Mehr als 1.000 Fuchs hat die Bundeswehr seit den 1980er-Jahren erhalten. Der Dreiachser transportiert nicht nur Soldaten, sondern dient je nach Ausführung auch als Führungsfahrzeug, Sanitätspanzer, Pionierfahrzeug oder ABC-Spürpanzer. Der Patria muss deshalb gleich mehrere Aufgaben übernehmen.
Zunächst kommt er in vier Varianten. Die Bundeswehr beschafft ihn für Pioniergruppen und Panzeraufklärungsgruppen sowie als schweren Mörser und Feuerleitfahrzeug. Die ersten Fahrzeuge entstehen noch in Finnland und werden im saarländischen Freisen mit der deutschen Ausrüstung versehen. Ende 2027 sollen dort die ersten vollständig gebauten Exemplare vom Band laufen.
Ein Radpanzer für vier Aufgaben
Der Patria ist nicht auf eine einzelne Funktion festgelegt. Sein Innenraum kann für Soldaten, Kommunikationsanlagen oder militärische Rüstsätze eingerichtet werden. Dadurch lassen sich verschiedene Fahrzeuge auf derselben technischen Basis bauen.
In der Pioniervariante bringt der Patria Soldaten und ihre Ausrüstung geschützt ins Einsatzgebiet. Das Fahrzeug für Panzeraufklärungsgruppen ist für die bewegliche Aufklärung vorgesehen. Die Mörserversion trägt das ferngesteuerte 120-Millimeter-System NEMO, während das Feuerleitfahrzeug den Einsatz der Mörser koordiniert und Zieldaten übermittelt.

Der Fuchs-Spürpanzer ist hoch geländegängig und bringt vier Soldaten sicher an den Einsatzort. Auch die Waffenstation ist unter Vollschutz bedienbar.
Platz für bis zu zwölf Soldaten
In der Grundausführung misst der Patria 7,70 Meter in der Länge, 2,90 Meter in der Breite und 2,50 Meter in der Höhe. Das maximale Einsatzgewicht beträgt 24 Tonnen. Bis zu 8,50 Tonnen können abhängig von der jeweiligen Variante auf Besatzung, Ausrüstung, Panzerung und Bewaffnung entfallen.
Fahrer und Kommandant sitzen im vorderen Teil des Fahrzeugs. Dahinter finden bis zu zehn weitere Soldaten Platz. Auch ihre Ausrüstung für einen Einsatz von bis zu 72 Stunden lässt sich innerhalb der geschützten Fahrzeughülle unterbringen. Der Ein- und Ausstieg erfolgt über das Heck.
Fünfzylinder-Diesel mit 394 PS
Für den Antrieb verwendet Patria einen 9,3 Liter großen Scania-Diesel. Der Reihen-Fünfzylinder leistet 294 kW beziehungsweise 394 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 1.870 Newtonmetern. Die Kraftübertragung übernimmt ein Automatikgetriebe.
Alle sechs Räder werden permanent angetrieben, die beiden vorderen Achsen lenken mit. Jedes Rad ist einzeln aufgehängt. Auf der Straße erreicht der Patria mehr als 100 km/h, die Reichweite gibt der Hersteller abhängig von Gewicht und Einsatzbedingungen mit bis zu 700 Kilometern an.
Die Angaben beziehen sich auf die Grundausführung. Gewicht, Abmessungen, Besatzung und Fahrleistungen können sich durch die Rüstsätze der Bundeswehr verändern.
So bewegt sich der Patria im Gelände
Der Patria kann Hindernisse mit einer Höhe von bis zu 60 Zentimetern überfahren und Gräben mit einer Breite von bis zu 1,20 Metern überwinden. Ohne weitere Ausrüstung liegt die Wattiefe bei 1,50 Metern. Das Fahrzeug bewältigt Steigungen von 60 Prozent und Schräglagen von 30 Prozent.
Optional kann der Radpanzer schwimmfähig ausgerüstet werden. Zwei Wasserstrahlantriebe am Heck bewegen ihn dann mit bis zu acht km/h durch das Wasser. Welche deutschen Varianten diese Ausstattung erhalten, hängt von den jeweiligen Anforderungen der Bundeswehr ab.

Der finnische Patria 6x6 löst bei der Bundeswehr schrittweise den Transportpanzer Fuchs ab. Der 394 PS starke Radpanzer kommt zunächst in vier Varianten und soll ab Ende 2027 vollständig im saarländischen Freisen gebaut werden.
Schutz lässt sich an die Aufgabe anpassen
In der Grundausführung erreicht der Patria nach Herstellerangaben die Schutzstufe zwei nach STANAG 4569. Die Norm beschreibt unter anderem den Schutz militärischer Fahrzeuge gegen Beschuss, Minen und Splittermunition. Zusätzliche Panzerungsmodule können den ballistischen Schutz bis auf Stufe vier erhöhen.
Mit stärkerer Panzerung steigt allerdings das Fahrzeuggewicht, während die verbleibende Nutzlast sinkt. Deshalb kann sich die Schutzstufe zwischen den einzelnen Varianten unterscheiden. Die deutsche Ausrüstung umfasst außerdem eine ABC-Schutzbelüftung sowie Technik für Einsätze bei Nacht.
Schwerer Mörser im geschlossenen Turm
Das 120-Millimeter-System NEMO sitzt in einem geschlossenen und fernbedienten Turm. Die Besatzung muss das Fahrzeug für den Mörsereinsatz nicht verlassen. Neben indirektem Feuer auf Ziele hinter Deckungen kann das System auch direkt auf ein sichtbares Ziel ausgerichtet werden.
Für die Bundeswehr wird NEMO an das Führungs- und Waffeneinsatzsystem ADLER angebunden. Die Daten für einen Feuerauftrag können dadurch digital an das Fahrzeug übermittelt werden. Der Patria ersetzt in dieser Aufgabe auch die veralteten Träger des schweren 120-Millimeter-Mörsers wie den M113 und den leichten Geländewagen Wolf.
Nicht jede Fuchs-Variante wird ersetzt
Der Transportpanzer Fuchs ist im Laufe seiner Dienstzeit für zahlreiche Aufgaben umgebaut worden. Neben dem Truppentransport übernimmt er bei der Bundeswehr unter anderem Aufklärungs-, Führungs-, Sanitäts-, Pionier- und ABC-Abwehraufgaben. Weitere Ausführungen dienen der elektronischen Kampfführung, Kommunikation oder Kampfmittelbeseitigung.
Der Patria wird daher nicht jede Fuchs-Ausführung im Verhältnis eins zu eins ersetzen. Die zunächst bestellten Modelle decken nur einen Teil der bisherigen Aufgaben ab. Für besonders spezialisierte Systeme können andere Fahrzeuge oder gesonderte Nachfolgeprojekte vorgesehen werden.
Serienproduktion im Saarland
Die ersten Fahrzeuge für die Bundeswehr werden in Finnland gebaut. KNDS stattet sie anschließend in Freisen mit den deutschen Rüstsätzen aus und übernimmt die Endmontage. Parallel entsteht dort die Serienproduktion. Ende 2027 sollen die ersten vollständig im Saarland gebauten Patria ausgeliefert werden.
An der Fertigung sind außerdem die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft und Jungenthal Wehrtechnik beteiligt. KNDS investiert bis 2035 knapp 100 Millionen Euro in Freisen. Neben der Produktion sollen dort auch Wartungen, Reparaturen und spätere Modernisierungen der Radpanzer stattfinden.





