Ein Blick auf die aktuellen Zahlen des ersten Quartals zeigt jedoch Unterschiede innerhalb der Branche. BP kommt auf rund 3,2 Milliarden US-Dollar Gewinn und steigert sich damit deutlich gegenüber dem Vorjahr. TotalEnergies erreicht etwa 5,4 Milliarden US-Dollar und zählt zu den stärksten Performern. ExxonMobil erzielt rund 4,2 Milliarden US-Dollar, Chevron etwa 2,2 Milliarden US-Dollar. Beide bleiben damit trotz hoher Ölpreise hinter früheren Hochphasen zurück. Shell hat ein starkes Umfeld signalisiert, die endgültigen Zahlen werden am 7.5.2026 erwartet.
Europäische Mineralölkonzerne profitieren vom Iran-Krieg
Die Einordnung wird klarer, wenn weitere große Anbieter einbezogen werden. Repsol steigert seinen Gewinn auf rund 873 Millionen Euro und profitiert vor allem von hohen Raffineriemargen. Eni kommt auf etwa 1,3 Milliarden Euro Gewinn und liegt damit unter den Erwartungen, bleibt operativ aber stabil. ConocoPhillips erzielt rund 2,2 Milliarden US-Dollar, verzeichnet jedoch einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr.
Damit bestätigt sich ein Muster. Europäische Konzerne können ihre Ergebnisse teilweise deutlich steigern, während US-Unternehmen trotz hoher Preise weniger stark profitieren. Der Unterschied liegt vor allem in der Struktur der Geschäftsmodelle.
Zusätzliche Gewinn-Möglichkeiten
Der Konflikt im Persischen Golf hat zentrale Transportwege belastet, insbesondere die Straße von Hormus. Ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels ist davon betroffen. Die Folge sind regionale Engpässe, steigende Preise und deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Märkten. Zeitweise lag der Ölpreis im Quartal über 100 US-Dollar pro Barrel.
Neben höheren Erlösen aus der Förderung entsteht dadurch ein zweiter, entscheidender Effekt. Die Marktverwerfungen eröffnen zusätzliche Gewinnmöglichkeiten durch Handel. Ein zentraler Faktor ist dabei das sogenannte Trading-Netzwerk. Gemeint ist die globale Struktur aus Handelsplätzen, Logistik und Marktanbindung, mit der Konzerne Öl und Ölprodukte weltweit bewegen. Unternehmen wie BP, Shell und TotalEnergies verfügen über große Handelsabteilungen und können flexibel auf Preisunterschiede reagieren.
Gewinne durch gezielten Handel
In der Praxis bedeutet das, dass Rohöl nicht nur gefördert und verkauft wird. Lieferströme lassen sich kurzfristig anpassen, Bestände gezielt vermarkten oder Preisdifferenzen zwischen Regionen nutzen. Genau diese Fähigkeit wird im aktuellen Marktumfeld zum entscheidenden Vorteil.
Dieses Handelsgeschäft hat im ersten Quartal maßgeblich zu den gestiegenen Gewinnen beigetragen. Unternehmen verweisen auf ein außergewöhnlich starkes Trading-Umfeld, das durch die geopolitische Lage begünstigt wurde.
Ein anderes Bild zeigt sich bei stärker förderorientierten Konzernen wie ExxonMobil, Chevron oder ConocoPhillips. Sie profitieren zwar von höheren Ölpreisen, können die kurzfristigen Marktbewegungen jedoch weniger stark nutzen.





