acht Verfahren wurden während des Rennens eingeleitet, die im Anschluss eins nach dem anderen abgearbeitet werden mussten. Mehrere Fahrer wurden in das Büro der Stewards geladen, um ihre Sicht der Dinge darzulegen.
Zunächst waren gleich drei Piloten angeklagt, während gelber Flaggen nicht ausreichend verlangsamt zu haben. Esteban Ocon, Fernando Alonso und Alex Albon hatten die Unfallstelle von Isack Hadjar offenbar so passiert, dass sie unter Verdacht eines Regelverstoßes gerieten. In allen drei Fällen verzichteten die FIA aber auf eine Strafe.
Auch George Russell und Max Verstappen mussten bei den Kommissaren vorsprechen, weil sich beide Autos kurz vor dem Ende des Rennens im Zweikampf berührt hatten. Bei dem Kontakt in Kurve 1 war ein Stück von Russells Frontflügel auf der Strecke geblieben. Beide Piloten bezeichneten die kleine Kollision als normalen Rennunfall. Die Stewards stimmten zu und verhängten keine Strafe.

Liam Lawson konnte nichts für das Foul an Pierre Gasly.
Lawson-Foul bleibt ohne Strafe
In der letzten Runde kam es auch noch zwischen Russell und Charles Leclerc zu einem Kontakt. Auch in diesem Fall blieb die Kollision folgenlos – sowohl im juristischen Sinne, als auch für den Ausgang des Rennens. Hier teilten beide Fahrer ebenfalls die Ansicht, dass es sich nur um einen kleinen Zwischenfall handelte. Die FIA-Experten schlossen sich dieser Argumentation an.
Überraschenderweise blieb auch der Rammstoß von Liam Lawson gegen Pierre Gasly ohne Folgen. Der Alpine wurde vom Racing-Bulls-Piloten auf die Hörner genommen und per Überschlag in die TecPro-Bande bugsiert. Das Team von Lawson konnte allerdings nachweisen, dass der fünfte Gang beim Anbremsen gebrochen war. Die Schiedsrichter erkannten den Getriebedefekt in den Telemetrie-Daten und verzichteten auf eine Strafe.

Für Leclerc und Verstappen setzte es nachträgliche Zeitstrafen.
Leclerc wird zurückversetzt
In zwei Fällen gab es aber keine Gnade von den Regelhütern. Nach seinem Dreher in Kurve 3 hatte Leclerc versucht, sich mit seinem waidwunden Ferrari noch irgendwie ins Ziel zu retten. Dabei kürzte der Monegasse absichtlich an vier Stellen die Strecke ab, unter anderem auch an den Schikanen. Das Verlassen der Strecke stellte einen dauerhaften Vorteil dar. Dafür setzte es eine Durchfahrtsstrafe.
Weil Leclerc die Strafe nach dem Rennen nicht mehr antreten konnte, wurde sie in eine 20-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt. Der Monegasse verlor dadurch zwei Positionen und fiel von P6 auf P8 zurück. Teamkollege Lewis Hamilton und Alpine-Pilot Franco Colapinto rückten je einen Platz auf. Es hätte für Leclerc noch schlimmer kommen können. Auf eine weitere Strafe wegen der Weiterfahrt mit einem unsicheren Auto verzichteten die Stewards aber.
Glück im Unglück für Verstappen
Auch für Max Verstappen setzte es nachträglich noch eine Strafe. Der Red-Bull-Pilot hatte nach seinem Reifenwechsel in Runde 6 die weiße Linie am Boxenausgang überfahren. Dafür setzte es eine Fünf-Sekunden-Strafe. Damit wäre er normalerweise hinter Leclerc zurückgefallen, wenn der nicht ebenfalls zurückversetzt worden wäre. So durfte Verstappen den fünften Platz behalten.
Man stellte sich nur die Frage, warum das Vergehen nicht schon während des Rennens geahndet wurde. Schließlich handelte es sich nicht um ein Foul, bei dem der Pilot nach seiner Meinung gefragt werden muss.
Dazu schrieben die Stewards in ihrer Urteilsbegründung: "Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls gab es nur begrenzte Video-Aufnahmen zur Beweisführung. Wir haben deshalb entschieden, die Angelegenheit nach der Zieldurchfahrt zu untersuchen, um zu sehen, ob es besseres Material gibt, vielleicht auch aus anderen Blickwinkeln. Das war auch der Fall. Darauf war zu sehen, dass die Außenkante des linken Vorderrads die durchgezogene Linie berührt hatte."












