Geht's dem teuren Führerschein an den Kragen? Politik und Experten diskutieren Lösungen

Politik und Experten diskutieren Lösungen
Geht's jetzt dem teuren Führerschein an den Kragen?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 28.01.2026
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Führerschein ist zu teuer
Foto: Canva/ams

Das Bundesland Sachsen hat nun in einer Bundesratsinitiative eine Modernisierung der Fahrschulausbildung eingebracht, um Kosten und Wartezeiten für den Auto-Führerschein zu senken. Gleichzeitig befassen sich das Bundesverkehrsministerium und die Fachleute beim Verkehrsgerichtstag in Goslar mit möglichen Entlastungen.

Steigende Kosten und strukturelle Probleme

Ein Führerschein der Klasse B kostet nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums derzeit durchschnittlich rund 3.400 Euro. In Sachsen liegt der Wert bei etwa 3.300 Euro. In ländlichen Regionen kommen lange Wartezeiten hinzu, die Ausbildung zieht sich teils über Monate. Die Durchfallquote liegt bundesweit bei rund 40 Prozent in der Praxis und 41 Prozent in der Theorie.

Zu den Gründen zählen gestiegene Fahrzeug- und Betriebskosten, die Inflation und der Mangel an qualifizierten Fahrlehrern. In Sachsen ist ein Viertel der rund 2.200 Lehrkräfte älter als 65 Jahre. Weniger Nachwuchs führt zu höheren Gehältern und geringeren Kapazitäten, was wiederum die Preise erhöht.

Sachsen-Initiative im Bundesrat

Mit der Bundesratsdrucksache 48/26 bringt der Freistaat Sachsen eine Initiative zur "Novellierung der Fahrschulausbildung" ein. Ziel ist, den Erwerb der Fahrerlaubnis schneller, digitaler und bezahlbarer zu machen. Verkehrsministerin Regina Kraushaar erklärte: "Der Führerschein ist für viele junge Menschen, gerade im ländlichen Raum, keine Option, sondern Voraussetzung für Ausbildung, Arbeit, Familie und Freizeit." Mobilität dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen.

Auch Wirtschaftsminister Dirk Panter betonte die Bedeutung des Themas für die Wirtschaft. "Der Führerscheinerwerb darf kein Luxus sein. Für viele Betriebe ist Mobilität eine Grundvoraussetzung, um Ausbildung und Arbeit zu ermöglichen – im Handwerk, in der Pflege oder in der Logistik", sagte Panter.

Die Initiative richtet sich an den Bund, die Ausbildung zu modernisieren, den Theorieunterricht stärker zu digitalisieren und den Lernprozess in klar definierte Abschnitte zu gliedern. Ein neuer Lernabschnitt soll erst beginnen, wenn der vorherige erfolgreich abgeschlossen wurde.

Konkrete Reformvorschläge

Im Kern fordert Sachsen, die Ausbildung flexibler und weniger bürokratisch zu gestalten. Vorgesehen sind:

  • digitaler Theorieunterricht und mehr Eigenlernphasen
  • Einsatz von Fahrsimulatoren, auch für Sonderfahrten
  • Reduzierung des Fragenkatalogs bei der Theorieprüfung
  • geringere Zahl verpflichtender Sonderfahrten
  • verkürzte Prüfungsdauer nach EU-Vorgabe
  • weniger Dokumentationspflichten für Fahrschulen
  • mehr Transparenz bei Preisen und Durchfallquoten
  • Prüfung des begleiteten Fahrens ab 16 Jahren

Ziel ist, Wiederholungsprüfungen zu vermeiden, da sie Kosten und Zeitaufwand deutlich erhöhen. Zudem sollen Wartezeiten auf Prüfplätze verringert werden, um den Ausbildungsprozess planbarer zu machen.

