Die Koffer sind gepackt, das Auto ist startklar und die Vorfreude auf den Italien-Urlaub groß. Doch auf Italiens Autobahnen ist Vorsicht geboten: Neben klassischen Geschwindigkeitskontrollen setzt das Land seit Jahren auf das Tutor-System, eine streckenbezogene Überwachung der Durchschnittsgeschwindigkeit. Deshalb heißt es nicht nur an einzelnen Kontroll-Stellen "Fuß vom Gas", denn das System kontrolliert über weite Fahrstrecken das gefahrene Tempo. Und es kann seit Neuem noch mehr.
Was das Tutor-System misst
Anders als ein normaler "Blitzer" erfasst das Tutor-System Fahrzeuge nicht nur an einzelnen Punkten, sondern kontrolliert die Geschwindigkeit über einen längeren Autobahnabschnitt. Kameraportale und Messbrücken registrieren ein Fahrzeug beim Einfahren in die kontrollierte Strecke und erneut am Ende des Abschnitts. Aus den beiden Zeitpunkten berechnet das System die durchschnittliche Geschwindigkeit, eine klassische "Section Control" also. Theoretisch könnte man teilweise unter dem Tempolimit bleiben und im Kontrollabschnitt kurz zu schnell fahren, um die geforderte Durchschnittsgeschwindigkeit einzuhalten. Praktisch ist das eine schlechte Idee, denn auch innerhalb der Tutor-überwachten Abschnitte können einzelne Messanlagen stehen.
Auf welchen Strecken kontrolliert wird
Das Tutor-System ist vor allem auf stark befahrenen Hauptachsen im Einsatz. Nach aktuellen Angaben des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia umfasst das Netz rund 2.500 Kilometer mit über 260 Kontrolleinrichtungen. Besonders häufig wird auf den wichtigen Urlaubs- und Transitstrecken kontrolliert.
Dazu zählen unter anderem:
- die A1 als zentrale Nord-Süd-Autobahn von Mailand über Bologna, Florenz und Rom bis nach Neapel.
- die A4 zwischen Turin, Mailand und Venedig.
- die A14 entlang der Adria
- die A23 von Palmanova Richtung Tarvis
Die überwachten Abschnitte werden von Autostrade per l’Italia offiziell veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.
Nicht jeder Abschnitt ist ständig aktiv
Wichtig für Autofahrer: Die Infrastruktur steht zwar dauerhaft, doch nicht jeder Abschnitt ist rund um die Uhr gleichzeitig in Betrieb. Einzelne Strecken können je nach Verkehrslage, Sicherheitsbedarf oder organisatorischer Planung aktiviert werden. Das heißt aber nicht, dass sich Entwarnung geben lässt, sobald ein Abschnitt einmal inaktiv war. Gerade auf viel genutzten Routen kann sich die Situation schnell ändern.
Tutor 3.0 kann mehr als Tempo
Mit der aktuellen Ausbaustufe Tutor 3.0, die 2025 auf mehreren Streckenabschnitten eingeführt wurde, ist das System deutlich leistungsfähiger geworden. Es kontrolliert inzwischen nicht mehr nur die gefahrene Geschwindigkeit. Laut aktuellen Berichten können zusätzliche Sicherheitsverstöße erfasst werden, etwa riskante Überholmanöver, Abstands-Verstöße oder Verkehrsverstöße von Lkw. Auch das regelwidrige Benutzen des Pannenstreifens wird überwacht.
Das Tutor-System funktioniert auch bei Nacht, bei Regen und bei Nebel mit eingeschränkter Sicht. Bei Niederschlag kann die Verkehrsbehörde die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h senken; der Tutor wird dann entsprechend auf diesen Wert angepasst. Das System erkennt außerdem verschiedene Fahrzeugtypen wie Pkw, Anhänger-Gespanne, Motorräder, Lkw und Busse.
Nachts kostet es mehr
Ein weiterer Punkt, den viele Italien-Urlauber nicht kennen, sind die strengeren Sanktionen bei Nacht. Zwischen 22:00 Uhr und 07:00 Uhr werden Geldbußen für Tempoverstöße in Italien um ein Drittel erhöht. Gerade auf langen Nachtfahrten Richtung Süden oder bei der Rückreise kann das teuer werden. Wer zu dieser Zeit unterwegs ist, sollte daher besonders aufmerksam bleiben.
So teuer kann es werden
Bei Geschwindigkeitsverstößen gelten in Italien je nach Höhe der Überschreitung und Tageszeit unterschiedliche Bußgelder. Außerdem gibt es im Gegensatz zu den deutschen Regeln keine "fixen" Bußgelder. Der Gesetzgeber in Italien legt für jede Überschreitungsstufe keinen festen Betrag, sondern einen Mindest- und einen Höchstbetrag fest. Die Polizei/Behörde hat entsprechend einen Ermessensspielraum und entscheidet unter anderem je nach Verkehrssituation, Verkehrsaufkommen und weiteren Kriterien.
Abstandsverstöße werden ebenfalls verfolgt, vor allem auf Autobahnen. Anders als in Deutschland gibt es in Italien keine so detailliert gestaffelte öffentliche Bußgeldtabelle nach "halbem Tachowert". Der Sicherheitsabstand muss jedoch ausreichend sein; bei Kontrollen drohen mehrere hundert Euro Bußgeld. Besonders streng sanktioniert werden dichtes Auffahren bei hohem Tempo und gefährdendes Verhalten. Überholverstöße auf italienischen Autobahnen – etwa rechts überholen, Überholen trotz Verbots oder gefährliche Spurwechsel – beginnen laut italienischem Bußgeldkatalog bei 85 Euro. Bei Gefährdung oder Missachtung spezieller Verbote können die Strafen deutlich höher ausfallen.
Wichtig für deutsche Autofahrer: Italienische Bußgelder können auch in Deutschland vollstreckt werden. Allerdings gewährt Italien häufig 30 Prozent Rabatt, wenn das Bußgeld innerhalb von fünf Tagen bezahlt wird. Auch das deutsche "Punktekonto" bleibt von Bußgeldern in Italien unberührt.





