Eine anonyme interne Umfrage soll bei Volkswagen ein ungewöhnlich düsteres Bild zeichnen. Das Manager Magazin berichtet: Sechs von neun befragten Vorstandsmitgliedern sollen die Existenz des Konzerns als gefährdet einschätzen, drei weitere die Lage als angespannt – niemand soll Entwarnung gegeben haben.
Der Bericht koppelt diese Einschätzung an eine zweite, ebenso klare Botschaft: Alle neun Vorstände sollen einen radikalen Strategiewechsel fordern. Vor allem die bisherige Ausrichtung in China und Nordamerika soll intern auf Kritik stoßen.
Warum VW gerade an mehreren Fronten kämpfen muss
Der Bericht nennt ein ganzes Bündel an Belastungsfaktoren, die einander verstärken. In China trifft Volkswagen auf aggressive, schnell drehende Konkurrenz und auf einen Markt, der sich rasant Richtung softwaredefinierter Elektroautos bewegt. Gleichzeitig drücken hohe Fixkosten, komplexe Strukturen, Restrukturierungsaufwand sowie Investitionen in Software und Batterien auf die Marge.
Obendrauf kommen politische Risiken: Zölle, Handelsbeschränkungen und geopolitische Spannungen nehmen Planbarkeit und Profitabilität in die Zange. Genau diese Gemengelage macht die strategische Diskussion heikel: Volkswagen muss sparen, umbauen und gleichzeitig schneller investieren.
Blume setzt den Kontrapunkt: Acht Hebel, ein Zielbild 2030
Volkswagen-Chef Oliver Blume zeichnet in der aktuellen Konzern-Kommunikation ein anderes Bild: Er stellt Handlungsfähigkeit, Tempo und Planbarkeit in den Vordergrund. Bei der virtuellen Hauptversammlung präsentiert er einen "Zukunftsplan", der die Transformation als Daueraufgabe definiert und den Konzern auf Nullwachstum der Märkte ausrichten soll.
Blume verankert den Plan in acht Hebeln: Komplexität reduzieren, Technologie-Fokus schärfen, Überkapazitäten abbauen, regionale Verantwortung stärken, Beteiligungen straffen, operative Exzellenz steigern, Leistung stärker fördern und die Konzernsteuerung verschlanken. Volkswagen koppelt das an ein Ziel: Bis 2030 will der Konzern eine operative Umsatzrendite von 8 bis 10 Prozent erreichen und den Netto-Cashflow im Auto-Bereich deutlich erhöhen.
Die harten Zahlen im Zukunftsplan: Kosten, Kapazitäten, Jobs
Volkswagen nennt inzwischen sehr konkrete Kostensignale. Der Konzern rechnet bis 2030 mit jährlichen Netto-Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Euro und verweist auf bereits erzielte Effekte – unter anderem durch Tarifeinigungen und Personalabbau.
Beim Stellenabbau beziffert VW die Vereinbarung auf rund 50.000 Jobs bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Software-Tochter CARIAD; davon 35.000 Stellen bei der Volkswagen AG. Zudem meldet Volkswagen bereits mehr als 28.000 bis 2030 verbindlich vereinbarte Austritte. Das Unternehmen koppelt diese Einschnitte an das Versprechen "sozialverträglicher" Umbauten und an Spielraum für Zukunftsinvestitionen.

Elektrifizierung ist weiterhin eines der großen Themen - erst recht auf dem chinesischen Markt. VW-Chef Oliver Blume hat dafür einen umfangreichen Strategieplan.
China, Software, Batterien: VW versucht Tempo zu zeigen
In China will Volkswagen die Entwicklung stärker lokalisieren und nennt eine in kurzer Zeit entwickelte Elektronik-/Elektrik-Architektur als Beispiel. Gleichzeitig verweist der Konzern auf das Joint Venture mit Rivian für eine zonale Software-Architektur in westlichen Märkten.
Bei der Batterie setzt Volkswagen auf die Tochter PowerCo und betont den Aufbau eigener Zellkompetenz samt Fabriken in Deutschland, Spanien und Kanada. Der Konzern will damit Abhängigkeiten reduzieren und die Kostenkurve in den Griff bekommen – ein zentraler Hebel für bezahlbare Elektroautos und stabile Margen.
Elektro-Story als Stabilitätsanker: VW betont Marktanteile
Volkswagen stellt die jüngste Elektro-Entwicklung als Erfolgsgeschichte dar: 2025 habe der Konzern weltweit 32 Prozent mehr vollelektrische Fahrzeuge ausgeliefert, in Europa sogar 66 Prozent mehr. In Europa reklamiert Volkswagen Marktführerschaft bei BEVs und nennt 27 Prozent Marktanteil.

VW beschleunigt seine Entwicklungen - vor allen Dingen im Bereich der Elektromobilität (im Bild ein VW ID. Buzz Cargo).
Außerdem rückt der Konzern eine neue Einstiegs-E-Familie in den Vordergrund (unter anderem mit Cupra Raval und Škoda Epiq). Genau hier entscheidet sich viel: Preis, Software-Qualität, Lieferfähigkeit und Skalierung müssen gleichzeitig passen – und zwar in einem Markt, der auf Rabatte und Taktung gnadenlos reagiert.
Was jetzt zählt: Glaubwürdigkeit, Tempo, Prioritäten
Der Bericht über die interne Umfrage trifft Volkswagen an einer empfindlichen Stelle: Er stellt nicht einzelne Projekte infrage, sondern die Gesamtlage und den Zusammenhalt im Top-Management. VW antwortet darauf mit einem strukturierten Maßnahmenpaket und mit Kennzahlen, die Investoren und Belegschaft Orientierung geben sollen.