Bundesweite Reformpläne

Das Bundesverkehrsministerium hatte bereits im Oktober 2025 eine Reform der Fahrschulausbildung angekündigt. Minister Volker Schnieder will die Ausbildung ebenfalls moderner, digitaler und effizienter gestalten. Vorgesehen sind unter anderem weniger Prüfungsfragen, flexiblere Lernmethoden und eine Reduzierung der Aufzeichnungspflichten.

Das Ministerium prüft außerdem, ob private Übungsfahrten – etwa mit Familienangehörigen – künftig anerkannt werden können. Kritiker warnen jedoch, dass dadurch Sicherheitsrisiken entstehen könnten.

Die geplanten Änderungen sollen in Zusammenarbeit mit den Ländern konkretisiert und im ersten Halbjahr 2027 umgesetzt werden.

Beratungen in Goslar

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar (28. bis 30.1.2026) beschäftigen sich Experten aus Justiz, Wissenschaft und Verkehrspolitik in dieser Woche ebenfalls mit der Frage, wie die Führerscheinausbildung effizienter und bezahlbarer werden kann. Im Fokus steht die Diskussion, ob und in welchem Umfang Ausbildungsinhalte vereinfacht oder digitalisiert werden dürfen, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden.

Die Fachleute beraten obendrein über zusätzliche finanzielle Entlastungen, etwa steuerliche Anreize oder Zuschüsse für junge Fahrer. Zum Abschluss des Kongresses werden wie üblich Empfehlungen an den Gesetzgeber ausgesprochen, die in der Vergangenheit mehrfach in politische Beschlüsse eingeflossen sind.

Unabhängig davon fordern Interessenverbände eigene Modelle. Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Kurt Bartels, sprach sich dafür aus, Fahrschulkosten steuerlich absetzbar zu machen. "Bei Ausbildungskosten oder auch Elektroautos gibt es steuerliche Vergünstigungen – warum nicht auch beim Führerschein?", sagte Bartels. Der Auto Club Europa brachte die Idee eines einmaligen Mobilitätszuschusses von 500 Euro ins Gespräch, der für den Führerschein oder ein E-Bike genutzt werden könnte.

Ursachen und mögliche Entlastungen

Der Fahrlehrermangel bleibt der zentrale Kostentreiber. Fahrschulen müssen höhere Löhne zahlen und können weniger Schüler gleichzeitig ausbilden. Auch steigende Energie- und Fahrzeugpreise schlagen auf die Gebühren durch. Das Statistische Bundesamt verzeichnete allein von 2023 auf 2024 einen Anstieg der Ausbildungskosten um 5,8 Prozent.

Langfristig sollen digitale Lernangebote und effizientere Prüfungsabläufe die Kosten senken. Zusätzlich werden steuerliche Absetzbarkeit und direkte Zuschüsse als Entlastungsmodelle geprüft. Einig sind sich die Beteiligten darüber, dass Transparenz und Planbarkeit entscheidend sind, um die Ausbildung für Fahrschülerinnen und Fahrschüler kalkulierbarer zu machen.

Zeitplan und Ausblick

Die Verkehrsministerkonferenz wird sich im Frühjahr mit den Reformvorschlägen befassen. Sachsen drängt auf eine rasche Umsetzung und will den Druck über den Bundesrat erhöhen. Der Antrag zur "Novellierung der Fahrschulausbildung" steht am 30. Januar 2026 in der 1061. Sitzung des Bundesrates auf der Tagesordnung und soll anschließend an die zuständigen Ausschüsse überwiesen werden.

Regina Kraushaar warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen. "Wer den Führerschein braucht, sollte nicht auf eine vermeintlich billigere Zukunft hoffen. Es ist keine Reform per Zuruf", sagte die Ministerin. Wann die Maßnahmen tatsächlich zu spürbaren Kostensenkungen führen, bleibt offen. Ein Inkrafttreten wesentlicher Änderungen wird frühestens für 2027 erwartet.

Fazit