Seit Anfang 2026 geht Frankfurt mit einer neuen Technik gegen Falschparker vor, die Busspuren oder Haltestellen blockieren. Zehn Linienbusse wurden im Rahmen eines Pilotprojekts mit Frontkameras ausgestattet. Die Bilanz nach den ersten Monaten fällt erstaunlich aus: 421 Verkehrsverstöße wurden seit Jahresbeginn dokumentiert und anschließend durch die zuständigen Behörden verfolgt. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen soll das System jetzt auf weitere Fahrzeuge und sogar Straßenbahnen ausgeweitet werden.
Bei Blockade wird geknipst
Die Kameras befinden sich hinter der Windschutzscheibe der Busse. Sie kommen ausschließlich dann zum Einsatz, wenn ein abgestelltes Fahrzeug den Linienverkehr tatsächlich behindert. Das kann der Fall sein, wenn eine Busspur blockiert wird oder ein Bus eine Haltestelle wegen eines parkenden Fahrzeugs nicht anfahren kann. In solchen Situationen können die Fahrer per Knopfdruck eine kurze Serie von Fotos aufnehmen. Zusammen mit den Positions- und Zeitdaten werden die Aufnahmen anschließend an einen von der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ beauftragten Dienstleister übermittelt.
Vor der Weiterleitung an die Bußgeldstelle werden nach Angaben der Verantwortlichen alle unbeteiligten Personen oder Fahrzeuge auf den Bildern anonymisiert. Die so aufbereiteten Fälle gelangen über ein speziell eingerichtetes Portal an das Ordnungsamt. Dort wurden sämtliche eingereichten Vorgänge bearbeitet. Bis Ende Mai verschickte die Behörde bereits 325 Bußgeldbescheide sowie 75 Verwarnungen.
Immer mehr Verstöße
Der Pilotbetrieb startete im Februar mit jeweils fünf Fahrzeugen der In-der-City-Bus GmbH und der Deutschen Bahn Regio Mitte. Seitdem stieg die Zahl der dokumentierten Verstöße kontinuierlich an. Wurden im Februar noch 36 Fälle gemeldet, waren es im März 82 und im April bereits 133. Im Mai erreichte die Zahl der Anzeigen 170. Im Durchschnitt werden damit rund acht Vorgänge pro Werktag an die Bußgeldstelle übermittelt.
Besonders häufig treten die Verstöße laut traffiQ im Frankfurter Stadtteil Alt-Sachsenhausen auf. Dort werden Busspuren regelmäßig durch parkende Fahrzeuge blockiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Farbenstraße im Stadtteil Sindlingen, wo Busse immer wieder Probleme beim Anfahren von Haltestellen haben.
Personal ist begeistert
TraffiQ-Geschäftsführer Tom Reinhold bezeichnet die Frontkameras als wirksames Instrument. Parallel zum laufenden Betrieb seien technische Verbesserungen umgesetzt worden, darunter eine Optimierung der Bildqualität sowie Schulungen für das Fahrpersonal. Reinhold verweist zudem auf die Akzeptanz bei den Fahrern. "Das Fahrpersonal ist begeistert", berichtet er. Viele Beschäftigte würden die Möglichkeit begrüßen, Behinderungen des Linienverkehrs unmittelbar dokumentieren zu können.
Wer eine Busspur oder eine Haltestelle blockiert und dadurch den öffentlichen Nahverkehr behindert, muss mit einem Bußgeld von mindestens 70 Euro rechnen. Andere Verstöße, etwa das Parken ohne gültigen Parkschein, werden durch das System dagegen nicht erfasst. Voraussetzung für die Aufnahme bleibt immer eine konkrete Behinderung des Busbetriebs und eine manuelle Auslösung des Kamerasystems, es werden keine automatischen Aufnahmen während der Fahrt gemacht.
Bald auch in Straßenbahnen
Nach dem erfolgreichen Test wird die Technik jetzt breiter eingesetzt. Zu den bestehenden zehn Fahrzeugen sollen in Kürze mindestens zehn weitere Busse mit Frontkameras hinzukommen. Außerdem soll die Technik erstmals auch in Straßenbahnen erprobt werden. Noch im Laufe des Jahres sollen fünf Fahrzeuge der Verkehrsgesellschaft Frankfurt mit Frontkameras ausgestattet werden.





