Handy am Steuer: 1 Milliarde Verstöße in Deutschland

Handy am Steuer
1 Milliarde Verstöße in Deutschland

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 09.06.2026
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Handy am Steuer
Foto: fotostorm via Getty Images

Obwohl jährlich rund 400.000 Handyverstöße von den Behörden registriert werden, geht der Automobilclub von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Hochgerechnet auf das gesamte Verkehrsaufkommen in Deutschland könnten sich die tatsächlichen Verstöße auf rund eine Milliarde pro Jahr belaufen.

Grundlage dieser Schätzung ist eine Verkehrsbeobachtung in fünf deutschen Großstädten. Dabei erfassten Beobachter nicht nur Autofahrer, sondern auch Radfahrer im laufenden Verkehr.

Beobachtung in fünf Großstädten

Für die Untersuchung beobachtete der ADAC den Verkehr in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München. An stark befahrenen Straßen wurden insgesamt 9.573 Autofahrer und 9.239 Radfahrer kontrolliert. Dabei registrierten die Beobachter 262 Handyverstöße bei Autofahrern und 125 Verstöße bei Radfahrern. Das entspricht einer Quote von 2,7 Prozent bei den Autofahrern und 1,4 Prozent bei den Radfahrern.

Nach Angaben des ADAC wurde das Smartphone dabei meist nicht zum Telefonieren ans Ohr gehalten. Deutlich häufiger hielten die Verkehrsteilnehmer das Gerät in der Hand, um Nachrichten zu lesen, zu tippen oder andere Funktionen zu nutzen.

Sekundenlange Ablenkung mit großen Folgen

Der ADAC verweist auf die Risiken, die bereits kurze Ablenkungen verursachen können. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h für nur zwei Sekunden auf das Smartphone schaut, legt in dieser Zeit rund 28 Meter zurück, ohne den Verkehr im Blick zu haben. Gerade im Stadtverkehr können solche Momente ausreichen, um auf plötzlich bremsende Fahrzeuge, Fußgänger oder Radfahrer nicht mehr rechtzeitig zu reagieren.

ADAC-Statistik Handy am Steuer 2026
ADAC

Die Verkehrsbeobachtung bestätigt damit eine Entwicklung, die Unfallforscher und Verkehrssicherheitsorganisationen seit Jahren beobachten. Moderne Smartphones bieten zahlreiche Funktionen, die während der Fahrt zusätzliche Ablenkung erzeugen können.

Viele Autofahrer geben eigene Nutzung zu

Ergänzend zur Verkehrsbeobachtung ließ der ADAC eine repräsentative Umfrage durchführen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung des Smartphones während der Fahrt keineswegs ein Randphänomen ist.

Mehr als jeder zweite Autofahrer gab an, das Smartphone bereits während einer Fahrt genutzt zu haben. Gleichzeitig berichteten 41 Prozent der Befragten von gefährlichen Situationen im Straßenverkehr, die sie auf die Handynutzung anderer Verkehrsteilnehmer zurückführen. Damit decken sich die Umfrageergebnisse weitgehend mit den Beobachtungen auf den Straßen.

ADAC-Statistik Handy am Steuer 2026
ADAC

Die Diskussion über automatisierte Kontrollen gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Nach Angaben des ADAC sprechen sich rund 70 Prozent der Befragten für sogenannte Handy-Blitzer aus. Solche Systeme werden bereits in einzelnen Ländern getestet oder eingesetzt. Sie sollen mithilfe spezieller Kameratechnik erkennen können, ob Fahrer während der Fahrt ein Smartphone in der Hand halten. Der ADAC fordert deshalb eine Ausweitung der Kontrollen und mittelfristig die rechtlichen Voraussetzungen für einen flächendeckenden Einsatz entsprechender Systeme.

Diese Strafen drohen bei Handyverstößen in Deutschland

Wer während der Fahrt ein Mobiltelefon oder ein anderes elektronisches Gerät in die Hand nimmt und nutzt, muss in Deutschland mit Bußgeldern und Punkten in Flensburg rechnen.

Die Vorschriften gelten nicht nur für Smartphones, sondern auch für Tablets, E-Book-Reader oder andere elektronische Geräte. Zulässig ist die Nutzung grundsätzlich nur dann, wenn das Gerät nicht aufgenommen oder gehalten werden muss und die Bedienung lediglich kurz erfolgt.

Fazit