Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen.
Demnach sollen insbesondere die Bereiche Software, Plattformen und Fahrerassistenzsysteme künftig stärker von der Konzernzentrale gesteuert werden. Nach Jahren der Dezentralisierung würde der Vorstand damit einen Teil der Kompetenzen, die zuvor an Marken und Tochtergesellschaften abgegeben worden waren, wieder bündeln.
Strategische Neuordnung im Rahmen der Konzernstrategie 2030
Die geplante Zentralisierung ist Teil der Konzernstrategie 2030 und soll laut "Handelsblatt" ein Schwerpunkt von Blumes zweiter Amtszeit werden. Ziel sei es, Kosten zu senken, Entwicklungszeiten zu verkürzen und parallele Strukturen zu vermeiden.
Als Vorbild gilt die Markengruppe "Core", in der die Volumenmarken VW, Skoda sowie Seat und Cupra Technik, Einkauf und Produktion bündeln. Der Ansatz folgt dem Prinzip einer operativen Holding. Strategische und technologische Schlüsselbereiche sollen zentral geführt werden, während die Marken Gestaltung, Positionierung und Kundenerlebnis verantworten.
Erste Effekte der Neuordnung sollen noch 2026 sichtbar werden. Auch personelle Veränderungen im Vorstand gelten laut "Handelsblatt" als wahrscheinlich. Entscheidungen in den zuständigen Gremien stehen jedoch noch aus.
Zeitdruck durch angespannte Finanzlage
Die Steuerungsfrage gewinnt vor dem Hintergrund der finanziellen Lage an Bedeutung. Volkswagen hatte sein jährliches Einsparziel um zwanzig Prozent auf 18 Milliarden Euro erhöht. Intern wird offenbar auch in den kommenden Jahren mit weiter steigenden Sparvorgaben gerechnet.
Bereits im sogenannten Weihnachtskompromiss Ende 2024, in dem der Abbau von 35.000 Stellen vereinbart wurde, war eine stärkere Rolle der Volkswagen AG in der Konzernsteuerung festgehalten worden. In dem Papier heißt es: "Die Betriebsparteien sind sich einig, dass der besonderen Steuerungsrolle der Volkswagen AG als juristische Person im Konzernverbund Rechnung getragen werden muss", zitiert das "Handelsblatt".
Vereinbart war zudem, die Konzernsteuerung bis Ende des ersten Quartals 2025 zu überarbeiten. Ein Jahr später ist die Neuordnung weiterhin nicht abgeschlossen. Turbulenzen bei Porsche hatten Blume länger als geplant in einer Doppelrolle gebunden.
Technologie als zentraler Hebel
Besonders sichtbar wird die neue Gewichtung im Technologiebereich. Künftig soll es konzernweit zwei Betriebssystemstränge geben, einen für China einschließlich Exportmärkte und einen weiteren für den Rest der Welt. Letzterer entsteht im Joint Venture mit dem US-Elektroautobauer Rivian. Die Rechte liegen beim Konzern.
Die bisherigen Systeme der Softwaretochter Cariad gelten faktisch als Auslaufmodell. Auch bei Fahrzeugplattformen und Assistenzsystemen soll Wolfsburg stärker die Richtung vorgeben.
Ein ranghoher Manager wird mit den Worten zitiert: "Eine Entscheidung über ADAS steht dieses Jahr an." Zur Diskussion stehen eine externe Lösung oder eine Eigenentwicklung. Intern werde Letztere favorisiert. Neben der Zusammenarbeit mit Cariad arbeitet Volkswagen im Bereich automatisiertes Fahren unter anderem mit Bosch sowie mit der Intel-Tochter Mobileye zusammen.
Konfliktlinien im Konzern
Die Machtverhältnisse bei Volkswagen gelten seit Jahrzehnten als komplex. Neben dem Vorstand spielen Arbeitnehmervertreter, das Land Niedersachsen, Katar als Großaktionär sowie die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch eine zentrale Rolle.
Historisch wechselte das Pendel mehrfach zwischen stärkerer Zentralisierung und größerer Markenautonomie. Unter Ferdinand Piëch dominierten zentrale Technologieentscheidungen. Spätere Vorstandsvorsitzende setzten zeitweise stärker auf die Eigenständigkeit der Marken.
Blume hatte zu Beginn seiner Amtszeit die Marken gestärkt. Kurz nach seinem Amtsantritt sagte er dem "Handelsblatt": "Unsere Kunden kaufen Marken, keinen Konzern." Diese Phase gilt konzernintern als weitgehend abgeschlossen. Nun soll die Zentrale wieder mehr operative Steuerung übernehmen.
Mittelweg statt reine Finanzholding
Nach dem Bericht strebt Blume keinen Umbau zu einer reinen Finanzholding an. Das Modell des Wettbewerbers Stellantis gilt im Konzern als abschreckendes Beispiel. Eine zu starke Entkernung der Marken soll vermieden werden.
Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo hatte bereits im Herbst erklärt: "Volkswagen muss wieder stärker Dreh- und Angelpunkt für den gesamten Konzernverbund sein." Zugleich erteilte sie Überlegungen, den Konzern als reine Holding zu führen, "eine ganz klare Absage".
Hinter der Debatte steht auch die Frage der Mitbestimmung. Eine stärkere Holding-Struktur könnte den Einfluss von Arbeitnehmergremien auf unteren Ebenen verringern.
Machtfrage im Aufsichtsrat
Parallel zur Strukturdebatte läuft die Diskussion um die künftige Spitze des Aufsichtsrats. Im Juni entscheidet die Hauptversammlung über die Besetzung des Kontrollgremiums. Der amtierende Vorsitzende Hans-Dieter Pötsch gilt als Unterstützer Blumes. Eine Verlängerung seiner Amtszeit ist möglich, es werden jedoch auch alternative Namen diskutiert.
Größere Umbauten im Vorstand müssten vom Aufsichtsrat mitgetragen werden. Beobachter verweisen darauf, dass die Personalentscheidungen eng mit der künftigen Struktur verzahnt sind.












