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IW-Studie: Nur 2 Prozent der Autofahrer fahren über 160 km/h

Neue IW-Studie zu Tempolimit auf Autobahnen Offenbar nur 2 Prozent mit über 160 km/h unterwegs

Laut einer aktuellen Studie aus Echtzeit-Daten gibt es neue Fakten im Tempolimit-Streit: Mehr als drei Viertel der Autofahrer fahren auch ohne Tempolimit langsamer als 130 km/h. Was bedeutet das für die aktuelle Debatte so kurz vor der Bundestagswahl? Wir fassen zusammen.

Die Argumente des Für und Wider eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen liegen schon lange auf dem Tisch. Die einen heben die Stichworte Sicherheit, geringerer CO2-Ausstoß etc. hervor, die anderen halten eine tempounbeschränkte Autobahn für die letzte Bastion der Freiheit. So ungefähr nach dem Motto: "Über 130 muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...". Sogar Kompromisse tauchen auf, die in einem Tempolimit von 200 km/h den idealen Ausgleich zwischen den verhärteten Fronten sehen. Passend zum Wiederauflodern des Dauerbrenners im aktuellen Bundestagswahlkampf liefert jetzt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln neue Fakten.

Jochen Knecht (Chefredakteur Digitial) zum Tempolimit 130
Politik & Wirtschaft

77 Prozent langsamer als 130 km/h

Die jüngst erschienene Studie präsentiert Echtzeit-Daten. Damit lässt sich besser argumentieren als mit Emotionen: In einem Zeitraum von rund vier Monaten haben die IW-Wissenschaftler Daten von Autobahnzählstellen an Abschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung in Nordrhein-Westfalen ausgewertet. Dabei wurden rund 1,2 Milliarden Fahrten auf 1.762 Fahrstreifen erfasst. Ergebnis: Rund 77 Prozent der Autofahrer fahren langsamer als 130 km/h – und das gerade auch auf Abschnitten ohne Tempolimit. Gerade einmal knappe 2 Prozent waren in dem bevölkerungsreichsten Bundesland überhaupt schneller als 160 km/h unterwegs. Zwischen 15 und 18 Uhr waren die Autobahnen in NRW am vollsten und damit nur ein Prozent der Autofahrer schneller als 160 km/h. Dieser Wert erhöhte sich in den darauffolgenden Abendstunden, allerdings nur marginal. Selbst zwischen 22 und 4 Uhr fahren nur vier Prozent 160 km/h oder schneller. "Die Zahlen zeigen, dass selbst bei freier Fahrt und nachts nur eine Minderheit sich mit maximalen Geschwindigkeiten wohlfühlt.", so das Institut. Was bedeutet das nun für die aktuell wieder neu entflammte Debatte um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen?

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Wenn tatsächlich ein Tempolimit eingeführt werden sollte, würde es lat der Studie nur Wenige betreffen. Ein Grund, darüber nachzudenken, so das Institut.

Nur Wenige betrifft es

Ein schlagendes Argument für ein Tempolimit ist die offenbar zunehmende Sicherheit mit geringeren Geschwindigkeiten. Zugegeben, zwischen dem zweiten und dritten Autobahnstreifen kann es schon mal stressig zugehen, wenn die Geschwindigkeitsdifferenz dazwischen zu groß ist. Hier führen die Autoren der Studie jedoch an, dass der Anteil der Autofahrerinnen und Autofahrer, die tatsächlich mit hohem Tempo unterwegs sind, sehr gering sei. Dementsprechend dürfte eine generelle Limitierung auf 130 km/h nur geringe Auswirkungen haben. Zudem gehörten die deutschen Autobahnen auch ohne Tempolimit zu den sichersten Straßen überhaupt. Allerdings wird auch etwa jeder dritte Kilometer auf der Autobahn gefahren. Und eine etwas ältere Studie aus Brandenburg, bei der ein 62 Kilometer langer Abschnitt drei Jahre mit und drei Jahre ohne Tempolimit beobachtet wurde, zeigte eine Halbierung der Unfallzahl durch das Tempolimit. Für diesen Streckenabschnitt lag allerdings keine Auswertung vor, wie viele Autofahrer hier ohne Tempolimit schneller gefahren sind als 130 km/h. Wenn deren Anteil hier zuvor erheblich höher gelegen hat, als bei den von der IW-Studie betrachteten Abschnitten, könnte das die Erklärung für die Wirkung der Geschwindigkeitsbegrenzung hier sein und liefert gleichzeitig ein Argument für selektive, verkehrsabhängige variable Tempolimits.

Zu hohe Erwartungen

Laut einer Insa-Umfrage befürworten aktuell 52 Prozent der Bevölkerung eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen – offenbar auch, weil sie die Mehrheit vielleicht auch aufgrund der langanhaltenden Diskussionen als Allheilmittel begreift. Der IW-Verkehrsökonom Thomas Puls gibt dazu zu bedenken: "Die öffentlichen Erwartungen an ein Tempolimit sind nach 50 Jahren Debatte deutlich überzogen". Wie sich der öffentliche Diskurs weiter entwickeln wird, ist angesichts dessen leicht zu ahnen.

Fazit

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt: Der Anteil an Autofahrerinnen und Autofahrern mit Geschwindigkeiten über 160 km/h ist mit zwei Prozent tagsüber und unwesentlich mehr in der Nacht ziemlich gering. Die Echtzeit-Daten lassen mehrere Interpretationen zu. Die Autoren der Studie lesen sie zumindest nicht als Wasser auf die Mühlen der Tempolimit-Befürworter. Im Gegenteil: Sie halten den Beitrag der aktuell wieder heiß diskutierten Geschwindigkeitsbegrenzung vor allem zur Einhaltung der neuen Klimaziele für überschaubar.